Ablösung des Telekom-Chefs ist beschlossene Sache
Schröder sucht, Sommer fliegt

Die Tage von Telekom-Chef Ron Sommer sind offenbar gezählt. Die Bundesregierung als größter Aktionär des Ex-Monopolisten ist nach Informationen des Handelsblatts entschlossen, den Vorstandsvorsitzenden zu stürzen. Allerdings hat Bundeskanzler Gerhard Schröder Probleme, einen Nachfolger zu finden.

HB DÜSSELDORF. Als heißester Kandidat für die Sommer-Nachfolge gilt der Daimler-Vorstand und Chef der Dienstleistungssparte, Klaus Mangold. In Aufsichtsratskreisen hieß es, Schröder wolle den 59-jährigen Manager schon an diesem Freitag präsentieren. Zwar ließ Mangold erklären, er konzentriere sich weiterhin auf seine Arbeit bei Daimler. Ein klares Dementi gab es jedoch nicht.

In Mangolds Umfeld hieß es vielmehr, er habe enge Bindungen zur Politik, ohne parteipolitisch gebunden zu sein. Sein Vertrag bei Daimler läuft im Herbst 2003 aus, und es ist fraglich, ob er verlängert wird. Im Aufsichtsrat gilt Mangold allerdings nicht als erste Wahl: "Die Angelegenheit wird viel zu überstürzt angegangen - keine gute Voraussetzung dafür, um einen Top-Mann zu finden", hieß es.

Mangold scheint jedoch nicht der einzige Kandidat gewesen zu sein. So soll nach Angaben aus Regierungskreisen auch dem Aufsichtsratschef von Thyssen-Krupp, Gerhard Cromme, die Sommer-Nachfolge angetragen worden sein. Cromme ließ jedoch dementieren: Er sei weder gefragt worden, noch hätte er den Job übernommen.

Am Mittwoch wurde der Aufsichtsrat der Telekom zu einem außerordentlichen Treffen am kommenden Dienstag eingeladen. Dabei soll es um die Ablösung Sommers gehen. Dieser habe nach dem dramatischen Kursverfall der T-Aktie und wegen üppiger Aktienoptionsprogramme nicht nur bei beiden Vertretern des Bundes, sondern auch auf der Kapitalseite seine Glaubwürdigkeit verspielt, hieß es aus Kreisen des Unternehmens. Zudem soll Schröder besorgt sein, dass die Union die Telekom-Misere als Wahlkampfthema benutzt.

Die Bundesregierung vermied am Mittwoch erneut ein klares Bekenntnis zu Sommer. Auf die Frage, warum Bundeskanzler Gerhard Schröder keine "Ehrenerklärung" für den Telekom-Chef abgebe, hieß es, der Bundeskanzler habe Urlaub. In Berlin verlautete weiter, dass es während einer Marathonsitzung im Präsidium des Telekom-Aufsichtsrates am Dienstag "gekracht" habe. Die Arbeitnehmervertreter hätten die von Aufsichtsratschef Hans-Dietrich Winkhaus geforderte Ablösung Sommers verweigert.

Sommer, der seit 1995 an der Spitze der Telekom steht und Aufstieg und Fall des Ex-Monopolisten verkörpert, kämpft noch um seinen Posten. "Ich habe mir nichts vorzuwerfen", wurde Sommer zitiert.

Gleichzeitig erhärteten sich Gerüchte, dass die Telekom nach einem Partner für ihre US-Tochter Voicestream sucht. Damit könnte Sommer noch einmal punkten, denn die hoch verschuldete Telekom könnte so Investitionen in Milliardenhöhe sparen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%