Abofernsehen in Deutschland seit 1986
Stichwort Pay-TV

Die Kirch Pay-TV, die sich jetzt zahlungsunfähig erklärt hat, ist die Dachgesellschaft des einzigen deutschen Abofernsehens Premiere. Neben Premiere gehören auch das Sendezentrum für ProSieben, Sat.1 und Kabel 1, die Multimedia-Aktivitäten des gesamten Kirchkonzerns, der Schweizer Sender Teleclub und eine Beteiligung an Gold Star TV zur Kirch Pay-TV.

ap MÜNCHEN. Hauptgesellschafter ist Leo Kirchs Taurus-Holding mit 70 Prozent. Rupert Murdochs britischer Abosender BSkyB hält 22 Prozent, der saudische Prinz El Walid und zwei Finanzunternehmen halten die restlichen acht Prozent. Premiere-Chef Georg Kofler war zugleich Geschäftsführer der Kirch PayTV.

Der Wert der Kirch Pay-TV wird in Bankenkreisen derzeit auf acht Mrd. Euro taxiert. Murdoch hätte seinen Anteil im Oktober für 1,8 Mrd. Euro zurückgeben können, weil Premiere die vereinbarten Abonnenten- und Ertragsziele weit verfehlt hat. Der Misserfolg von Premiere ist der Hauptgrund für die Schieflage und den Zerfall von Leo Kirchs Medienimperium. Statt geplanter vier Millionen hat der Sender bisher nur 2,4 Mill. Abonnenten. Allein im vergangenen Jahr machte er 989 Mill. Euro Verlust. Die Ausgaben sind doppelt so hoch wie die Einnahmen. Die Insolvenz von Kirch Media, die Filme und Fußball an den Abosender liefert, hatte den Druck noch erhöht.

Abos für Einsteiger und Pornofilme

Um Kosten zu senken, hatte Kofler Ende März angekündigt, ein Drittel der 2 400 Stellen zu streichen, mit billigen Einsteigerabos und Pornofilmen neue Kunden zu locken und mit den Filmlieferanten in Hollywood über Rabatte zu verhandeln. Auch von der Bundesliga werden Nachlässe erwartet.

Abofernsehen gibt es in Deutschland schon seit 1986. Kirch hatte damals den Schweizer Teleclub nach Deutschland ausgedehnt, aber nur 100 000 zahlende Zuschauer erreicht. Daraufhin gründete er zusammen mit Bertelsmann und dem französischen Pay-TV-Betreiber Canal plus Premiere. 1996 gründete Kirch einen zweiten Pay-TV-Sender, das Digitale Fernsehen DF1, das eine schier unbegrenzte Zahl von Kanälen, Pay-per-View-Angeboten und Internet-Verknüpfungen ermöglichte.

Mit der D-Box zum Decodieren der Signale hatte er den Schlüssel für das digitale Fernsehzeitalter in der Hand - so Kirchs Vision, die Investoren und Banken teilten. Die beiden konkurrierenden Abosender machten aber dreistellige Millionenverluste. Die Franzosen und Bertelsmann stiegen aus, worauf Kirch DF1 und Premiere zusammenlegte und Murdoch an Bord holte.

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