Abbruch vom Dienstag ist ein "Missverständnis".
Israeli und Palästinenser nehmen Verhandlungen wieder auf

dpa JERUSALEM. Der israelische Ministerpräsident Ehud Barak hat die am Dienstag von seiner Regierung verkündete und Stunden danach wieder zurückgenommene "Aussetzung" der Friedensgespräche mit den Palästinensern als "Missverständnis" bezeichnet. "Jedes (politische) System produziert gelegentlich Missverständnisse", entschuldigte Barak den in Israel als "peinlich" bezeichneten politischen Ausrutscher vor der Presse. Trotz des politischen Durcheinanders beschlossen beide Seiten, noch am Mittwoch die Kontakte über den zum Stillstand gekommenen Friedensprozess wieder aufzunehmen.

Baraks Stabschef Dani Jatom hatte am Dienstag ein vereinbartes Kontaktgespräch der Unterhändler beider Seiten über die Wiederaufnahme von Verhandlungen kurzfristig abgesagt. Er forderte gleichzeitig die Gegenseite auf, "konstruktivere und moderatere Positionen" bei den Verhandlungen zu präsentieren. Später nannte Baraks Sprecher die Entscheidung "eine kurze Auszeit" für interne Konsultationen.

Am späten Abend revidierte Barak die Entscheidung. Sein Sprecher Gadi Baltianski erklärte, die Kontaktgespräche der Unterhändler würden am Mittwoch wie vorgesehen fortgesetzt. Die über die Aussetzung der Gespräche erzürnten Palästinenser weigerten sich zunächst, die Kontakte fortzusetzen. Sie lenkten aber nach dem Eingeständnis des Ministerpräsidenten ein, es habe sich um ein "Missverständnis" gehandelt.

Barak war Berichten zufolge über die "zunehmende Radikalisierung" von Palästinenserpräsident Jassir Arafat verärgert und wollte durch den Gesprächsstopp Druck auf die Gegenseite ausüben, mehr Kompromissbereitschaft zu zeigen.

Doch Arafats Stellvertreter Mahmud Abbas machte am Mittwoch deutlich, dass Arafat nicht an Einlenken in den umstrittensten Punkten der Verhandlungen denkt. Die Palästinenser seien zur Fortsetzung der Verhandlungen in den kommenden Wochen bereit, jedoch nur, wenn das angestrebte Abkommen alle anstehenden Probleme behandele. Abbas wiederholte, dass die Palästinenser weiterhin für die heiligen Stätten in Jerusalem verantwortlich sein müssten.

Beide Seiten warten inzwischen auf US-Präsident Bill Clinton, der am Mittwoch mit seinen Beratern entscheiden wollte, wie die Verhandlungen wieder in Gang gebracht werden könnten. Dabei geht es um die schwierigsten Fragen des Konflikts zwischen beiden Völkern. Außer den künftigen Grenzen eines unabhängigen Palästinenserstaats sind dies das Recht auf Rückkehr von Mill. palästinensischer Flüchtlinge, die Souveränität über Jerusalem und die Verteilung der Wasser-Ressourcen.

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