Abbau von Arbeitsplätzen allein ist phantasielos
Einsparpotenziale des E-Business besser nutzen

Die Rezession ist da! Folgt man den Konjunkturprognosen, so sieht die nicht allzu ferne wirtschaftliche Zukunft recht düster aus. Durch die deutliche Zurückhaltung auf der Nachfrageseite spüren die meisten Unternehmen die beginnende Krise mit zum Teil erheblichen Umsatz- und Gewinneinbrüchen.

DÜSSELDORF. In dieser schwierigen Situation greifen die meisten Unternehmen zu einschneidenden Kostensenkungsmaßnahmen, um die Lage erträglich zu machen. Um es mit der neudeutschen Formulierung zu belegen: "Growth-Strategien sind out, und Cost-Reduction ist in!"

Fast täglich kann man in den Wirtschaftsteilen der Tagespresse über Entlassungen größeren Ausmaßes lesen. Zumeist wird also wie immer auf das probateste Mittel der Kostenreduktion zurückgegriffen - den Abbau von Arbeitsplätzen. Sicherlich ist der Weg des massiven Arbeitsplatzabbaus in Krisenzeiten notwendig und Erfolg versprechend zugleich. Notwendig deshalb, weil er verhältnismäßig große Kostenblöcke abbaut und damit größere Kostensenkungen bewirkt. Erfolg versprechend zumeist deshalb, weil der Arbeitsplatzabbau in einem überschaubaren Zeitraum relativ "sichere" beziehungsweise verlässliche Kostensenkungen ermöglicht.

Diese zumeist kurz- bis mittelfristig ausgerichteten "Maßnahmen zur Anpassung an die veränderten Marktbedingungen" bergen in sich aber ein nicht zu unterschätzendes Gefahrenpotenzial. Dieses besteht darin, dass mit der nächsten Konjunkturerholung der Ausbau der Produktionskapazitäten in der Regel auf Grund der nun fehlenden Fachkräfte nicht angemessen erfolgen kann. Das Problem haben inzwischen auch viele führende Unternehmen erkannt. So versucht Siemens, mit neuen Arbeitsplatzmodellen wie teilbezahlten Urlaubszeiten oder flexiblen Arbeitszeiten dem dauerhaften Verlust hoch qualifizierter Fachkräfte zu begegnen.

Neben diesen Maßnahmen erlangt zunehmend eine neue Form der Kostenreduktion an Bedeutung, die erhebliche Einsparungen mit verbesserten Prozesseffizienzen ermöglicht. International führende Unternehmen nutzen inzwischen das E-Business der zweiten Generation, um ihre Kostenpositionen signifikant zu verbessern. Nach der Startup-Euphorie im E-Business und der sich hieran anschließenden Marktbereinigung wird in der so genannten zweiten Generation des E-Business vor allem der Fokus auf die Verbesserung der Prozesseffizienz der Geschäftsaktivitäten gerichtet. Hierbei hat sich der Anwendungsschwerpunkt des E-Business von Startup-Unternehmen hin zu Großunternehmen verlagert, wobei nicht mehr der "Internetverkauf" im Blickpunkt steht, sondern die Unterstützung und Vernetzung aller wertschöpfenden Unternehmensaktivitäten.

Die aktuellen Schlagworte hierzu sind "E-enabled Company" und "E-Supply Chain Integration", die wie so oft aus den USA importiert werden. Hinter diesen Begriffen verbirgt sich zumeist die Intention, durch die Unterlegung und Unterstützung von Unternehmensaktivitäten entlang der Wertschöpfungskette erhebliche Prozesskosteneinsparungen zu realisieren. Hierbei werden nicht mehr Insellösungen wie der isolierte Verkauf über das Internet oder isolierte elektronische Beschaffungsaktivitäten - wie beim E-Business der ersten Generation - verfolgt.

Vielmehr wird die unternehmensweite Vernetzung in den Mittelpunkt der Aktivitäten gestellt - die so genannte digitale Transformation. Beginnend mit E-Procurement und E-Sourcing werden insbesondere die logistischen Prozesse im Realtime-Modus miteinander verbunden. Durch exakt vernetztes, internetbasiertes Sourcing, Logistik, Produktion, Fulfilment und E-Sales/E-CRM wird eine sehr genaue und flexible Reaktion auf Marktanforderungen ermöglicht.

Die "E-enabled Company" führt jedoch nur zu umfangreichen Kosteneinsparungen, wenn die gesamten wertschöpfenden Aktivitäten von der Beschaffung über die Produktion und die Ein- und Ausgangslogistik sowie die Distribution durch Internet- und Intranetaktivitäten integriert werden. Ein Erfolgsfaktor bei der digitalen Transformation liegt jedoch in der unternehmensübergreifenden elektronischen Vernetzung mit anderen Unternehmen wie Zulieferern oder Serviceanbietern, denn gerade durch die Integration der externen Wertschöpfungsschnittstellen sind besonders hohe Kostensenkungspotenziale erreichbar.

Die elektronische Vernetzung der Wertschöpfungsprozesse ermöglicht letztendlich auch eine integrierte Steuerung der Unternehmensaktivitäten durch die Unternehmensführung. Hier hat beispielsweise Volkswagen eine E-Steuerungszentrale im Jahre 2001 aufgebaut, die die kosteneffektive und-effiziente Planung der Ressourcen ermöglicht. Die elektronische Abstimmung und Abbildung der gesamten Geschäftsaktivitäten ermöglicht je nach Entwicklungsstadium der digitalen Transformation Kosteneinsparungen zwischen zehn und 30 Prozent entlang der Wertschöpfungskette. Ein besonders erfolgreiches Beispiel für die Verbesserung der Kostenposition durch digitale Transformation ist das US-Unternehmen Cisco, das mittlerweile fast seine gesamten Wertschöpfungsprozesse elektronisch unterstützt und vernetzt hat.

Im Gegensatz zu den traditionellen Kostensenkungsmaßnahmen hat der "Kostenkiller digitale Transformation" den entscheidenden Vorteil, mit weniger Mitarbeitern meist höhere Prozesseffizienz und höheren Output zu generieren und ist damit zukünftig wohl das probatere Mittel in Krisenzeiten.

Bernd W. Wirtz ist Direktor des Euro Lab for Electronic Commerce & Internet Economics, Universität Witten/Herdecke.

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