Aber Warnung vor neuen Skandalen
Greenspan: Wirtschaft erholt sich

Die US-Wirtschaft hat nach den Worten von US-Notenbankchef Alan Greenspan die jüngsten Bilanzskandale und die herben Kursverluste an den Aktienmärkten relativ gut weggesteckt. Doch Greenspan betonte am Dienstag zugleich, bis diese Wunden völlig geheilt seien, werde es wohl noch eine Zeit dauern.

HB/rtr WASHINGTON. "Während sich die Wirtschaft bemerkenswert gut gehalten hat, bestehen die belastenden Effekte jüngster Ereignisse weiter", sagte der Fed-Chef bei seiner mit Spannung erwarteten Anhörung vor dem Bankenausschuss des US-Senats. Alles in allem entspreche die jüngste Konjunkturentwicklung aber den Erwartungen der Fed. Analysten werteten den eher zurückhaltenden Tenor seiner Rede als Bestätigung dafür, dass die Fed ihren Schlüsselzins bis zum Jahresende weiter auf dem niedrigsten Stand seit 40 Jahren bei 1,75 Prozent lassen wird. Die US-Aktienmärkte bauten zunächst ihre Kursverluste aus, erholten sich dann aber wieder etwas.

Als Beispiele für die jüngsten Rückschläge für die US-Wirtschaft verwies Greenspan bei seiner halbjährlichen Anhörung vor dem Kongress unter anderem auf die Serie von Bilanzfälschungen bei einigen US-Konzernen, die die Stimmung an der Wall Street zuletzt stark belastet hatte. Er warnte, sollten die Investoren ihr Vertrauen in die Regeln der Marktwirtschaft verlieren, könne die Wirtschaft nicht ihr volles Potenzial ausschöpfen. Einigen Unternehmens-Chefs warf er vor, auf Kosten der eigenen Aktionäre kurzfristig Kursgewinne einheimsen zu wollen. "Eine ansteckende Gier hat offenbar in unserer Geschäftswelt um sich gegriffen."

Greenspan versicherte zugleich, dass die weltgrößte Volkswirtschaft trotz dieser belastenden Faktoren wieder an Fahrt gewonnen habe. Mit Blick auf die für die Wirtschaftsleistung der USA wichtigen Konsumausgaben räumte er aber ein: "Die Verbraucherausgaben werden sich noch eine Zeit lang den Aktienkursverlusten anpassen." Für die Fed stehe fest, dass sie erst dann ihre derzeitige lockere Geldpolitik aufgeben werde, wenn die US-Konjunktur endgültig über dem Berg sei.

Am US-Geldmarkt signalisierten die Futures nach den Äußerungen Greenspans unveränderte Zinserwartungen der Marktteilnehmer. "Weiterhin sind keine Zinserhöhungen in diesem Jahr eingepreist", sagte Tony Crescenzi von Miller Tabak & Co. Zuletzt hatte eine Mehrheit von US-Primärhändlern erst für nächstes Jahr eine Zinserhöhung vorausgesagt.

Analysten: Greenspan sieht weitere Unsicherheiten

Nach Einschätzung von Analysten signalisierten Greenspans Äußerungen, dass die Fed nur zurückhaltend optimistisch in die Zukunft blickt. Der Notenbank-Chef habe gezeigt, wie ungewiss die weitere Wirtschaftsentwicklung sei, sagte Alan Ruskin von 4Cast. "Aus seinen Äußerungen lässt sich ableiten, dass möglicherweise weitere Unternehmens-Ungereimtheiten auftreten könnten. Genau dies wollte der Markt nicht hören", ergänzte er. Avery Shenfeld von CIBC World Markets sagte jedoch, Greenspan habe den Finanzmärkten trotz der trüben Aussichten für die Aktienmärkte zumindest die Hoffnung auf einen baldigen Wirtschaftsaufschwung gelassen.

Investoren hatten sich von Greenspan klare Warnungen vor einem übertriebenem Pessimismus der Aktienmärkte oder zumindest deutliche Signale für einen kräftigen Konjunkturaufschwung erhofft. In einer ersten Reaktion reagierten die Aktienmärkte dementsprechend enttäuscht auf die Äußerungen Greenspans. Der Dow-Jones-Index baute seine Verluste zeitweise auf mehr als zwei Prozent aus, notierte im Verlauf aber nur noch mit 0,66 Prozent im Minus. Auch die Nasdaq verlor zunächst weiter, drehte im Verlauf aber wieder ins Plus. Der Dollar reagierte dagegen kaum.

Zu den jüngsten deutlichen Kursverlusten des Dollar zum Euro sagte Greenspan lediglich, die Parität der beiden Währungen habe keine bedeutende realwirtschaftliche Bedeutung. "Mehr sage ich nicht zu den Wechselkursen", fügte er hinzu und verwies auf das für Währungsfragen zuständige US-Finanzministerium. Der Euro hatte am Vortag erstmals seit Februar 2000 die psychologisch wichtige Paritätsmarke zum Dollar erreicht und am Dienstag seine Kursgewinne zeitweise bis auf 1,0147 Dollar weiter ausgebaut.

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