Abkommen geschlossen
Druckerei-Großfusion steht kurz bevor

Der Springer-Verlag und die Bertelsmann-Tochter Arvato wollen ihre Tiefdruckereien zusammenlegen - falls das Kartellamt mitspielt.

DÜSSELDORF. Die Großfusion auf dem europäischen Druckereimarkt steht kurz vor ihrem Abschluss: Die Axel Springer AG (Bild, Welt, Hörzu) und die Bertelsmann-Drucktochter Arvato legen ihre Tiefdruckereien zusammen. Aus Branchenkreisen verlautete, eine Einigung zwischen Springer und Bertelsmann stehe kurz bevor.

Ein entsprechendes Grundsatzabkommen (Letter of Intent) soll Ende November oder Anfang Dezember unterzeichnet werden. Noch in dieser Woche soll Konzernvize und Technik- Vorstand Rudolf Knepper den Springer-Betriebsrat über die seit Monaten laufenden Gespräche informieren. "Vor Weihnachten gibt es eine Entscheidung, ob es eine Einigung gibt", sagte dagegen eine Springer-Sprecherin. Ein Arvato - Sprecher sagte nur: "Wir führen Gespräche mit Springer." Deren Inhalte wollte er aber nicht kommentieren.

"Die Atmosphäre der Gespräche ist ausgesprochen gut", heißt es in Verhandlungskreisen. Der Springer-Chef Mathias Döpfner und der Arvato-Vorstandsvorsitzende Hartmut Ostrowski verstünden sich gut - ebenso wie Springer-Technik-Vorstand Knepper und Arvato-Vorstandsmitglied Stefan Kraus. In dem neuen Gemeinschaftsunternehmen wird Springer offenbar nur den Juniorpartner spielen. Die unternehmerische Führung wird bei Arvato liegen. Die Bertelsmann-Tochter fährt einen Expansionskurs: Arvato investiert mehr als 100 Mill. Euro in eine neue Druckerei im norditalienischen Treviglio.

Gründe für das Zusammenrücken der beiden Druckereiriesen sind der Kostendruck, die Rezession auf dem Werbemarkt und die Billig-Konkurrenz in Osteuropa. "Die Fusionswelle im Druckmarkt geht weiter. Während es in den USA nur noch drei große Druckunternehmen gibt, sind es in Europa noch 35", sagt Iris Schäfer, Analystin bei der Landesbank Baden-Württemberg. Ursprünglich war auch die durch Zukäufe stark gewachsene Schlott Gruppe AG an einer Kooperation Springer interessiert. Der drittgrößte Tiefdruckanbieter in Europa schied allerdings schon im Frühjahr aus dem Rennen.

Mit der Fusion der Springer- und Arvato-Unternehmen würde ein neuer Branchenriese in Europa mit mehr als 2 800 Mitarbeitern entstehen, der europaweit rund 18 % aller Druckkapazitäten kontrolliert. Springer beschäftigt mehr als 1 300 Mitarbeiter in seinen beiden Betrieben in Ahrensburg (bei Hamburg) sowie Darmstadt. Arvato ist mit Tiefdruckereien in Deutschland, Italien sowie Spanien vertreten. Der Bereich zählt insgesamt 1 500 Mitarbeiter. Kernstück in Deutschland wäre bei einer Einigung der Nürnberger Arvato-Betrieb Maul & Belser Medienverbund GmbH, der vom Arvato-Vorstand Kraus geführt wird. .Welche Folgen eine Fusion hat, ist zum derzeitigen Zeitpunkt unklar. "Es besteht die Gefahr, dass es zu Personalreduzierungen oder Teilschließungen kommt", sagt Gerd Kirchgässner, Druck- und Verlagsexperte bei der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi.

Der Markt ist seit Jahren in Bewegung. "Durch eine Fusion von Springer und Arvato wird sich der Druck auf die Preise noch erhöhen", prognostiziert Branchenexpertin Schäfer. Vor diesem Hintergrund würden viele Verlage derzeit überlegen, ob sie ihre Druckerei nicht ganz abgeben sollten, berichtet Gewerkschafter Kirchgässner.

Zum Knackpunkt der bevorstehenden Fusion könnte allerdings das Kartellrecht werden. Arvato ist bereits der Marktführer in Europa. Springer nimmt Platz 6 ein. "Das ist ein internationaler, ein europäischer Markt", sagt ein Insider. Auch Springer und Bertelsmann gehen daher davon aus, dass sich die EU-Kommission mit diesem Fall beschäftigen wird.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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