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Abenteuer Krankenkasse

Als gutverdienendes Businessmodell ist Krankenkasse eine tolle Idee. Aber dem Anspruch, Dienstleister für ihre Beitragszahler zu sein, werden sie immer weniger gerecht. Und die Verantwortlichen tun viel dafür, dass das so bleibt. Freiwillig Versicherte müssen in Zukunft sogar um ihr Kapitalvermögen bangen.

Stellen Sie sich als Kunde folgendes Geschäftsmodell vor: Sie sollen einen, wenn möglich lebenslangen Vertrag für eine Leistung abschließen und das Unternehmen behält sich vor, den Preis für diese Leistung jederzeit zu erhöhen. Krankenkassen können das. Und das ist noch nicht alles. Das Unternehmen Krankenkasse nimmt sich nämlich gleichzeitig heraus, die Qualität und den Umfang dieser Leistung weiter zu senken. So ein Unternehmen kann am Markt nicht bestehen - Wettbewerber würden ihm den Markt streitig machen?

Oh nein, ganz im Gegenteil. Ist der Wettbewerber gut - im Sinne von günstige Preise für eine vernünftige Qualität - wird es dafür "bestraft" und muß seine erhöhten Überschüsse mit den anderen Wettbewerbern teilen. Man nennt das dann Risikostrukturausgleich. Mit Risiko sind die Kunden gemeint. Die Krankenkasse, die mehr ältere Versicherte und Kranke zu ihren Kunden zählt, bekommt Geld von den anderen. Wenn die gesetzliche Krankenversicherung allerdings mehr Geld ausgibt für Gebäude, Personal oder sonstiges, ist das nicht ihr Risiko, sondern das Risiko des Versicherten. Der muß nämlich die erhöhten Beiträge zahlen. Der Risikostrukturausgleich betrachtet nur die Einnahmeseite, nicht die Ausgabeseite. Wirtschaftet eine Kasse schlechter als die andere, hat sie keine Nachteile.

Hier aber sollte man ansetzen: Es gibt Allgemeine Ortskrankenkassen, Krankenkassen für Techniker, Krankenkassen für Handwerker (Innungskrankenkassen), Krankenkassen für Angestellte, Landwirtschaftliche Krankenkassen, Ersatzkrankenkassen und Seekrankenkassen. Alle habe ihre eigene Leistungsabteilung, Vertragsabteilung, Marketingabteilung, Rechtsabteilung, Statistikabteilung und natürlich eigene Vorstände. Das würde ja noch Sinn machen, wenn sie unterschiedliche Produkte anböten. Aber 98 % der Produkte sind völlig identisch. Wie würde es wohl zehn verschiedenen Automobilunternehmen in Deutschland gehen, die alle ein, bis auf beispielsweise die Türgriffe identisches Auto produzieren würden? Wie lange würde es wohl dauern, bis die Pleite gehen?

Aber die Kostenexplosion geht noch weiter: Jede Krankenkasse hat nämlich noch Landesverbände, die die Interessen der Krankenkassen vertreten - und die haben dann wieder alle eine eigene Vertrags-, Statistik-, Leistungs-, Rechts- und Marketingabteilung. Dies ist schwer nachvollziehbar, weil die Berechnung einer Akupunkturleistung wohl in Bayern nicht anders ist als in Nordrhein-Westfallen. Aber das Spiel geht noch weiter. Jede Krankenkassen hat nicht nur ihre Landesverbände, sondern die Landesverbände jeder Krankenkasse haben auch fast alle jeweils einen Bundesverband. Und die haben dann jeder eine ... Sie ahnen schon ... Vertrags-, Leistungs-, usw-Abteilung!

Nun bleiben die Krankenkassen aber nicht untätig, um ihrer Bilanz wieder mehr Profite zu verschaffen. Sie pirschen sich an die Kapitalerträge ihrer freiwillig Versicherten heran. Was viele nicht wissen: Gesetzliche Krankenkassen können vom Kapitaleinkommen ihrer freiwillig Versicherten einen Anteil fordern. Mieteinnahmen, Zinsen, Dividenden und Kursgewinne können dann um durchschnittlich 13,6 % geschmälert werden. Das Landessozialgericht hat bestätigt, dass die Berücksichtigung von Kapitaleinkommen rechtens ist. Die Versicherten aber wollen diese Art der Bilanzdeckung nicht mehr mittragen. Wehren Sie sich!

Schreiben Sie der Autorin: m.volberg@vhb.de

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