Abgeordnete suchen Rat
Kokain im Reichstag: Gutachten verzögert

dpa BERLIN. Das für diesen Freitag angekündigte Gutachten über die Kokainfunde in Reichstagstoiletten verzögert sich bis kommende Woche. Der mit der Untersuchung befasste Professor Fritz Sörgel sagte am Freitag in einem dpa-Gespräch, er wolle über das Wochenende noch einige Experimente machen. Er wolle mehrere Szenarien zu der Frage aufstellen, wie das Kokain auf die Toiletten gekommen sein könnte. Er rechne in der kommenden Woche mit dem Gutachten. Nach einem Bericht des Sat.1-Magazins "Akte 2000" wurden in 22 von 28 Toiletten des Reichstags Kokainspuren gefunden. Sörgels Institut hatte die von einem Journalisten genommenen Proben analysiert.

Sörgel sagte weiter, zwei Bundestagsabgeordnete hätten ihn um Beratung wegen eines Haartests gebeten. Die Politiker wollen nach seiner Einschätzung damit untermauern, dass sie drogenfrei sind. Er habe ihnen geraten, sich an ein rechtsmedizinisches Institut zu wenden.

Der Wissenschaftler erklärte, seine These, wonach die Drogenreste möglicherweise beim Putzen der Toiletten verbreitet wurden, sei nur eine Möglichkeit. Nach ersten Experimenten stehe für ihn bereits fest: "Durch einfaches Wischen wird der größte Teil des Kokains entfernt." Wenn also sauber gewischt werde, sei die Frage, wie groß die Kokainmengen auf den Toiletten ursprünglich gewesen seien. Der Bundestag hatte nach Bekanntwerden der Berichte erklärt, die Toiletten würden bis zu zwei Mal täglich gründlich gereinigt. "Das war wohl ein Eigentor", sagte Sörgel. "Die Fakten sind, dass Kokain auf den Toiletten gefunden wurde."

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