Abgeltungssteuer mit Negativ-Effekten auf Aktienmarkt?
Steuerpläne lösen Empörung aus

Die Pläne der Bundesregierung, Veräußerungsgewinne von Aktienbesitzern künftig pauschal zu besteuern, lösten gestern einen Sturm der Entrüstung aus. Anleger müssen mit niedrigeren Erträgen bei Altersvorsorge und vermögenswirksamen Leistungen rechnen. Gerade die Riester-Angebote dürften darunter leiden.

FRANKFURT/M. Die Reaktionen ließen an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: "Das ist ein parteiinterner Kuhhandel auf dem Rücken der Anleger", wetterte Reinhild Keitel, Vorstandsmitglied der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) über die bekannt gewordenen Pläne der Bundesregierung, Veräußerungsgewinne künftig pauschal zu besteuern. Demnach soll die Abgeltungssteuer in Höhe von 25 %, die bisher nur für Zinserträge geplant ist, auch auf Aktienverkäufe ausgedehnt werden. Zudem soll die aktuell einjährige Spekulationsfrist, nach deren Verstreichen Veräußerungsgewinne bisher steuerfrei sind, abgeschafft werden. Wie Keitel reagierten Vertreter der gesamten Finanzwelt mit Empörung.



Zentraler Punkt ist dabei der Bereich Altersvorsorge. Kämen die neuen Pläne zur Geltung, müssten Anleger wegen der 25 %igen Steuer bei Verkauf ihrer Papiere im Rentenalter mit einer geringeren Rendite rechnen als bisher geglaubt. Die zentrale Frage lautet dann: Reicht das, was angespart wurde? Die Antworten darauf sind eindeutig: "Die Besteuerung von Veräußerungsgewinnen auch bei langfristigem Sparen setzt ein falsches Signal und wirkt kontraproduktiv auf die Bereitschaft der Bürger zu eigenständiger Altersvorsorge", kritisiert Stefan Seip, Hauptgeschäftsführer des BVI Bundesverband Investment und Asset Management das Vorhaben. Er schlägt vor, Sparpläne mit regelmäßigen Einzahlungen über mindestens fünf Jahre nach Ablauf von zwölf Jahren nicht mit zusätzlichen Steuern auf Veräußerungsgewinne zu belasten. Das entspräche etwa den Bedingungen, wie sie derzeit bei der Besteuerung von Lebensversicherungen gelten. Als zusätzliches Kriterium schlägt er die Vollendung des 60. Lebensjahres oder alternativ den Eintritt der Berufsunfähigkeit vor.

Ein ähnliches Problem wie bei der Altersvorsorge könnte auch die insgesamt 5,7 Mill. Arbeitnehmer treffen, die ihre vermögenswirksamen Leistungen in Investmentfonds anlegen. Nach den neuen Plänen der Bundesregierung müssten auch sie nach Ablauf der siebenjährigen Laufzeit mit einer Besteuerung ihrer Erträge rechnen.



Allgemein bemängelten die Finanzexperten, dass die Anleger durch die neuen Plänen noch mehr als bisher verunsichert werden. "Um wieder Vertrauen zu schaffen, ist dies das absolut falsche Signal", sagt André Wetzel vom Deutschen Aktieninstitut (DAI). Bereits vor einem halben Jahr wurde schließlich eine ähnliche Diskussion geführt. Stefan Schiesser von der DZ Bank sieht durch die anhaltende Steuerdiskussion eine Belastung für den Aktienmarkt. Insgesamt könnte die neue Entwicklung nach Ansicht der Experten besonders die Sparer, die einen Riester-Vertrag abgeschlossen haben, treffen. Der Erfolg dieser Anlageform zur privaten Altersvorsorge bleibt ohnehin weit hinter den Erwartungen zurück. Nun dürften Anleger noch zögerlicher beim Abschluss sein.

Der Grund liegt nahe: "Erst wird den Menschen die Aktienanlage als gute Altersvorsorge nahe gebracht, dann wird ihnen der Ertrag wegbesteuert", sagt Ulrich Hocker, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).



Sowieso scheint den Finanzexperten vieles von dem , was gestern ans Tageslicht kam, wie beim ersten Anlauf reichlich unausgegoren. "Diese Pläne sind rein ideologisch geprägt und kosten dem Bund mehr als sie ihm bringen" sagt Ulrich Hocker. Schließlich schieben die meisten Aktionäre noch hohe, nicht realisierte Verluste in ihren Depots vor sich her, die steuerlich gegen Gewinne aufgerechnet werden können. "Das könnte zur Folge haben, dass für den Bund außer Verwaltungskosten nichts übrig bleibt", sagt Hocker.

Probleme könnten auch in der Bewertung von Kursgewinnen auftreten, glaubt Reinhild Keitel. "Wie soll ein Arbeitnehmer, der 1970 BASF-Aktien gekauft hat und heute in Rente geht, nachvollziehen, zu welchem Kurs dies damals geschah", fragt sie beispielhaft. Möglich scheint, dass der Finanzminister hierbei wie beim ersten Anlauf eine Pauschallösung präsentieren wird.



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