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Abgebrochene Partie in Spanien wird 2005 beendet

In Mäntel und Decken gehüllt standen die Fußballstars zitternd auf der Straße. Sie hatten beim Punktspiel ihrer Mannschaft von Real Madrid gegen Real Sociedad San Sebastián das Bernabéu-Stadion wegen einer Bombendrohung in aller Eile verlassen müssen.

dpa MADRID. In Mäntel und Decken gehüllt standen die Fußballstars zitternd auf der Straße. Sie hatten beim Punktspiel ihrer Mannschaft von Real Madrid gegen Real Sociedad San Sebastián das Bernabéu-Stadion wegen einer Bombendrohung in aller Eile verlassen müssen.

In der 88. Minute der Partie hatte die Polizei angeordnet, die mit 75 000 Zuschauern besetzte Arena zu evakuieren. Der Schiedsrichter brach das Spiel beim Stande von 1:1 ab. Die Bombendrohung erwies sich später als falsch. Der spanische Fußballverband (Rfef) entschied, dass die Partie am 5. Januar zu Ende gespielt wird. Dann werden die ausstehenden drei Spielminuten und die Nachspielzeit nachgeholt. So wird in Spanien üblicherweise nach einem Spielabbruch verfahren.

Real-Präsident Florentino Pérez hatte am Vorabend während des Spiels die Nachricht erhalten, dass bei der baskischen Zeitung "Gara" eine Bombendrohung eingegangen war. Ein anonymer Anrufer hatte angegeben, im Namen der baskischen Untergrundorganisation ETA zu sprechen. Im Bernabéu-Stadion sei eine Bombe deponiert, die um 21.00 Uhr - knapp zehn Minuten nach dem regulären Ende des Spiels - explodieren würde. Pérez gab die Nachricht an den Polizeichef Víctor García weiter, der ebenfalls auf der Ehrentribüne saß.

Polizeiexperten entdeckten Anzeichen dafür, dass die Warnung echt sein könnte. Daraufhin ordneten Pérez und García die sofortige Räumung des Stadions an. Der vierte Schiedsrichter am Spielfeldrand lief auf den Rasen und gab dem Referee Bescheid, die Partie abzupfeifen. Über Lautsprecher kam die Durchsage an das Publikum: "Wir bitten Sie, das Stadion geordnet zu verlassen."

Die Fußballer zogen sich in aller Eile Trainingsjacken über, griffen sich ihre Handys und liefen auf die Straße. Dort trippelten sie verschwitzt mit ihren Stollenschuhen über das Pflaster. Das Rote Kreuz verteilte Decken. San Sebastiáns Stürmer Nihat Kahveci fragte: "Was wird nun aus dem Spiel?" Der Türke hatte kurz vor dem Abbruch Ronaldos Führungstreffer (40. Minute) ausgeglichen.

Um die Räumung des Stadions zu beschleunigen, durften die Zuschauer über den Rasen gehen. Innerhalb von sieben Minuten hatten alle 75 000 Besucher die Arena verlassen. Vielen von ihnen stand der Schrecken in den Gesichtern geschrieben. Aber es gab keine Panik und nicht den geringsten Zwischenfall. "An diesem Abend triumphierten nicht Ronaldo, Raúl oder Casillas, sondern unsere Fans", betonte Real in einer Erklärung. "Die Zuschauer verdienten sich die Note eins."

Die Fußballer durften sich eine halbe Stunde später ihre Taschen aus den Umkleidekabinen holen und - ungeduscht - nach Hause fahren. Die Polizei ging dem Verdacht nach, dass die falsche Bombendrohung kein makabrer Scherz war, sondern möglicherweise wirklich von der ETA stammte und Teil einer neuen Terror-Strategie sein könnte. Vor gut zwei Jahren hatte die Organisation vor einem Spiel außerhalb des Bernabéu-Stadions eine Autobombe gezündet und 17 Menschen verletzt.

Die Zeitung "El Mundo" vermutete, dass die Urheber des falschen Drohung nicht nur Chaos auslösen, sondern auch der Madrider Kandidatur für die Olympischen Spiele 2012 Schaden zufügen wollten. Das Sportblatt "Marca" meint dazu: "Wenn das so war, bewirkten die Täter genau das Gegenteil. Die Räumung des Stadions funktionierte mit der Präzision eines Uhrwerks."

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