Ablehnung der DFG-Position zur Stammzellen-Forschung
Bundesregierung gegen Änderung des Embryonenschutzgesetzes

afp BERLIN. Die Forderungen der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) zur Forschung mit menschlichen Stammzellen sind auf Widerstand gestoßen. Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) lehnte am Freitag in Berlin vorerst eine Lockerung des Embryonenschutzgesetzes ab, das die Forschung an und mit embryonalen Stammzellen in Deutschland verbietet. Vielmehr müsse es zunächst eine breite Diskussion in Wissenschaft und Gesellschaft geben. Bulmahn zufolge soll das Thema auch in dem vom Bundeskabinett berufenen Nationalen Ethikrat behandelt werden. Auch CDU und PDS reagierten ablehnend auf den Vorstoß der DFG. Die FDP hingegen signalisierte Zustimmung: Die Regierung sei jetzt gezwungen, rechtliche "Grauzonen" klarer zu definieren.

Die DFG hatte dafür plädiert, zunächst den Import "überzähliger" embryonaler Stammzellen nach Deutschland zu Forschungszwecken zu ermöglichen. Solche Zellen fallen etwa bei der Vorbereitung einer künstlichen Befruchtung an, die dann aber letztlich nicht ausgeführt wird. Falls erforderlich, sollte zudem auch in Deutschland die Gewinnung solcher Stammzellen möglich sein, forderte die DFG. Dafür wäre allerdings eine Änderung des Embryonenschutzgesetzes notwendig. Zur Begründung verwies die DFG auf die Fortschritte in der Wissenschaft; sowohl potenzielle Patienten als auch Wissenschaftler in Deutschland sollten nicht mehr von den Forschungen ausgeschlossen werden. Das Klonen von Embryonen ausschließlich zu Forschungszwecken lehnt die Gesellschaft nach wie vor ab.

Bulmahn betonte, es könnten jetzt nicht in einem "Hau-Ruck-Verfahren" neue Weichen gestellt werden, die die bislang geltenden ethischen Grenzen überschritten. Die Öffnung bestehender Schutzbestimmungen erfordere einen breiten gesellschaftlichen Konsens. Zuvor hatte bereits Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) betont, er halte die gesetzlichen Regelungen zunächst für ausreichend. Auch die in Deutschland an sich zulässige Forschung an importierten embryonalen Stammzellen bleibt nach Ansicht Bulmahns problematisch. Der Import dieser Zellen ist rechtlich grundsätzlich zulässig, laut Bundesforschungsministerium aber aus Kostengründen und wegen der ethischen Problematik bisher nicht passiert. Nicht zuletzt auf Drängen des Ministeriums wurde der Antrag eines Bonner Wissenschaftlers zur Forschung an importierten Embryo-Stammzellen in der Sitzung des DFG-Hauptausschusses am Freitag verschoben.

Schutz der Unverfügbarkeit menschlichen Lebens

Der Vizevorsitzende der Bundestags-Enquete-Kommission "Recht und Ethik der modernen Medizin", Hubert Hüppe (CDU), kritisierte, die Verwertung "überzähliger" menschlicher Embryonen zur Stammzellen-Gewinnung würde die Abschaffung des Embryonenschutzgesetzes in seinem zentralsten Punkt bedeuten - dem Schutz der Unverfügbarkeit menschlichen Lebens. Zuvor hatte sich schon die katholische Bischofskonferenz ablehnend geäußert. Die FDB-Bundestagsabgeordnete Ulrike Flach begrüßte hingegen den "Kurswechsel" der DFG. Deutsche Wissenschaftler dürften nicht wegen veralteter oder unklarer Gesetze gegenüber anderen Ländern zurückstehen oder sich durch Rechtslücken strafbar machen.

Stammzellen gelten derzeit als eines der vielversprechendsten Forschungsfelder der Biomedizin. Wissenschaftler hoffen, daraus künftig Gewebe und Organe etwa für Nieren- und Leberkranke sowie Herz- und Alzheimerpatienten züchten zu können. Bisher ist die Verwendung embryonaler Zellen zu therapeutischen Zwecken nur in Großbritannien erlaubt. Für ethisch problematisch halten Kritiker die Forschung mit Embryo-Zellen vor allem, weil eine Eizelle auf dem Weg zum Menschen praktisch zerstört wird. Außerdem befürchten sie, dass damit die Tür zum Klonen von Menschen geöffnet wird.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%