Abhängig von der Mutter
RTL Newmedia: Viele Zuschauer, viel Verlust

Wie kann man im Internet Geld verdienen? Auch RTL Newmedia, die am Mittwoch ihre Bilanz für das Jahr 2000 vorlegte, konnte diese Frage nicht beantworten.

KÖLN. Mit der gigantischen Promotionkraft des Muttersenders RTL im Rücken, kann die Online Tochter zwar beeindruckend viele User auf ihre Seiten locken (allein im März 261 Millionen Seitenaufrufe (PI)) - aber sie schöpft daraus bislang kaum bilanzwirksame Umsätze. Bei einem Umsatz von 90 Mill. DM im Jahr 2000 blieb unter dem Strich die rote Zahl 52 Mill. DM als Verlust stehen. "Anlaufverluste", wie sich Geschäftsführer Thomas Hesse zu sagen beeilte. Er gehe davon aus, dass schwarze Zahlen erst "innerhalb von vier Jahren" geschrieben würden.

Den größten Umsatzbeitrag 2000 lieferte der Bereich Merchandising mit 40 Prozent. Telefonhotlines/Teletext trugen 31 Prozent zum Umsatz bei, während der Werbeumsatz/E-Commerce nur 29 Prozent ausmachte. Zum laufenden Jahr sagte Hesse, dass sich "die depressive Stimmung am Neuen Markt natürlich auch bei unseren Werbeeinnahmen bemerkbar" mache. An die Börse zieht es die RTL-Tochter jedenfalls noch nicht: "Glücklicherweise" hätten "Skeptiker in den eigenen Reihen" einen schnellen Börsengang "rechtzeitig verhindert", sagt RTL-Informationsdirektor Hans Mahr, und auch in absehbarer Zukunft wird RTL Newmedia nicht an die Börse gehen: Das wäre in diesen Zeiten "eine Dummheit", so Hesse.

Gewinne durch den Verkauf von Big-Brother-Produkten

Sowohl bei den PIs als auch bei Merchandising und Telefonhotlines wird die extreme Abhängigkeit der RTL Newmedia von wenigen Quotenbringern der Fernsehmutter RTL im Jahr 2000 deutlich: Zum Beispiel "Wer wird Millionär" und "Big Brother". Die RTL-Tochter bezieht einen großen Teil der Gewinne aus dem Verkauf von Big-Brother-Produkten wie Handtüchern, Kappen, T-Shirts. Nach eigenen Angaben sorgt außerdem Günter Jauchs Ratespiel für vier Millionen PI?s auf der entsprechenden RTL-Newmedia-Seite - und das täglich!

Für die Rentabilität der mit erheblichem redaktionellen Aufwand der 200 Mitarbeiter erstellten rund 20.000 anderen Content-Seiten verheißt die starke Abhängigkeit von einigen wenigen Angeboten, über deren Zukunft zudem auf dem Fernsehmarkt abgestimmt wird, nicht unbedingt nur Gutes. RTL Newmedia ist nur da stark, wo RTL Television stark ist. Das ist der Vor-, aber auch Nachteil des Konzeptes der "Cross-Media-Promotion", das von der RTL-Newmedia-Geschäftsführung als Erfolgsmodell verkauft wurde.

Breitband sei falsch eingeschätzt worden

Bei den Übertragungswegen des RTL-Contents will sich RTL Newmedia alle Wege offen halten. Die Projekte, die die Bertelsmann Broadband Group (BBG) seit 1999 durchführt hatte, sind allerdings eingestellt worden, sagte Hesse auf der Bilanz-Pressekonferenz. Für 12,8 Millionen Euro wurde die BBG Anfang Februar gekauft. Rund die Hälfte der Mitarbeiter arbeiten jetzt bei RTL Newmedia, sagte Hesse im Gespräch mit Handelsblatt.com. Die Markt-Durchdringung von Breitband sei falsch eingeschätzt worden, so Hesse. RTL Newmedia werde sich jetzt realistischer auf den Zukunftsplattformen positionieren. Highspeed-Internet sei aber nach wie vor einer der Bereiche, die das Kölner Unternehmen besetzen werde. Man sei bereits in Gesprächen mit den Kabelnetzbetreibern, so Hesse.

Auch den Mobilfunk-Dienstleistern wird RTL Newmedia seinen Content anbieten. Mahr: "In fünf Jahren werden mir auf meinem Spaziergang die Fußball-Tore gemeldet, die ich mir dann auf meinem UMTS-Handy anschauen kann." Wichtig bei diesen Betrachtungen: Auch RTL Newmedia wird, wie alle in der Branche, den Zuschauer/User erst noch überzeugen müssen, für seine Inhalte auch zu zahlen.

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