Abfindungs-Debatte prägt Mannesmann-Hauptversammlung
Entlastung der Mannesmann-Vorstände auf 2002 verschoben

Die Auseinandersetzung um die hohen Abfindungen für Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser und weitere ehemalige Manager der heutigen Vodafone-Tochter hat am Mittwoch in Düsseldorf die Hauptversammlung des deutschen Traditionsunternehmens bestimmt. Die Entlastung früherer Vorstände und Mitglieder des Aufsichtsrats wurde auf die Hauptversammlung 2002 verschoben. Darauf habe sich der Aufsichtsrat verständigt, teilte Wilhelm Haarmann, Mitglied des Gremiums, mit. Als Grund nannte er die laufenden staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen.

ddp DüSSELDORF. Vodafone-Chef Chris Gent wies zum Auftakt des Treffens Vorwürfe zurück, der weltgrößte Mobilfunk-Konzern habe unzulässige Zahlungen an Esser und dessen Kollegen geleistet. Bei der Übernahme des damaligen Mischkonzerns habe Vodafone den deutschen Managern keine finanziellen Angebote gemacht. Vodafone habe lediglich die Zusage von Mannesmann eingehalten, die vereinbarten Zahlungen zu leisten. Gent sicherte der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft die Zusammenarbeit seines Konzerns bei der Aufklärung der Untreuevorwürfe zu.

Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft bezweifelt indes die Rechtmäßigkeit der Zahlungen an Esser und ermittelt auch gegen vier Mannesmann-Aufsichtsratsmitglieder, darunter IG-Metall-Chef Klaus Zwickel. Die IG Metall wies am Mittwoch eine Meldung des Anlegermagazins "Telebörse" zurück, wonach Zwickel Esser durch sein Abstimmungsverhalten zu der Abfindung verholfen habe. Die Millionen-Abfindung sei zwischen Gent und Esser selbst ausgehandelt worden, sagte IG-Metall-Sprecher Claus Eilrich am Rande der Hauptversammlung. Zwickel sei "an diesem Deal nicht beteiligt" gewesen. Die Behauptung des Magazins, der Gewerkschaftschef habe sich bei der Abstimmung über die Abfindung auf Druck des Aufsichtsratsvorsitzenden Joachim Funk der Stimme enthalten und somit an der Beschlussfassung mitgewirkt, sei "frei erfunden".

Esser selbst griff in einem am selben Tag veröffentlichten Gespräch mit der "Wirtschaftswoche" die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft scharf an. "Sie ermittelt nach wie vor, ob die Zuwendung an mich und meine Vorstandskollegen von Vodafone kommt. Denn nur dann entsteht ein Straftatbestand. Diese Spekulation ist unwahr. Dies ist bewiesen", sagte Esser. Er verlangte die Einstellung der Untersuchung: "Sobald bewiesen ist, was wahr ist, muss man auch zum Ende der Ermittlungen kommen." Allein die Erklärung des IG-Metall-Pressedienstes vom 18. Februar 2000 sei Anlass für die Spekulation, "ob Vodafone mit den Erfolgsprämien von insgesamt 62 Mill. DM an mich und mein 14-köpfiges Team etwas zu tun hat. Tatsache ist, dass alles aus einer Notlüge der IG Metall entstanden ist." Über die Zahlungen war zwei Mal abgestimmt worden: am 17. und am 28. Februar 2000.

Mannesmann-Hochhaus in Düsseldorf trägt Vodafone-Logo

Unterdessen forderten Vertreter der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre Aufklärung über die bei der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone angeblich geflossenen Abfindungen in Millionenhöhe. Zudem sollten künftig Sonderzahlungen an Unternehmensmitglieder bei Konzernübernahmen verboten werden. Auch die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) verlangte von Vorstand und Aufsichtsrat der Mannesmann AG Aufklärung über Zahlungen an verschiedene Mitglieder dieser Gremien im vergangenen Jahr. DSW-Sprecher Jörg Pluta beantragte auf der Hauptversammlung eine Sonderprüfung.

Auf dem Aktionärstreffen soll auch über einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag zu Gunsten von Vodafone sowie über die Änderung des Namens der Mannesmann AG in Vodafone AG abgestimmt werden. Vodafone hält über 99 % der Mannesmann-Aktien. Anfang dieser Woche hatte Mannesmann auf Grund der positiven Geschäftsentwicklung in den ersten sechs Monaten auch für das zweite Halbjahr weiteres Wachstum angekündigt. Insgesamt beschäftigte der Konzern zum Halbjahresende 28 850 Mitarbeiter und damit sechs Prozent mehr als im Vorjahr.

In Düsseldorf ist das Kapitel Mannesmann rein äußerlich bereits Geschichte. Das Mannesmann-Hochhaus, ein Wahrzeichen der Stadt, trägt schon seit längerem das rote Vodafone-Logo, wird gegenwärtig grundsaniert und soll ab Anfang nächsten Jahres die drei Vodafone-Gesellschaften Passo, Telecommerce und D2 sowie die Deutschlandzentrale des Konzerns beherbergen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%