Abbau von mehr als 5 000 Stellen
Holzmann will Sanierung beschleunigen

Der angeschlagene Bauriese Philipp Holzmann will der kränkelnden Branchenkonjunktur in Deutschland trotzen und seine Sanierung mit Hilfe eines verstärkten Auslandsengagements beschleunigen.

adx FRANKFURT. Nach einem noch über Plan liegenden Betriebsverlust in den ersten sechs Monaten meldet der ehemalige Branchenprimus eine zunehmende Verbesserung der Geschäftslage. Erstmals seit langer Zeit seien im Juni und Juli wieder leichte Gewinne erzielt worden, betonte Konzernchef Konrad Hinrichs am Donnerstag auf der Hauptversammlung in Frankfurt am Main. Das zum Jahresende angestrebte positive Konzernergebnis bleibe daher ein realistisches Ziel.

Um dies zu erreichen, müsse allerdings das Tempo der Restrukturierung trotz erster Erfolge verschärft und über den ursprünglichen Plan hinaus gehende Maßnahmen ergriffen werden, mahnte Hinrichs. Zwar liege Holzmann nach fast der Hälfte des auf 18 Monate hin angelegten Sanierungsplans "innerhalb dessen, was man allenfalls bei optimistischer Betrachtung erwarten durfte". Rückschläge und zeitliche Verzögerungen könnten aber weiterhin nicht ausgeschlossen werden.

Bestätigt sieht Holzmann seinen Kurs auch durch die vom Bund in Aussicht gestellte Finanzspritze in Form eines Darlehens der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) in Höhe von 125 Mill. Mark. Hinrichs machte aber deutlich, dass der Konzern weiterhin auf die von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) im November vergangenen Jahres zugesagten Staatshilfen in Höhe von insgesamt 250 Mill. Mark setzt. Diese Mittel liegen derzeit noch auf Eis, weil die EU-Wettbewerbshüter bereits seit neun Monaten prüfen, ob das damals versprochene KfW-Darlehen in Höhe von 150 Mill. Mark sowie eine Ausfallbürgschaft des Bundes in Höhe von 100 Mill. Mark genehmigt werden können. Die Bundesregierung werde ihre Bemühungen unvermindert fortsetzen, Brüssel zur Zustimmung zu bewegen, versicherte Hinrichs vor den Aktionären.

Der in den vergangenen Monaten mehrfach nach oben korrigierte Stellenabbau ist nach den Worten Hinrichs "zu Ende geführt". Demnach wurden rund 4 200 Beschäftigte entlassen. 2 000 ehemalige Beschäftigte machten den Angaben zufolge von dem Angebot Gebrauch, zu der Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft Mypegasus zu wechseln. Weitere 1 600 Arbeitsplätze sollen durch den Verkauf von Unternehmensbeteiligungen eingespart werden. Im Zuge der Sanierung soll die Holzmann-Belegschaft insgesamt weltweit von knapp 28 400 auf 23 000 und im Inland von 16 000 auf 11 000 Beschäftigte reduziert werden.

Die finanzielle Sanierung nannte Hinrichs bis auf eine Ausnahme abgeschlossen. Er deutete in diesem Zusammenhang anhaltende Differenzen mit den Gläubigerbanken an. Diese sollten nach dem gemeinsamen Sanierungsplan im Rahmen eines so genannten "Asset Deal" Immobilien von Holzmann übernehmen. Die Erlöse daraus wollte der Baukonzern zur Rückführung des Konsortialkredits in Höhe von einer Milliarde Mark verwenden. Nach den Worten des Holzmann-Chefs haben unterschiedlichen Preisvorstellungen dies bislang jedoch verhindert.

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