Abfindungszahlungen belaufen sich auf rund eine Milliarde DM
Stellenabbau kostet die Banken viel Geld

Viele Banker müssen um ihren Job fürchten. Bisher sollen über 20 000 Stellen bei den deutschen Großbanken gestrichen werden. Experten gehen davon aus, dass weitere Arbeitsplätze gefährdet sind. Allerdings müssen die Institute tief in die Tasche greifen - der Abbau wird nach der Einschätzung von Beratern rund 1 Mrd. DM kosten.

FRANKFURT/BERLIN. Der angekündigte Stellenabbau kommt die Banken teuer zu stehen. Allein für den bislang angekündigten Abbau von rund 20 000 Stellen belaufen sich die Abfindungszahlungen der vier deutschen Großbanken auf bis zu eine Milliarde DM. Je Mitarbeiter fallen Kosten von 20 000 bis 50 000 DM an, rechnet Friedrich Bock, Partner der Unternehmensberatung Deloitte Consulting vor. Das variiere je nach Dauer der Firmenzugehörigkeit. Als Faustformel für Abfindungen gilt ein Monatsgehalt pro Jahr der Unternehmenszugehörigkeit.

Bis zum Jahresende rechnen Experten mit einem Abbau in der Größenordnung von 30 000 Arbeitsplätzen. Doch damit sei das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht, meint Bock. "Ich gehe davon aus, dass erst rund 50 % des tatsächlichen Stellenabbaus nach außen gedrungen sind", sagt der Unternehmensberater. Weitere Arbeitsplätze seien intern gestrichen worden, etwa durch Auslagerungen ganzer Abteilungen der Unternehmen. "Die Auslagerung ganzer Bereiche an Partner, zum Beispiel der Sparte Technologie, könnte die Härte der Stellenstreichungen ein wenig abfedern", erklärt Unternehmensberater Ingo Wagner von AT Kearney.

Ein sozialverträglicher Abbau scheint nicht mehr möglich

Ein sozialverträglicher Abbau in diesen Größenordnungen scheint nicht mehr möglich. "Es muss ein Bündel von Maßnahmen sein, um die angestrebten Kürzungen zu realisieren zu können", sagt Rainer Dahms, Leiter des Bereichs Grundsatzfragen Personal der Commerzbank. Diese gehen von Programmen wie Vorruhestand und Altersteilzeit über Ausnützen der natürlichen Fluktuation und Abfindungen bis hin zu betriebsbedingten Kündigungen. Hier warnen Experten allerdings vor einem zu undifferenzierten Vorgehen. "Die Banken haben das Thema Wissensmanagement lange vernachlässigt", meint Bock. Nun komme die Gefahr auf, dass Mitarbeiter mit wichtigem strategischen Wissen entlassen würden.

Bislang ist die Commerzbank das einzige Institut, das betriebsbedingt Stellen streichen will. "Das Durchschnittsalter der Beschäftigten liegt bei 37 Jahren, da greifen die klassischen Instrumente wie Altersteilzeit und Vorruhestand kaum noch", fürchtet Konzernbetriebsratschef Hans-Georg Jurkat der Commerzbank. Seit 1992 habe die Bank in immer kürzerer Folge Sparprogramme beschlossen und sich vor allem von älteren Mitarbeitern getrennt. Auch durch einen Einstellungsstopp und interne Versetzungen kann bei der viertgrößten deutschen Bank kein Personal mehr gespart werden. Diese Maßnahmen laufen bereits seit Sommer. Ingesamt sollen dadurch in diesem Jahr laut Jurkat zusätzlich 1 700 Stellen abgebaut werden.

Hoffnung auf eine Entspannung gibt es nicht

Weitere Einsparmöglichkeiten böten kürzere Arbeitszeiten. Der Betriebsrat hält sie nur teilweise für sinnvoll. Bei den von der Börsenflaute betroffenen Wertpapier-Spezialisten ließe sich die Arbeitszeit vorübergehend reduzieren, sagt er. Doch in vielen anderen Bereichen kämen die Mitarbeiter schon jetzt mit der Arbeit nicht mehr nach. Deshalb denkt Jurkat auch an einen befristeten Gehaltsverzicht als letztes Mittel, um Arbeitsplätze zu retten. "Als Privatmeinung", wie er einschränkt. Denn im Betriebsrat fehlt bisher die Zustimmung zu dieser Lösung. Die Gewerkschaft Verdi lehnt den damit einhergehenden Verstoß gegen den Tarifvertrag strickt ab, wie ihr Bankenexperte Uwe Foullong auf Anfrage erklärt. Akzeptieren werde man nur eine Verkürzung der Arbeitszeit. Befindet sich ein Unternehmen in Schwierigkeiten, ist laut Tarifvertrag eine Verkürzung bis auf 31 Wochenstunden erlaubt.

Auf dieses Instrument setzt der Betriebsrat der Hypo-Vereinsbank, um die Folgen des neuerlichen Personalabbaus für die Beschäftigten zu lindern. "Wir fordern vom Vorstand den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen", sagt HVB-Betriebsratschef Herbert Betz. Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende der Dresdner Bank, Peter Haimerl, ist dagegen zuversichtlich, bis 2002 betriebsbedingte Kündigungen vermeiden zu können. Die Planzahl für dieses Jahr sei bereits übererfüllt. Das Institut will bis Ende 2003 insgesamt 7 800 Stellen streichen.

Hoffnung auf eine Entspannung am Arbeitsmarkt in den kommenden Jahre gibt es nicht. Bock von Deloitte rechnet nicht damit, dass die Banken in den nächsten drei Jahren wieder anfangen werden, ihr Personal aufzustocken.

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