Abfallwirtschaft
Kommentar: Grüner Punkt verblasst

Zuwachs an Wettbewerb hat noch keiner Branche geschadet. Der Grundsatz, dass Monopole schädlich sind und Konkurrenz das Geschäft belebt, gilt auch für die Abfallwirtschaft. Der Grüne Punkt, dessen zehnjähriges Bestehen DSD-Chef Wolfram Brück kürzlich mit Überschwang feierte, ist zweifellos ein erfolgreiches Markenzeichen geworden. In 170 Ländern der Welt ist das Gütesiegel geschützt. 19 000 Lizenznehmer nutzen den Punkt. Es ist nicht falsch, wenn Brück bilanziert, Grüner Punkt und Gelber Sack hätten zu einem umweltbewussteren Verhalten im Alltag beigetragen.

Dennoch werden an der Erfolgsgeschichte der Kreislaufwirtschaft à la Duales System seit langem und zu Recht Zweifel geäußert. Die ökologische Effizienz der umständlichen und veralteten Sortieranlagen lässt zu wünschen übrig. Oft genug wird der Müll beim Dualen System nicht getrennt und wiederverwertet, sondern einfach nur verbrannt. Und das auch noch zu horrenden Kosten.

Da kann man es der Industrie nicht verübeln, dass sie sich neue Partner für die Entsorgung sucht. Selbst pfiffige Kommunalpolitiker, die zehn Jahre lang vergeblich darauf gewartet haben, dass das Duale System zu Haushaltseinsparungen führt, ersinnen immer neue, preiswertere Alternativkonzepte. Doch für sie ist der Grüne Punkt zum Fluch geworden. DSD, der Quasi-Monopolist, kämpft um seine Exklusivrechte - mit zweifelhaften juristischen Argumenten. Der Branchenriese verlangt Lizenzgebühren ohne Gegenleistung. Da wird es der Kommission leicht fallen, der Öffnung der deutschen Entsorgungswirtschaft in Kürze mit einer klärenden Entscheidung den Weg zu bereiten.

Wie es aussieht, geht DSD schweren Zeiten entgegen. Aus Brüssel droht ein Wettbewerbsurteil und aus Berlin das Zwangspfand. Branchenkenner rechnen mit Einnahmeverlusten von 600 Millionen Mark.

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