Aber Belebung erwartet
Nur wenige Hotelaktien trotzen der Branchenflaute

Terror, Krieg, SARS: Die Hotelunternehmen haben ein hartes erstes Quartal hinter sich. Doch es gibt Hoffnung. Die Aktien von Hilton Group und Accor sind die Favoriten der Analysten.

FRANKFURT/M. Terror, Krieg, die Angst vor der Lungenkrankheit SARS und eine schwächelnde Weltwirtschaft - die Zeiten könnten für Hotels und dementsprechend deren Aktien kaum schlechter sein. Anschläge wie jüngst in Casablanca und die Angst vor der Lungenkrankheit SARS verleiden Touristen die Reiselust. Zudem lässt die schwache Wirtschaftslage die Menschen vermehrt sparen - auch am Urlaub. Die Folge sind weniger und kürzere Urlaubsreisen.

"Das erste Quartal 2003 war wohl das schwierigste, das Hotelunternehmen je erlebt haben", sagt Analyst Ian Rennardson von Merrill Lynch. Doch erste Lichtstreifen sind am Horizont zu erkennen.

Hilton Group etwa rechnet für die zweite Jahreshälfte mit einer Belebung des Geschäfts. Das Unternehmen, dem 400 Hotels gehören, wies Anfang der Woche darauf hin, dass im Heimatmarkt Großbritannien die Buchungen bereits wieder anstiegen. Dies bestätigt auch eine Umfrage der Analysten von Goldman Sachs unter 40 Hotelmanagern in ganz Europa. Die meisten Konzernleiter gehen von einer Erholung aus - wenn auch auf niedrigem Niveau. "Schlimmer als jetzt sollte die Situation jedenfalls nicht mehr werden", gibt sich Rennardson optimistisch. Kaufen, wenn die Gäste fehlen, lautet daher die Devise des Analysten.

Allerdings müssen Anleger sich die Papiere der Unternehmen herauspicken, die mit der Krise am besten umgehen können. Favoriten der Fachleute sind Hilton Group und Accor (Novotel, Mercure). Beide bieten mit 5,5 % und 3,8 % überdurchschnittliche Dividendenrenditen.

Vom Kauf der Aktien von Intercontinental, Whitbread, Millennium & Copthorne und Thistle Hotels raten die meisten Fachleute ab. Die Probleme der Hotelbranche seien so massiv, dass nur wenige damit umgehen könnten.

Die Wirtschaftslage schwächt auch das zweite Standbein der Hotelbranche, die Geschäftsreisen. Die Unternehmen sparen, die Controller streichen Reisen, die nicht absolut notwendig erscheinen. Fusionen und Zukäufe von Unternehmen, die regelmäßig mit großen Meetings einhergehen, sind seit dem Ende des Aktienbooms rar geworden.

Als wäre das noch nicht genug, weist Analyst Richard Chamberlain von Goldman Sachs auf ein weiteres Problem hin: "Hotelunternehmen gehören zu den Spätzyklikern." Mit einer Erholung des Aufkommens von Geschäftsreisen rechnet Chamberlain deshalb frühestens 2004. Zuversichtlicher ist der Experte für den Tourismus. "Das Volumen an Ferienreisen wird sich schneller wieder erholen." Das habe sich nach früheren Schockereignissen wie dem 11. September erwiesen.

Der Blick in die Vergangenheit ist es auch, der Analysten trotz der traurigen Ausgangslage optimistisch für Hotel-Aktien macht. Nach dem 11. September 2001 und auch nach dem ersten Golfkrieg entwickelten sich die zunächst überdurchschnittlich gebeutelten Aktien von Hotels besser als der Markt. Die Analysten von Goldman Sachs rechnen vor: In den zehn Tagen nach dem 11. September verloren Hoteltitel 26 %, elf Prozentpunkte mehr als der Gesamtmarkt. In den sieben Monaten danach legten die Hotelaktien um 54 % zu - 28 % besser als der Markt. Auch nach Beginn des ersten Golfkriegs im Januar 1991 liefen Hotelwerte zunächst schlechter als der Markt - und erholten sich in den folgenden Monaten deutlich stärker.

Allein auf die Wiederholung der Vergangenheit zu setzen, davon raten die Experten aber ab. Chamberlain empfiehlt Anlegern, Hotelaktien nach drei Kriterien zu durchleuchten: Bewertungsniveau, Umsatzanteil der Touristenreisen und - wegen SARS - Anteil des in Asien erwirtschafteten Gewinns. Dann erscheine Hilton am attraktivsten. "Hilton ist unser Top-Pick", sagt Rennardson. Ihm gefallen der geringe Gewinnanteil in Asien von 6 % und der Bewertungsabschlag zur Branche von fast einem Viertel. Er rät auch zum Kauf von Accor, die zwar nicht so billig seien wie Hilton, aber von Großveranstaltungen im Heimatmarkt profitieren sollten. Im Juni ist die Pariser Flugmesse. Ab Ende Mai finden in Paris die French Open im Tennis statt.

Die Aktien von reinen Business-Hotels wie Intercontinental sind laut Chamberlain zu meiden. Auch vom Kauf von Aktien der Kette Millennium & Copthorne raten Analysten wegen des hohen Gewinnanteils in Asien von über einem Drittel ab.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%