Abgeschlossene oder blockierte Ausgänge konnen Unglücksursachen sein
Disco-Tragödie von Chicago wird untersucht

Die Tragödie in einer Discothek in Chicago mit 21 Toten wird wahrscheinlich ein gerichtliches Nachspiel haben. Nach Medienberichten hat sich herausgestellt, dass der Tanzclub zwar mehrere Ausgänge hatte, die aber zum Zeitpunkt des Unglücks bis auf einen alle entweder abgeschlossen oder durch Wäschesäcke blockiert waren.

HB/dpa CHICAGO. In der Discothek hatten sich über 1 000 Menschen aufgehalten, als Panik ausbrach und die Besucher ins Freie zu fliehen versuchten. Die 21 Opfer wurden zu Tode getrampelt oder zerquetscht. Allein an einer der verschlossenen Türen sollen mehrere Tote gefunden worden sein. Außerdem wurden nach Medienberichten vom Abend mindestens 55 Menschen verletzt, einige von ihnen schwer.

Die Polizei untersucht auch, wie die Panik entstand. Augenzeugen hatten berichtet, dass zwischen mehreren weiblichen Gästen am frühen Morgen plötzlich ein Handgemenge ausbrach. Ein Mitglied des Sicherheitspersonals habe daraufhin eine chemische Substanz, wahrscheinlich Pfefferspray, versprüht, um die Lage in den Griff zu bekommen. Daraufhin hätten zahlreiche Gäste nach Luft gerungen, sich übergeben und gekrümmt, und dann sei die Menschenmenge über die einzig vorhandene Treppe vom ersten Stock ins Erdgeschoss gestürmt, um sich in Sicherheit zu bringen.

Nach Polizeiangaben vom Abend ist jedoch weiter unklar, ob das Pfefferspray tatsächlich vom Sicherheitspersonal oder von einem der Disco-Besucher eingesetzt wurde. Offen blieb auch vorerst die Frage, ob sich in dem Tanzclub mit möglicherweise bis zu 1 500 Besuchern vorschriftswidrig viele Personen aufgehalten haben.

Nach Behördenangaben hatte der Inhaber keine Betriebserlaubnis. Wie der Nachrichtensender CNN am Dienstag berichtete, wurde der zweite Stock des Tanzclubs per Gerichtsorder gesperrt, weil er nicht den Baurichtlinien der Millionenmetropole entsprach.

Nach Angaben des Anwalts des Eigentümers habe es jedoch eine Vereinbarung mit der Stadt gegeben, die eine Öffnung des kompletten Clubs erlaubt habe. Der Eigentümer habe genau gewusst, dass er die Einrichtungen im zweiten Stock nicht öffnen durfte, sagte Feuerwehrchef James Joyce. Anwalt Andre Grant sagte hingegen, die Stadt sei zu 100 Prozent im Bilde gewesen, dass der Club benutzt wurde.

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