Abfahrt von Castor-Zug Sonntagabend ab La Hague geplant
Zahlreiche Proteste im Vorfeld des Castor-Transports nach Gorleben

Im Vorfeld des für Montag in Deutschland erwarteten Castor-Transports hat es am Wochenende in Niedersachsen und Süddeutschland zahlreiche Protestaktionen gegeben.

afp LÜNEBURG/KARLSRUHE/VALOGNES. Rund 10 000 Castor-Gegner protestierten am Samstag in Lüneburg nach Angaben der Veranstalter friedlich gegen den bevorstehenden Transport von sechs Castor-Behältern nach Gorleben. Eine Demonstration von rund 700 AKW-Gegnern in Karlsruhe verlief ebenfalls ohne Zwischenfälle. Am Sonntag beteiligten sich erneut mehrere hundert Atomkraftgegner an Demonstrationen, Infoveranstaltungen und Traktorblockaden im Wendland. 56 Castor-Gegner wurden bis zum Nachmittag vorübergehend in Gewahrsam genommen. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) nannte den Castor-Transport angesichts der Sicherheitslage "unverantwortlich".

Der Atommüll-Transport soll am Sonntagabend von der französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague aus aufbrechen und voraussichtlich am Montagnachmittag die Grenze nach Deutschland überqueren. Von dort sollte es dann auf dem Schienenweg weiter durch Deutschland nach Lüneburg und schließlich zur Umladestation Dannenberg gehen. Die restliche Strecke bis Gorleben müssen die Atommüll-Behälter auf der Straße transportiert werden. Am Verladebahnhof im französischen Valognes nahe der Wiederaufarbeitungsanlage La Hague demonstrierten Greenpeace-Mitglieder. Am Sonntagabend sollen weitere Demonstrationen an der gesamten Castor-Strecke von La Hague bis zur Grenze stattfinden.

Huneke kritisiert Einschränkung des Demonstrationsrechtes

Im Wendland beteiligten sich am Sonntag nach Angaben der Polizei rund 220 Traktoren an den Protestaktionen. Eine Blockade von rund 50 Traktoren bei Groß Gusborn wurde von den Beamten aufgelöst. In Dannenberg kam es am Nachmittag an einer Bundesstraße zu einer weiteren Blockade mit schätzungsweise 100 Traktoren. Zahlreiche Demonstranten und Traktoren wurden an Straßenkreuzungen von der Polizei aufgehalten, weil verschiedenen geplante Kundgebungen kurzfristig von der Bezirksregierung untersagt worden waren. Birgit Huneke von der "Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg" kritisierte dies als "Einschränkung des Demonstrationsrechtes". An einer genehmigten Kundgebung nahe des Verladebahnhofs in Dannenberg beteiligten sich laut Polizei am Nachmittag rund 250 Demonstranten.

Ein etwa ein mal ein Meter großer Betonblock, den die Polizei am Sonntagmorgen im Gleisbett zwischen Lüneburg und Dannenberg entdeckt hatte, wurde bis zum Nachmittag beseitigt. Beim vorangegangenen Castor-Transport im März hatten sich AKW-Gegner ins Gleisbett der Bahnlinie von Lüneburg nach Dannenberg einbetoniert und so den Transport rund einen Tag lang aufgehalten.

Bereits am Samstag waren in Lüneburg tausende AKW-Gegner in einem Protestzug durch die Innenstadt gezogen. Zuvor waren zwei Busse mit anreisenden Demonstranten von der Polizei gestoppt und die Personalien von rund 50 Demonstranten überprüft worden. Auf einer Kundgebung in Lüneburg verlangten mehrere Redner die sofortige Abschaltung aller deutschen Atomkraftwerke und einen Stopp der Castor-Transporte. Der Vorsitzende von Robin Wood, Jürgen Sattari, kündigte an, seine Organisation werde auch in den kommenden Tagen "mit Besonnenheit und Entschlossenheit" gewaltfrei gegen den Castor demonstrieren.

GdP-Chef warnt vor Überlastung der Beamten

Auch weitere Organisationen der Atomkraftgegner planen nach eigenen Angaben Protestaktionen, darunter besonders die Initiative "X-tausendmal quer". Neben Kundgebungen in Uelzen und Hitzacker wurden am Montag unter anderem weitere Aktionen am Castor-Gleis zwischen Lüneburg und Dannenberg erwartet. Ein von Atomkraftgegnern geplantes Lager nahe der Transportstrecke wurde von den Behörden verboten.

Der stellvertretende GdP-Chef Rainer Wendt warnte in der "Welt am Sonntag" mit Blick auf die Sicherheitslage nach den Terroranschlägen in den USA vor einer Überlastung der Beamten. Für den Castor-Transport würden mehr als zehn Prozent aller deutschen Polizisten gebunden. "In der gegenwärtigen Situation bedeutet das ein Sicherheitsrisiko", kritisierte Wendt den Transport.

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