Abbott rückt auf Position Neun vor
BASF-Anleger begrüßen Pharma-Verkauf

Die BASF will den Erlös aus dem Verkauf ihrer Pharmasparte vor allem zum Ausbau des Chemiegeschäfts und dem Abbau ihrer Verschuldung nutzen. Rückenwind für die Aktie des Chemieriesen verheißt vor allem der beschleunigte Rückkauf eigener Anteile.

shf FRANKFURT/M. Nach dem Verkauf der Pharmasparte an den amerikanischen Konzern Abbott Laboratories rückt bei der BASF AG der Ausbau des Chemiegeschäfts noch stärker in den Vordergrund. "Wir wollen die Restrukturierung in der Chemiebranche aktiv mitgestalten und unsere konjunkturrobusten Arbeitsgebiete weiter ausbauen", kündigte Vorstandsvorsitzender Jürgen Strube an.

Einen Abschluss der Transaktion erwartet Strube für Ende des 1. Quartals 2001. Kartellrechtliche Hindernisse sind nicht in Sicht, da sich beide Unternehmen weder regional noch im Produktprogramm stark überschneiden. Den Mittelzufluss von 6,9 Mrd. $ aus dem Verkauf will die BASF nutzen, um ihre Finanzschulden auf etwa 4 Mrd. Euro zu halbieren.

Rückkauf eigener Aktien geplant

Da die Pharmasparte bisher nur relativ magere Ergebnisbeiträge lieferte, dürfte die Zinsentlastung im kommenden Jahr unmittelbar positiv auf das BASF-Ergebnis wirken. Zudem stellte Strube einen beschleunigten Rückkauf eigner Aktien in Aussicht. Im Rahmen eines bereits laufenden Programms will die BASF in diesem Jahr rund 700 Mill. und im kommenden Jahr weitere 1,3 Mrd. Euro in den Rückkauf eigener Aktien investieren. Möglicherweise werde man der Hauptversammlung ein weiteres Rückkauf-Programm vorschlagen, meinte Strube.

Vor allem wohl diese Aussicht gab dem Kurs der BASF-Aktie am Freitag zunächst weiteren Auftrieb. In einem schwachen Umfeld legte sie anfänglich um gut 2 % zu. Später gab sie die Gewinne aber wieder ab und lag zum Börsenschluss mit 46 Euro geringfügig im Minus. Dagegen stand die Abbott-Aktie auch am Freitag mit einem Minus von knapp 3 % deutlicher unter Druck.

Anlass für die tendenziell gegenläufige Kursbewegung gibt nicht zuletzt der relativ hohe Kaufpreis für die BASF-Pharmasparte. Abbott zahlt für den Bereich rund das Dreifache des erwarteten Umsatzes von etwa 2,3 Mrd. $ im laufenden Jahr - und damit deutlich mehr als Analysten und andere Branchenexperten geschätzt hatten.

BASF Pharma mit solidem Wachstum

BASF Pharma verbucht zwar ein solides Wachstum von zuletzt rund 18 %, kämpfte aber bereits seit Jahren mit einer schwachen operativen Ertragskraft und hohen Sonderbelastungen. Auch in den ersten neun Monaten 2000 lag die operative Rendite mit 11 % noch deutlich unter Branchendurchschnitt. Dass Abbott dennoch fast das 30fache des Betriebsgewinns zahlt, führen Branchenkenner vor allem auf die günstigen Erwartungen für das Entwicklungsprodukt D2E7 zurück. Diesem potenziellen Rheuma-Medikament trauen die BASF-Forscher einen Spitzenumsatz von mehr als 1,5 Mrd. Euro zu. Es soll 2003 auf den Markt kommen. Abbott-Chef Miles White wertete die Erfahrung der BASF auf dem Gebiet der therapeutischen Antikörper (darunter D2E7) und der Immunologie als besondere Stärke der Sparte.

Auch für andere Pharmakonzerne waren diese Aktivitäten offenbar attraktiv. An dem von der amerikanischen Investmentbank Wasserstein Perella betreuten Bieter-Verfahren beteiligten sich zuletzt neben Abbott die Schweizer Novartis-Gruppe und der US-Konzern Pharmacia, der Anfang des Jahres aus der Fusion von Pharmacia & Upjohn mit Monsanto entstanden ist. Novartis hat vor wenigen Tagen das BASF-Geschäft mit patentfreien Nachahmer-Medikamenten (Generika) übernommen. Der US-Konzern Eli Lilly und die französische Sanofi-Synthelabo waren bereits zu einem früheren Zeitpunkt aus den Verhandlungen ausgestiegen.

Mit einem Arzneimittelumsatz von rund 9,3 Mrd. $ (auf Basis der IMS-Zahlen von 1999) wird Abbott voraussichtlich auf Rang Neun in der Pharmaindustrie vorrücken. Auf dem wichtigen US-Markt steigt der Konzern zum sechstgrößten Anbieter von Arzneimitteln auf. Er überrundet damit den britischen Pharmariesen Glaxo Wellcome, der allerdings seinerseits kurz vor der Fusion mit Smithkline Beecham steht. In Europa dagegen wird Abbott mit künftig etwa 1,6 Mrd. $ Umsatz weiterhin nur zu den mittelgroßen Pharmaanbietern gehören, ebenso wie in Deutschland, wo die Gruppe einschließlich Knoll etwa Position 16 erreichen wird.

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