Aber "Tendenz zur Angleichung"
Experten: Keine identischen Preise in Eurozone

Die Einführung des Euro-Bargeldes wird nach Einschätzung von Industrie und Verbraucherverbänden zwar zu geringeren Preisunterschieden innerhalb der Euro-Zone führen, mit einer völligen Angleichung der Preise rechnen sie jedoch nicht.

Reuters FRANKFURT. "Es wird eine Tendenz zur Angleichung der Preise geben. Ich weiß aber nicht, ob es einen einzigen Preis (für ein Produkt) geben wird", sagte Jim Murray von der europäischen Verbraucherorganisation BUEC. Der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) erwartet keinen Preisrutsch, geht aber von allmählich sinkenden Preisen im Euroland aus.

Zwar führe die gemeinsame Währung zu einer besseren Vergleichbarkeit der Preise, aber wer fahre schon ins Ausland um beispielsweise eine Dose Coca-Cola zu kaufen, sagte Murray weiter. Derzeit kostet die braunen Limonade einer Reuters-Erhebung zufolge in Helsinki mehr als drei Mal so viel wie in Madrid.

HDE-Sprecher Hubertus Pellengahr erwartet dagegen fallende Preise in Deutschlands Nachbarländern, auch wenn dies nicht über Nacht geschehe "Wir rechnen aber damit, dass die Preise in den Nachbarländern und den Grenzregionen sinken werden, weil wir in Deutschland das niedrigste Preisniveau haben", sagte Pellengahr der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag.

Begrenzter Anpassungseffekt erwartet

Europas fünfgrößter Einzelhandelskonzern, die Metro AG, äußert sich dagegen vorsichtiger: Auch in grenznahen Regionen, in denen Wettbewerber aus dem Ausland eine Rolle spielen könnten, sei nur mit einem begrenzten Anpassungseffekt zu rechnen. Wenn die Preise dort beispielsweise gesenkt würden, habe man das Preisgefälle dann im Binnenland, sagte ein Metro-Sprecher. "Wir gehen davon aus, dass sich die Einzelhandelspreise nicht völlig angleichen werden." Insbesondere der unterschiedlich stark ausgeprägte Preiskampf in den verschiedenen Ländern werde weiter zu unterschiedlichen Preisen führen.

Etwas stärker wird der Trend zur Preisharmonisierung nach Ansicht der Befragten bei sehr teuren Gütern wie Kraftfahrzeugen ausfallen. Schließlich lohne sich hier der Aufwand für den Konsumenten eher, in ein anderes Land zu reisen. So bietet BMW sein neues Oberklassenmodell der 7er-Reihe seit vergangenen Herbst in der Eurozone ausstattungs- und steuerbereinigt zu einem annähernd gleich Preis an. Identische Preise werde es aber vorerst nicht geben, da die Ausstattung von Land zu Land differiere, sagte ein BMW-Sprecherin. Aus Sicht des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) wird der Markt darüber entscheiden, ob es durch die bessere Vergleichbarkeit zu einer Anpassung der Preise kommt. Der Wettbewerb aller Beteiligter in der Branche werde aber sicher härter, heißt in einer Stellungnahme des VDA.

Große Unterschiede im Pkw-Bereich

Derzeit variieren die Preise im Pkw-Bereich zum Teil erheblich. So kostet ein viertüriger Renault Megane mit 1,6 Liter Hubraum ohne Extras einer Umfrage zufolge in Luxemburg etwas weniger als 12 500 Euro, in Finnland wird er dagegen für 21 700 Euro angeboten. Ein großer Teil des Preisunterschiedes ist dabei den unterschiedlichen Steuersätzen geschuldet.

Der Sportartikelhersteller Adidas hat seine Preise nach Angaben eines Sprechers bereits weitgehend angeglichen. Insbesondere Schlüsselprodukte, wie der hochpreisige Basketballschuh "Kobe" würden zu einem einheitlichen Preis angeboten.

Bei den Tankstellenpreisen rechnet der Mineralölwirtschaftsverband (MWV) dagegen nur mit einem begrenzten Einfluss der Euro-Bargeld-Einführung. Verbands-Sprecherin Birgit Layes verwies vor allem auf die Mineralölsteuersätze der einzelnen Ländern, die auch nach der Euro-Einführung unterschiedlich blieben. Derzeit ist das Tanken in Deutschland beispielsweise deutlich teurer als in Belgien und Luxemburg, Holländer und Finnen zahlen an der Zapfsäule dagegen mehr als deutsche Autofahrer.

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