Abkühlung der Weltwirtschaft
Ifo-Institut rechnet 2001 mit geringerem Wachstum

Das Münchener Ifo-Institut hat seine Konjunkturprognose für das nächste Jahr um einen knappen halben Prozentpunkt nach unten korrigiert. Die spürbare Abkühlung der Weltwirtschaft werde auch in Deutschland im Jahr 2001 zu einem niedrigeren Wirtschaftswachstum führen als in diesem Jahr, hieß es in der am Mittwoch veröffentlichten Studie.

Reuters MÜNCHEN. Die Münchener Konjunkturforscher rechnen dann mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 2,5 % nach 3,0 % in diesem Jahr. Im Juli war das Ifo-Institut für 2001 noch von einem Wachstum von 2,8 % ausgegangen, das Herbstgutachten der führenden sechs deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute hatte für 2001 ein Wachstum von 2,7 % erwarten lassen.

Ifo-Chefvolkswirt Willi Leibfritz sagte in München, Grund für den wachsenden Pessimismus sei das schwächere Wachstum des Welthandels. Auch die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) und der USA werde das Wachstum dämpfen. Leibfritz warnte die EZB davor, die Zinsen angesichts steigender Ölpreise noch zu erhöhen. Das sei nur ein temporärer Effekt, der sich im nächsten Jahr abschwächen werde.

Selbst wenn die US-Notenbank die Zinsen senke, gebe es keinen Grund für die EZB, das Gleiche zu tun. Die Münchener Wirtschaftsforscher haben für ihre Prognose bis zum Ende des nächsten Jahres konstante Leitzinsen und einen konstanten Euro-Kurs angenommen. Der Welthandel werde nur noch um 8,5 statt wie 2000 um 12,5 % zunehmen, sagte Leibfritz. In den USA erwartet das Ifo eine weiche Landung der Konjunktur, dort werde die Wirtschaft mit einem Wachstum von drei Prozent auch 2002 auf dem Wachstumspfad bleiben.

Das Institut für Weltwirtschaft (IfW) war zuletzt von einem Wirtschaftswachstum von 2,4 % ausgegangen, das Rheinisch- Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) von 2,8 % und das Hamburger HWWA von 2,7 %. Wirtschaftsminister Werner Müller (parteilos) sagte, die Bundesregierung halte an ihrer Prognose von 2,75 % Wachstum für 2001 fest. Er erwarte Impulse auf den privaten Konsum durch die Steuerreform. Dagegen glaubt das Ifo, der dämpfende Effekt der abflauenden Weltwirtschaft werde die Effekte der Steuerreform überdecken. Die Senkung der Steuern um 1,1 % des BIP werde sich nur mit 0,5 % auf das Wachstum auswirken. 2,5 % Wachstum bedeuteten eine Fortsetzung des Aufschwungs, betonte Leibfritz. "Aber der Aufschwung wird etwas weniger solide", sagte er.

Höhepunkt überschritten

Der Höhepunkt der maßgeblich vom Export getriebenen Konjunktur sei im Sommer 2000 überschritten worden, sagte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn. Für das Jahr 2002 gehen die Ifo-Konjunkturforscher trotz der dann wieder anziehenden Weltkonjunktur für Deutschland von einem abermals etwas langsameren Wirtschaftswachstum von 2,4 % aus. Leibfritz: "Bisher gibt es wenig Hinweise, dass sich das Produktivitätswachstum durch die Ausbreitung der New Economy so stark beschleunigen wird, dass ein mittelfristiger Wachstumspfad von drei Prozent erreicht wird.

Die Inflationsrate in Deutschland soll laut Ifo niedrig bleiben: Von einem durchschnittlichen Anstieg von 1,9 % im laufenden Jahr ausgehend werde der Index der Verbraucherpreise 2001 und 2002 um jeweils 1,5 % steigen, heißt es in der Prognose. Weiter zurückgehen werde die Arbeitslosenzahl: Die Quote von 9,2 % in diesem Jahr soll im Jahr 2001 auf 8,6 % und 2002 auf 8,1 % sinken, was dann einer Arbeitslosenzahl von 3,42 (2000: 3,89) Mill. entspräche. Damit werde die konjunkturelle Arbeitslosigkeit weitgehend abgebaut. Nun gehe es darum, die strukturelle Arbeitslosigkeit durch weitere Reformen zu reduzieren.

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