Abbau von Überkapazitäten
RWE und Eon angeblich vor Kraftwerksschließung

Der Stromkonzern RWE will mehrere Kraftwerke, darunter zwei Blöcke des Kohlekraftwerks Westfalen in Hamm, schließen. Auch der Stromkonzern Eon Energie will nach dpa- Informationen das Atomkraftwerk Stade und mehrere konventionelle Kraftwerke stilllegen.

dpa MÜNCHEN. Auch der größte deutsche Stromkonzern RWE will nach Informationen der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" (WAZ) mehrere Kraftwerke stilllegen. Neben einem Verzicht auf das bereits 1988 abgeschaltete Atomkraftwerk Mülheim-Kärlich sollten zwei Blöcke des Kohlekraftwerks Westfalen in Hamm außer Betrieb genommen werden, schreibt das Blatt in seiner Dienstagsausgabe. Stillgelegt würden auch das Gaskraftwerk Meppen sowie einer der beiden Gasblöcke am Standort Emsland. Das Atomkraftwerk Lingen in unmittelbarer Nähe werde dagegen am Netz bleiben. Eine Sprecherin der RWE AG wollte zum Thema Kraftwerksschließungen keine Stellung nehmen und verwies auf die Bilanz-Pressekonferenz des Unternehmens an diesem Dienstag in Essen.

Stade wäre das erste Atomkraftwerk in Deutschland, das nach dem Atomausstiegskonsens zwischen der Bundesregierung und den Atomkraftwerksbetreibern stillgelegt wird. Die ÖTV in Bayern bestätigte am Montag in München Gespräche des Eon-Energie-Vorstands mit dem Gesamtbetriebsrat in München über Kraftwerksschließungen. Auch Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) schaltete sich nach dpa-Informationen am Montag ein.

Details der Unterredungen wurden zunächst nicht bekannt. ÖTV-Chef Herbert Mai teilte mit, die Stilllegung sei noch keine ausgemachte Sache. Die Arbeitnehmerseite in den Aufsichtsratsgremien werde sorgfältig prüfen, wie Beschäftigung gesichert und soziale Standards gewahrt werden könnten.



Abbau von Überkapazitäten

Bayerns Staatsregierung stand bei der Fusion VEBA mit der Münchner VIAG und ihren Töchtern Preussen-Elektra und Bayernwerk zum neuen Eon-Konzern Pate. Der Freistaat war mit 25,1 % Großaktionär der früheren VIAG und hält noch 5,5 % an der neuen E.ON AG, Düsseldorf. Die Eon Energie, München, hatte bereits angekündigt, Überkapazitäten von bis zu 2 000 Megawatt abzubauen.

Nach dpa-Informationen werden die Stilllegungsbeschlüsse voraussichtlich neben dem Kernkraftwerk Stade bei Hamburg auch Kohlekraftwerke betreffen, darunter drei in Bayern. Eon Energie-Chef Hans-Dieter Harig hatte als Gründe die hohen Überkapazitäten auf dem europäischen und deutschen Strommarkt und den starken Strompreisverfall genannt. Nach der Liberalisierung der Energiemärkte befindet sich der Markt in einem tiefen Umbruch.

Stade ist eines der ältesten deutschen Atomkraftwerke mit einer Leistung von 500 Megawatt. Beim Atomausstiegs-Konsens zwischen der Bundesregierung und den Kernkraftwerksbetreibern war für den niedersächsischen Atommeiler eine Restlaufzeit bis 2004 angegeben worden. Aus dem Eon-Umfeld verlautete, dass dieses Atomkraftwerk vorzeitig vom Netz genommen werden könnte, da sich ein Weiterbetrieb bei den derzeitig niedrigen Strompreisen kaum noch lohne. Außerdem könne nach dem Atomkonsens die verbleibende Stromproduktionsmenge von Stade auf modernere Atomkraftwerke übertragen werden.



Kraftwerksschließungen in Süddeutschland noch unklar

In Süddeutschland stehen nach Informationen aus Energiekreisen drei Kohlekraftwerke zur Disposition. Dabei soll es sich um den Steinkohlekraftwerksblock Franken II in Frauen-Aurach bei Erlangen, um einen weiteren Braunkohle-Kraftwerksblock in Schwandorf und um das Braunkohlekraftwerk Arzberg handeln. Eon Energie verfügt nach früheren Angaben über eine Kraftwerksleistung von 30 000 Megawatt, davon 18 000 Megawatt aus konventionellen Kohle-, Öl- oder Gas- Kraftwerken. Der Rest stammt überwiegend aus Atomkraftwerken.

In der Energiewirtschaft wird mit der Stilllegung von Kraftwerken auch bei den anderen Stromkonzernen gerechnet. Derzeit beträgt die Überkapazität in Europa nach Schätzungen rund 40 000 Megawatt, in Deutschland sollen es allein mindestens 10 000 Megawatt sein. Die bayerischen Landtags-Grünen äußerten unterdessen die Befürchtung, dass Eon künftig billigen Atomstrom aus dem umstrittenen tschechischen Kraftwerk Temelin importieren will.

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