Abneigung an US-Börse Nasdaq gegenüber Technologie-Aktien
Swisscom muss mit Margendruck leben

Reuters BERN. Der Schweizer Telekommunikationskonzern Swisscom hat nach eigenen Angaben vom Mittwoch in den ersten neun Monaten infolge des Preisdrucks in der Festnetztelefonie einen deutlichen Rückgang des Betriebsgewinns verzeichnet. Der Margendruck werde auch im kommenden Jahr anhalten, sagte Swisscom-Konzernchef Jens Alder. Der Betriebsgewinn nahm allerdings weniger ab als Finanzexperten erwartet hatten. Die Swisscom-Aktie verlor aber in einem von Abneigung gegenüber Technologie-Titeln geprägten Aktienmarkt bis zum Nachmittag rund 2,5 Prozent. Der Umsatz stieg in den ersten neun Monaten um 36 Prozent auf 10,48 Milliarden sfr. Der Betriebsgewinn sank auf 1,59 von 2,3t Milliarden sfr in der gleichen Zeit des Vorjahres. Dank Erträgen aus Beteiligungsverkäufen und einem Finanzertrag von 431 Millionen sfr stieg der Reingewinn auf 3,00 von 1,68 Milliarden sfr vor Jahresfrist.

Für den Rest des Jahres wird sich der Ertragstrend nach weiteren Swisscom-Angaben fortsetzen. Der Konzern wiederholte seine frühere Jahresprognose, wonach für das ganze Jahr weniger Betriebsgewinn aber mehr Reingewinn als 1999 zu erwarten sei. Alder erklärte weiter, im Festnetzgeschäft sei weiterhin mit sinkenden Preisen und entsprechend mit Margendruck zu rechen. Zudem lasse sich im Mobilfunkbereich eine gewisse Marktsättigung ausmachen. Auch dürften die durchschnittlichen Umsätze pro Monat und Kunde (ARPU) im Mobilbereich mit zunehmender Marktdurchdringung weiter sinken, sagte Alder. Dieses Jahr lag der ARPU bei 73 sfr gegenüber 85 sfr vor einem Jahr.

Der Umsatz sei höher ausgefallen als von den Analysten erwartet, erklärte die Bank Sarasin in einer ersten Wertung. Dass die Margen kräftig unter Druck gekommen seien, habe erwartet werden müssen. Der Reingewinn liege über den Erwartungen der Bank.

Im wachsenden Geschäft der Mobilkommunikation in der Schweiz sei der Umsatz in den ersten neun Monaten um 21 Prozent auf 2,1 Milliarden sfr gestiegen, hiess es weiter. In der Festnetztelefonie hätten dagegen Marktanteilsverluste und Preissenkungen zu einem Umsatzrückgang um 19,4 Prozent auf 3,15 Mrd. sfr geführt. In der Festnetztelefonie sei die EBIT-Marge auf 17,8 (29,5) Prozent gesunken. Der Bereich habe mit 594 Mill. sfr 37,4 Prozent zum Betriebsergebnis des Konzerns beigesteuert. Vor Jahresfrist habe dieser Anteil noch knapp 50 Prozent betragen.

Der Bereich Mobilcom habe im Jahr 2000 bis September 681 000 Neukunden gewonnen, davon 256 000 im dritten Quartal. Bei einem Marktanteil von 67 Prozent betrage der Kundenbestand 2,97 Mill., wovon gut ein Drittel auf Prepaid Cards entfalle. Der Umsatz sei um 21 Prozent auf 2,114 Mrd. sfr gestiegen. Mit zunehmender Marktsättigung werde die Wachstumsrate nicht im gleichen Ausmass aufrecht erhalten können. Die EBIT-Marge im Mobilbereich sank auf 37,6 von 47,4 Prozent im Vorjahr.

Dass die Swisscom-Aktie unter Druck kam, führten Analysten auf die von der US-Börse Nasdaq ausgehende Abneigung gegenüber Technologieaktien zurück.

Debitel bestätigt Gewinnaussagen von Swisscom nicht

Mobilfunkanbieter Debitel hat die Angaben der Muttergesellschaft nicht bestätigt, wonach er im bisherigen Geschäftsjahr einen Rückgang beim Vorsteuergewinn verzeichnet hat. Debitel-Sprecher Rudi Schmidt sagte am Mittwoch auf Anfrage, den von der Muttergesellschaft Swisscom genannten Rückgang des Vorsteuergewinns (Ebit) könne man nicht bestätigen. Als Erklärung führte der Sprecher verschiedene Bilanzierungsmethoden an. Debitel bilanziere nach dem Rechnungslegungsstandard US-GAAP, während Swisscom nach internationalen IAS-Standards bilanziere. Deshalb seien die Zahlen nicht ohne weiteres vergleichbar.

Debitel-Sprecher Schmidt sagte, man könne wegen der nicht vorgesehenen Quartalsberichtserstattung keine Angaben zum Geschäftsverlauf im Neun-Monatszeitraum 2000 machen. Daher könne man auch keine Einzelheiten zum Ebit nennen. Der Sprecher sieht auf Grund der Vorlage der Zahlen durch Swisscom für sein Unternehmen auch keine Verpflichtung, die jüngsten Geschäftszahlen des Unternehmens per Pflichtmitteilung nach dem Wertpapierhandelsgesetz zu veröffentlichen. Wenn Dritte Geschäftszahlen über Debitel veröffentlichten, bewirke dies keine Veröffentlichungspflicht für Debitel, sagte der Sprecher. Beim Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel war zunächst keine Stellungnahme zu einer möglichen Veröffentlichungspflicht zu erhalten.

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