Ablösung bei Spaniens größter Bank SCH frühestens 2007
Emilio Botín klammert sich an die Macht

Der Präsident der Santander Central Hispano (SCH) schiebt den Generationswechsel auf die lange Bank. Doch sein Festhalten am Chefposten stößt bei Analysten auf Kritik. Potenzielle Nachfolger ziehen den Kopf ein.

MADRID. Rot, wohin das Auge blickt. Die Hostessen, in rot gekleidet, stehen Spalier. Der Präsident, mit roter Krawatte, schreitet über einen roten Teppich zum Rednerpult. Auf der Leinwand über seinem Kopf prangt das Logo der Bank - eine weiße Flamme auf rotem Hintergrund. Die grelle Show vor den Führungskräften der spanischen Großbank Santander Central Hispano (SCH) vergangene Woche zeigt, wer die ungeteilte Herrschaft im Hause hat: Emilio Botín. In einem erbitterten Machtkampf mit Co-Präsident José María Amusátegui letzten Sommer vertrieb der ebenso erfolgverwöhnte wie ehrgeizige Banker seinen Partner vorzeitig von der Führungsspitze. Seitdem wird das Geldhaus mehr denn je von Botín geprägt.

Rot - das war die Farbe der früheren Bank Santander mit Botín an der Spitze. Blau - das war die Farbe von Central Hispano mit Amusátegui an der Front. Als sich beide Banken vor drei Jahren zusammenschlossen und den Konsolidierungsprozess im spanischen Finanzmarkt in Gang setzten, redeten die Partner von einer "Fusion unter Gleichen". Die Illusion hielt länger als zwei Jahre. Dann drängte Botín auf eine Entscheidung.

"Man sagt, ich sei jung wie nie", freute sich der 67-Jährige jüngst bei der Vorlage der Geschäftszahlen. "Mir bleibt noch mehr als eine Legislaturperiode. Es ist zu früh, über meine Nachfolge zu reden." Im Fusionsvertrag von 1999 wurde ein Führungswechsel für 2007 verabredet - dann ist Botín 72. Experten gehen jedoch davon aus, dass "der Herrscher" (El País) seinen Abschied von der Bank weiter hinausschieben will. Von Amtsmüdigkeit keine Spur.

Botíns offenes Festhalten an der Macht stößt bei Analysten auf Kritik. Doch bislang, sagt ein Experte, "hat er immer die richtigen Entscheidungen getroffen. Das kann man nicht lernen, das ist Feeling. Und das wird er auch im Alter nicht verlieren." - "Je älter, desto unanfechtbarer", sagt ein anderer. "Das ist das alte patriarchische System, was in Spanien noch immer funktioniert."

Eine Nachfolgediskussion gibt es allenfalls hinter verschlossenen Türen. Rivalen, die eine solche Debatte anzetteln könnten, existieren nicht. "Botín ist der große König hier", sagt ein Kenner der spanischen Bankenszene. Auch Botíns geschäftsführender Vorstand, Angel Corcóstegui, der der alten BCH-Riege entstammt, biete ihm keine Paroli. Dass dieser Mann Botín beerben könnte, bezweifeln die Experten. Das Argument: Corcóstegui ist zwar ein guter Banker, gehört aber nicht zur Familie. "Corcóstegui ist und bleibt ein Angestellter", sagt ein Analyst.

Botín entstammt einer alteingesessenen Banker-Dynastie - ausgeschlossen, dass ein Fremder zu viel Macht übernehmen könnte. Als wahrscheinlich gilt vielmehr, dass Ana Patricia Botín ihrem Vater auf den Präsidenten-Sessel folgt. Die 41-Jährige galt schon früher als sichere Thronfolgerin. Nach der Fusion schied sie nach 18 Jahren aus dem Geschäftsalltag aus, um Chefin einer Internet-Firma zu werden - nicht ganz freiwillig. Vielmehr sprach der Markt von einem Bauernopfer, um die Präsenz der Familie Botín in der Bank zu verringern. Ihren Platz im Verwaltungsrat behielt sie.

Emilio Botín, der 1986 seinen Vater an der Spitze bei Santander ablöste, gilt als besessener Arbeiter. Letztes Jahr gab der Unermüdliche seiner Mannschaft auf den Weg, "jeden Tag anderthalb Stunden länger zu arbeiten". Jetzt forderte er sie auf, "nichts bis morgen liegen zu lassen", sondern "viel und besser zu arbeiten". Dass SCH heute, gemessen an der Marktkapitalisierung, nur knapp hinter der Deutschen Bank zweitgrößtes Finanzinstitut Europas ist, gilt als Verdienst Botíns. Harte Konkurrenz macht ihm in dieser Position lediglich die Banco Bilbao Vizcaya Argentaria, Spaniens zweites großes Geldinstitut. Zielstrebig widmete sich Botín der Expansion in Lateinamerika. In Europa haben die Spanier bislang verhalten agiert. Doch SCH gehört zu jenen Adressen, denen Experten hier noch einiges zutrauen.

Silke Kersting
Silke Kersting
Handelsblatt / Korrespondentin
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