Abbau von Arbeitsplätzen und Kostensenkung sollen Expansion ermöglichen
Ungarns Mol rollt Osteuropa auf

Ungarns Energiekonzern Mol Rt hat Chancen, ein regionaler Spieler in Mittel- und Osteuropa zu werden.

BUDAPEST. Als größtes Unternehmen des Landes und Spitzenwert an der Budapester Börse ist Mol auch auf dem besten Wege dazu. Dies beweist seine jüngste Akquisition. Laut Vertrag wird Mol seinen Anteil am slowakischen Ölkonzern Slovnaft von 31,6 % auf 67,8 % erhöhen. Im Gegenzug übernimmt dieser 9,99 % der Mol-Aktien.

Mol-Präsident Zsolt Hernadi und sein Management sind ehrgeizig genug, in diese Richtung weiterzumarschieren. Nach ihrem Erfolg in der Slowakei und vorher in Rumänien haben sie nun auch Kroatien, Tschechien und Polen im Visier. Dabei konkurrieren sie vor allem mit den Energieversorgern OMV und PKN Orlen aus Österreich und Polen, die ebenfalls auf Expansionskurs in diesem Teil Europas sind.

Mol hat aber auch das Zeug dazu, als "östliches" Unternehmen im Westen einzusteigen. Dies ist bisher nur russischen Giganten wie Gazprom gelungen. So berichtete die Zeitung "Vilaggazdasag", Mol wolle Aral-Tankstellen in Süddeutschland übernehmen. Von der zuständigen Londoner BP-Zentrale wurde dies bisher weder bestätigt noch dementiert.

Basis für alle Expansionspläne ist die starke Stellung von Mol im Inland, wo der Konzern die ganze Ölförderung kontrolliert und im Vollbesitz aller Raffinerien ist. Auch im Großhandel hat er mit einem Marktanteil von 80 % eine beherrschende Stellung. Und im Einzelhandel mit Kraftstoffen dürfte sich der Mol-Anteil von zurzeit 37 % im Rahmen der absehbaren Konzentration, die auf strengere Umweltschutznormen zurückgeht, weiter erhöhen.

Außerdem hat das Mol-Management beschlossen, durch Rationalisierungen eine weitere Grundlage für die internationale Expansion zu legen. So will man in den nächsten drei Jahren die Zahl der Arbeitsplätze um 2 500 bzw. 19 % verringern und Kosten von 175 Mill. $ einsparen. Für die guten Perspektiven von Mol spricht nach Meinung der Analysten von Concorde Securities in Budapest auch die Tatsache, dass die Regierung an einer Neuregelung des Preissystems für den Gasmarkt arbeitet. Das neue System, das im Frühjahr 2003 in Kraft treten soll, werde marktfreundlicher sein und das Gasgeschäft profitabler machen. Positiv wird auch bewertet, dass der von Mol angestrebte Verkauf seiner Gassparte mit der neue sozialliberalen Regierung wieder möglich erscheint.

Dabei ist bekannt, dass gerade der russische Gigant Gazprom bei Mol einsteigen will. Die Regierung gibt sich unerschrocken, wenn sie erklärt, sie wolle einer Verflechtung ungarischer und russischer Unternehmen keine politischen Hindernisse in den Weg legen. Beteiligungen und Übernahmen müssten transparent sein und den einheimischen Börsenrichtlinien entsprechen, erklärte Wirtschaftsminister Istvan Csillag. Mol selbst hat sich schon in die Höhle des Löwen gewagt, indem der Konzern ein Joint Venture mit der russischen Gesellschaft Yukos zur Ausbeutung der Ölfelder des Zapadno-Malobalyk Vorkommens in der Region Chanti- Mansijsk einging.

Mol wird dadurch seine Ölförderung verdoppeln und den Versorgungsgrad der unternehmenseigenen Raffinerien aus eigenen Reserven von 20 auf 40 % erhöhen. Ein solcher Anteil wird unter Kennern als "best practice" charakterisiert. Aktuell profitiert Mol auch von der Erstarkung der Landeswährung Forint, weil die Gesellschaft das von ihr importierte Öl mit dem schwärenden Dollar bezahlt.

Schließlich gehören die Mol-Aktien zu den treibenden Kräften, die in jüngster Zeit wieder für mehr Belebung an der Budapester Börse gesorgt. Der Hauptindex BUX kletterte damit wieder in die Nähe der Hürde von 8 000 Punkten. Am Montag schlossen Mol-Aktien mit 5 370 Forint (+0,5 %). Analysten sprechen von weiterem Potenzial bis zum Jahresende.

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