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Abendhandel kurz vorm Einschlafen - Börsianer fordern sein Ende

Seit die Deutsche Börse vor einem Jahr die Handelszeiten auf der elektronischen Plattform Xetra verkürzt hat, ist der Abendhandel auf dem Parkett nahezu eingeschlafen. Nach der Anpassung des Xetra-Handels an die Zeiten der anderen europäischen Aktienmärkte am 3.

dpa-afx FRANKFURT. Seit die Deutsche Börse vor einem Jahr die Handelszeiten auf der elektronischen Plattform Xetra verkürzt hat, ist der Abendhandel auf dem Parkett nahezu eingeschlafen. Nach der Anpassung des Xetra-Handels an die Zeiten der anderen europäischen Aktienmärkte am 3. November 2003 sank im Abendhandel nach 17.30 Uhr der Gesamtumsatz an allen deutschen Börsen von sieben Prozent im Jahr 2003 auf inzwischen gerade einmal ein Prozent.

Kein Wunder, dass die meisten Börsianer nun auf weitere Schritte warten. Der späte Parketthandel zwischen 17.30 und 20.00 Uhr sollte abgeschafft werden, lautet die mehrheitliche Meinung. Er sei weder wirtschaftlich lohnenswert noch unentbehrlich für die inzwischen wieder äußerst selten anzutreffenden Privatanleger, für die doch einst die Verlängerung beschlossen worden war.

Marktgerechte Preise Wichtiger

"Die Xetra-Handelszeiten auf 17.30 Uhr zu verkürzen, war richtig gewesen", sagt ein Händler in Frankfurt. Nun sollte seiner Meinung nach als nächster Schritt der späte Parketthandel eingestellt werden. "Es wird dort so wenig gehandelt, dass eine Abschaffung sinnvoll wäre." Auch institutionelle Anleger würden dies begrüßen. "Uns kommt es nicht auf einen möglichst langen Handelstag, sondern einen möglichst liquiden Handel an, damit marktgerechte Preise zustande kommen", sagt etwa der Sprecher der Fondsgesellschaft Union Investment, Rolf Drees.

Fidel Helmer, seit rund 35 Jahren Händler beim Bankhaus Hauck & Aufhäuser, weist beim Abendhandel vor allem auf die hohen Kosten im Vergleich zum niedrigen Umsatz hin. "Der Handel ist am Abend verschwindend gering und dafür muss vergleichsweise viel Personal vorgehalten werden. Das belastet vor allem die kleinen Banken, die ihr Hauptgeschäft mit den privaten Anlegern machen", kritisiert er. Zugleich aber erinnert er sich auch mit etwas Wehmut an die "guten alten Zeiten" des Parketthandels, als sich der damalige Chef der Deutschen Börse, Rolf Breuer, oder sein ehemaliger Chef Michael Hauck noch regelmäßig bei der Börse blicken ließen.

Deutsche Aktien ZU 94% Über Xetra Gehandelt

Ein weiterer Blick in die Statistik des Frankfurter Börsenbetreibers bestätigt: Insgesamt werden mindestens 94 Prozent aller deutscher Aktien über das Xetra-System gehandelt. Bei den Dax-Werten lag er im Jahr 2003 sogar bei 97 Prozent. Den restlichen Umsatz teilt sich die Deutsche Börse mit den insgesamt acht Regionalbörsen. Aus Sorge, die wenigen seit dem Börsencrash 2001 verbliebenen Privatanleger auch noch zu verprellen, wage hier aber wohl keiner den ersten Schritt zur Angleichung der Parketthandelszeiten an den Xetra-Handel, mutmaßen Börsianer.

"Der Parketthandel lohnt sich wegen des hohen Aufwandes für die Börsen nicht, aber es muss eine einheitliche Regelung für alle geben", sagt der Sprecher der Düsseldorfer Börse, Steffen Pörner. Für Privatanleger, die auch spät abends noch handeln wollen, gebe es zudem das Börsenhandelssystem Quotrix. Es wird von der Börse Düsseldorf gemeinsam mit dem Wertpapierhandelshaus Lang & Schwarz betrieben und bietet Privatanlegern die Möglichkeit, zwischen acht bis 23 Uhr Aktiengeschäfte zu tätigen. Da es sich um ein elektronisches System handele, sei der Kostenaufwand für die Börse vergleichsweise gering, so Pörner.

Auch Anlegerschützer Sehen DIE Kosten

Wirtschaftliche Gründe wie die hohen Kosten als Folge des späten Parketthandels können auch die Anlegerschützer nachvollziehen, auch wenn sie in erster Linie die Interessen der Privatinvestoren vertreten. "Für die Privatanleger ist es sehr positiv, dass sie die Gelegenheit haben, abends nach der Arbeit oder an Feiertagen handeln zu können. Aber die Zahl der Nutzer ist sehr gering und daher habe ich durchaus Verständnis für die betriebswirtschaftliche Sichtweise", sagte Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).

Einige Marktteilnehmer fordern inzwischen sogar ein Ende des Feiertaghandels. Dabei gehen die Meinungen aber eher auseinander. Während die einen dafür plädieren, dass an bundeseinheitlichen Feiertagen nicht mehr gehandelt werden sollte, verweisen andere darauf, dass eher internationale Investoren das Bild am deutschen Aktienmarkt bestimmen würden. "Und die interessieren sich nicht sonderlich für deutsche Feiertage", sagte ein Händler. Handelsrückgänge am deutschen Aktienmarkt seien hingegen deutlich spürbar, wenn in Großbritannien oder vor allem in den USA Feiertag ist. "Dann herrscht in den Handelsräumen wirklich eine einschläfernde Atmosphäre", so der Händler.

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