Abramowitsch wird von der Vergangenheit eingeholt
Kreml fordert eine Milliarde von Chelsea-Boss

Die Summe selbst dürfte den nebenbei als Gouverneur von Tschukotka tätigen 37-jährigen reichlich wenig ausmachen. Sein Vermögen wird auf acht bis zehn Milliarden Euro geschätzt. Unangenehm ist jedoch, dass hinter dem Fiskus anscheinend der Kreml selbst steht.

HB MOSKAU. Abramowitsch leistet sich seit der Übernahme des englischen Fußball-Clubs Chelsea London eine der teuersten Mannschaften Europas. Russische Wirtschaftsexperten sahen die Übernahme jedoch teilweise als schleichenden Abschied aus der alten Heimat und als Einstieg in die englische Gesellschaft.

Das Vermögen des Sunnyboys beruht auf dem russischen Raubkapitalismus in den 90er Jahren. Abramowitsch sicherte sich damals unter der Anleitung des Oligarchen Boris Beresowski äußerst günstig Anteile an der Aluminium- und Erdölindustrie sowie an der Fluglinie Aeroflot. Die Staatsmacht verkaufte zum Sonderangebot, da dringend Geld für den Wahlkampf Jelzins im Jahre 1996 gebraucht wurde.

Der zweifelhafte Erfolg des ukrainischen Waisenjungen führte dazu, dass viele Russen noch heute bei dem Wort "Marktwirtschaft" verächtlich das Gesicht verziehen. Auch unter Wladimir Putin tätigte die Staatsmacht gerne Geschäfte mit Abramowitsch.

Nun forderten die Steuerbehörden jedoch Nachzahlungen von Abramowitschs Ölkonzern Sibneft in Höhe von etwa einer Milliarde Euro. Anscheinend ist man in der Regierung nicht so begeistert über die Geschäfte des Öl-Multis wie unter den Fußballfans der beteiligten Länder: Während in London Chelsea-Pelzmützen verkauft werden, deckt man sich in Russland mit Chelsea-Wodka ein. Sowohl russische als auch englische Fußball-Freunde freuen sich also: Erstere darüber, dass zumindest das heimische Geld Erfolg schafft, wenn schon nicht der eigene Fußball, letztere sind erleichtert, dass Chelsea im Konkurrenzkampf mit Manchester United und Arsenal finanziell gut gerüstet ist.

Abramowitsch lebt inzwischen mit seiner Familie in England. Freunde nennen den fünffachen Vater Roma. Das erinnert an den Kauf des hoch verschuldeten Traditionsvereins AS Roma, den Abramowitsch Ende Februar aufgeben musste. Der Finanzskandal in der Serie A erwies sich selbst für die Russen als eine Nummer zu groß.

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