ABN Amro kündigt Kredite
Kinowelt droht die Pleite

Der Kinowelt Medien AG droht nach der Kündigung eines Großkredites nach eigenen Angaben die Insolvenz. Das niederländische Bankhaus ABN Amro habe dem seit einigen Monaten ums Überleben kämpfenden Münchener Medienunternehmen Kredite über mehr als 100 Mill. DM zum 28. November gekündigt, teilte Kinowelt am Montag mit.

Reuters MÜNCHEN. Wenn sich in Verhandlungen bis Mittwoch keine Einigung ergebe, müsse Kinowelt innerhalb von 21 Tagen ein Insolvenzverfahren einleiten, sagte ein Sprecher in München. "Kinowelt ist nicht in der Lage, diesen Betrag bis zum 28. November aufzubringen", hieß es. Die im Auswahlindex Nemax 50 am Neuen Markt notierte Aktie brach um 32 % auf 0,61 Euro ein. Analysten sagten, die Entwicklung sei abzusehen gewesen.

Die niederländische Großbank ist eines der bedeutendsten von 24 Instituten, bei denen Kinowelt nach eigenen Angaben insgesamt mit rund 400 Mill. Euro verschuldet ist. Der Sprecher übte an der Kündigung Kritik: "Das macht ökonomisch weder für uns noch für ABN Amro Sinn", sagte er. Ein großer Teil der Kredite sei nicht besichert. Die Gläubigerbanken müssten daher in einem Insolvenzverfahren mit wesentlich schlechteren Quoten rechnen. Alle übrigen Banken hätten ihre Kredite nicht fällig gestellt, hieß es. ABN Amro wollte nicht Stellung nehmen. "Wir sprechen nie zu Angelegenheiten von privaten Kunden", sagte ein Sprecher in Amsterdam.

Die zur ING-Gruppe gehörende BHF-Bank, die ebenfalls zu den großen Gläubigern von Kinowelt zählt, will nach Angaben eines Sprechers abwarten. "Wir stehen weiter mit unseren Krediten zur Verfügung", sagte er. Der Kinowelt-Sprecher sagte, es liefen noch Verhandlungen mit ABN Amro und anderen Banken. Auch bei der HypoVereinsbank ist der Filmrechtehändler, DVD-Vertreiber und Kinobetreiber verschuldet. Bei Insolvenz sei ein großer Teil der 797 Arbeitsplätze gefährdet, hieß es weiter.

"Das war von unserer Seite abzusehen", sagte ein Analyst von HSBC Trinkaus & Burkhardt. Die Bank habe ihre Beobachtung des Wertes bereits eingestellt. Noch vorsichtig äußerte sich Jan Herbst von Sal. Oppenheim in Frankfurt. "Man kann nicht sagen, ob das Unternehmen überleben wird." Die Aktie stehe allerdings bereits seit Anfang des Jahres auf "Verkaufen".

Die Kinowelt-Gläubiger hatten Bankenkreisen zufolge bereits Ende August damit gedroht, ihre Kredite fällig zu stellen. Sie hatten sich jedoch bereit erklärt, vorerst still zu halten, weil Vorstandschef Michael Kölmel ein Sanierungskonzept angekündigt hatte. Schon im Mai hatten die Banken Kinowelt aus einem akuten Liquiditätsmangel geholfen. Zuletzt hatte das Unternehmen wegen der Finanzprobleme die Verwertung der mit hohem Werbeaufwand angekündigte Filmtrilogie "Herr der Ringe" nach dem Roman von J.R. Tolkien an die Warner-Tochter New Line International zurück gegeben. Der erste Teil davon läuft am 19. Dezember in den deutschen Kinos an. Daraus hatte sich Kinowelt 2002 und 2003 50 Mill. DM Umsatz erhofft.

Kinowelt habe mit dem Verkauf von Unternehmensteilen zuletzt einen Beitrag zu seiner Sanierung geleistet, sagte der Sprecher. "Die Lage hat sich im vierten Quartal wesentlich verbessert", betonte er, ohne genauere Angaben zu machen. Die Zahlen für das dritte Quartal (zum 30. September) sollen am kommenden Freitag vorgelegt werden. Im ersten Halbjahr hatte Kinowelt inklusive Sonderbelastungen 161,9 Mill. Euro Verlust verbucht, während der Umsatz nur 118,6 Mill. Euro erreichte.

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