Aber keine einheitliche Empfehlung an den Bundestag – Minderheit will Einfuhr unter strengen Auflagen zulassen
Kommission lehnt Import von Stammzellen klar ab

Im Streit um die Einfuhr von aus Embryonen gewonnenen Stammzellen für Forschungszwecke hat sich die Enquete-Kommission des Bundestages mit deutlicher Mehrheit gegen einen Import ausgesprochen.

pt BERLIN. Der stellvertretende Kommissionsvorsitzende Hubert Hüppe (CDU) nannte die Entscheidung am Dienstag in Berlin ein "sehr deutliches Signal." Für die Fraktikon der Grünen erklärte das zuständige Kommissionsmitglied Ulrike Höfken, das Gremium habe dem Bundestag eine "umfassende Entscheidungshilfe für eine verantwortliche Entscheidung" vorgelegt. Auch die PDS-Abgeordnete Ilja Seifert sprach von einem "wichtigen Zeichen an die Öffentlichkeit".

Der Bundestag wird sich erst im Januar erneut mit dem Thema befassen. Bis dahin soll auch der von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) einberufene Ethikrat sein Votum abgegeben haben.

In Deutschland ist der "Verbrauch" von Embryonen zur Gewinnung von Stammzellen verboten. Der Import solcher Zellen ist dagegen im Embryonenschutzgesetz bisher nicht ausdrücklich untersagt. Forscher setzen große Hoffnungen auf den Einsatz embryonaler Stammzellen. Sie hoffen, irgendwann aus diesen Embryo-Zellen Gewebe und ganze Organe im Labor nachbauen zu können.

Die Deutsche Forschungsgesellschaft (DFG) drängt daher seit langem auf einen Beschluss der Politik zum Stammzellen-Import. Eine Entscheidung über ein Forschungsprojekt Bonner Wissenschaftler mit importierten Embryo-Zellen hat sie mit Rücksicht auf die nicht abgeschlossene Debatte mehrfach vertagt. Nun soll am 7. Dezember über den Antrag entschieden werden. Wie die DFG auf Anfrage mitteilte, will ihr Präsidium in nächster Zukunft prüfen, ob die Entscheidung erneut verschoben werden kann.

Die Mehrheit der Kommission forderte die Bundesregierung auf, "alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um den Import von embryonalen Stammzellen zu verhindern". Eine Minderheit plädierte dafür, sie solle den Import auf vorhandene Stammzelllinien beschränken, wenn ein absolutes Verbot aus verfassungsrechtlichen Grünen nicht möglich sei. In jedem Fall müsse der Import durch den Gesetzgeber und mit Hilfe einer staatlichen Kontrollbehörde geregelt werden, erläuterte Höfken das Minderheitenvotum. Im Übrigen sei die Kommission sich darüber einig, dass es keine unterschiedliche Behandlung von öffentlich geförderter und privater Forschung geben dürfe. Darüber hinaus stellte die Kommission den Abgeordneten ausdrücklich frei, sich nach ihrem Gewissen zu entscheiden.

Die Forschung an embryonalen Stammzellen gilt als ethisch problematisch, weil zur ihrer Gewinnung menschliches Leben vernichtet werden muss. Dagegen gelten Stammzellen aus dem Gewebe Erwachsener (adulte Stammzellen) als ethisch unproblematisch. Sie werden in zahlreichen Organen des Körpers und im Nabelschnurblut Neugeborener gefunden.

Im Vergleich zu embryonalen Stammzellen können sie sich nur begrenzt vermehren und in anderes Gewebe entwickeln. Dagegen können sich embryonale Zellen unentwegt weiter teilen und im Körper noch zu mehr als 200 Gewebesorten heranwachsen. Auch aus ihnen kann aber kein ganzer Mensch mehr entstehen. Die DFG setzt sich nicht nur für den Import bestehender Stammzelllinien ein. Sie fordert auch eine auf fünf Jahre befristete Erlaubnis der Herstellung von Stammzellen aus bei der künstlichen Befruchtung übrig bleibenden Embryonen in Deutschland.

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