Abfindungsregelungen abgelehnt
GlaxoSmithKline-Aktionäre rebellieren gegen Chefgehälter

In Großbritannien zeichnet sich nach einer Protestabstimmung von Aktionären des führenden Pharmakonzerns GlaxoSmithKline (GSK) eine Wende bei der teilweise exzessiven Gehalts- und Bonuspolitik von Großkonzernen ab.

HB/dpa LONDON. Mit ihrer Entscheidung, eine Abfindung in Höhe von fast 31 Millionen Euro (22 Millionen Pfund) für ihren Vorstandschef nicht abzusegnen, hätten die GKS-Aktionäre der Führungsetage des zweitgrößten Pharma-Unternehmens der Welt eine "sensationelle Niederlage" erteilt, kommentierte die "Financial Times" am Dienstag. GSK-Aufsichtsratschef Chris Hogg erklärte, der Konzern nehme das Aktionärs-Votum sehr ernst.

Die etwa 900 Aktionäre hatten auf der Hauptversammlung am Montagabend mit einer Mehrheit von 50,72 Prozent die Gehalts- und Abfindungsregelungen des Konzerns abgelehnt. Konkret ging es um das Zahlungspaket von angeblich 22 Millionen Pfund, das Vorstandschef Jean-Pierre Garnier (55) für den Fall seiner Ablösung erhalten sollte.

Die großzügigen Gehalts-und Abfindungsregelungen britischer Industriekapitäne - der so genannten "fat cats" (fetten Katzen) - sind schon seit Jahren Zielschreibe der Kritik von Angestellten und Gewerkschaften. "Wir sind mit dieser Entscheidung in eine neue Welt eingetreten", sagte Peter Montagnon, Investment-Chef der britischen Vereinigung der Versicherer, am Dienstag. Brendan Barber, Chef des Gewerkschaftsdachverbandes TUC, sprach von einem "wichtigen Ergebnis, das Folgen haben wird."

Das Votum der Aktionäre ist bisher einmalig in der britischen Industriegeschichte. Die Labour-Regierung hatte Aktionären in diesem Jahr erstmals das Recht eingeräumt, über die Gehaltspolitik von Großkonzernen abzustimmen. Obwohl das Votum der Aktionäre für die Konzernspitze nicht bindend ist, dürfte GSK jetzt zu einer Überprüfung und Änderung ihrer Gehaltspraktiken gezwungen sein. Die Signalwirkung auf andere Unternehmen wie Shell, Barclays, Reuters, Vodafone und die Hilton-Kette dürfte nicht ausbleiben. Alle hatten in der Vergangenheit den Unmut ihrer Aktionäre zu spüren bekommen.

Nach einer Erhebung des "Independent" (Dienstagausgabe) sind die Durchschnittseinkommen und Rentenbeiträge der Chefs der 100 größten Firmen Großbritanniens im vergangenen Jahr um neun Prozent auf ein jährliches Paket von umgerechnet 2,4 Millionen Euro angestiegen. In dem Berechnungszeitraum fielen die Aktienwerte an der Londoner Börse um 25 Prozent. Bei den "fat cats" steht Vodafone-Chef Chris Gent laut "Independent" mit einem Jahreseinkommen von 5,2 Millionen Euro an weit oben auf der Liste. British Telecom-Chef Peter Bromfield verdient pro Jahr 4,34 Mio Euro. Auf Platz zehn steht danach Reuters- Chef Tom Glocer mit 2,6 Millionen Euro pro Jahr.

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