Abrechnung mit Clinton
Bush zieht nach Nominierung in den Wahlkampf

Der Kandidat der Republikaner für das US-Präsidentenamt, George W. Bush, hat nach seiner Nominierung die Einheit der Partei beschworen und ist zu einer Wahlkampftour in den Mittleren Westen aufgebrochen.

Reuters PHILADELPHIA. Bush sagte vor seiner Abreise, die Partei sei geeint und wolle nun ihre Botschaft unter das Volk bringen. Der 54-jährige Gouverneur von Texas hatte am Donnerstagabend auf dem Parteitag der Republikaner in Philadelphia für den Fall seines Wahlsieges angekündigt, Steuererleichterungen durchzusetzen und das Militär zu stärken. Zudem will er die umstrittenen Pläne zur Errichtung eines landesweiten Raketenabwehrsystems (NMD) rasch umsetzen.

Bush will nun zunächst in den Bundesstaaten Illinois, Ohio und Michigan auf Wahlkampftour gehen. Vor seiner Abreise sagte der Sohn des früheren US-Präsidenten George Bush, die Partei stehe geschlossen hinter ihren großartigen Prinzipien und Visionen und wolle bei der Präsidentenwahl am 7. November den Sieg erringen. Der von Bush für das Amt des Vize-Präsidenten vorgesehene frühere Verteidigungsminister Dick Cheney sagte, Bush habe in seiner Rede auf dem Parteitag den richtigen Ton getroffen und der Partei die richtige Richtung gewiesen.

Clintons Sex-Affären zum Thema gemacht

Bush hatte in seiner 51-minütigen Rede unter anderem auf die Sex-Affären von US-Präsident Bill Clinton angespielt und gesagt, er werde als Präsident die Ehre und Würde des Amtes achten. Clinton habe viele Talente, viel Charme und viele Fähigkeiten, die am Ende jedoch keinem großen Zweck gedient hätten. "Meine Landsleute, wir können neu beginnen... Nach der ganzen Bitterkeit und den Vertrauensbrüchen können wir neu beginnen."

Bush kündigte an, er werde als Präsident ein von Clinton mit einem Veto belegtes Gesetz unterzeichnen, das bestimmte Formen der Abtreibung verbieten soll. Er versprach, die Sozialhilfe zu stärken, den Haushaltsüberschuss für Steuererleichterungen zu verwenden und die Einsatzbereitschaft des Militärs zu verbessern. Darüber hinaus kündigte er an, zum frühest möglichen Zeitpunkt ein System zur Abwehr von feindlichen Raketenangriffen zu installieren.

"Jetzt ist nicht die Zeit, überholte Verträge zu schützen, sondern die Bürger Amerikas", sagte Bush. Die NMD-Pläne werden von Russland und China als Verstoß gegen den ABM-Vertrag zur Begrenzung der Raketenabwehrsysteme bezeichnet und sind auch bei europäischen NATO-Partnern auf Kritik gestoßen.

Demokraten nominieren Mitte August

Der Chef-Wahlkampfstratege von Bushs wahrscheinlichem Gegenkandidaten, Bob Shrum, kritisierte am Freitag die Rede Bushs. Shrum bezeichnete im Fernsehsender ABC Bushs Angriffe auf US-Vize-Präsident Al Gore als "widerlich". Bush habe zudem keine klare Stellung zu den Schlüsselfragen der US- Politik bezogen. Die Demokraten nominieren ihren Kanidaten für die Präsidentwahl auf einem Parteitag von 14. bis 17. August in Los Angeles. Gore gilt als sicherer Anwärter. Er liegt in den Umfragen zur Präsidentenwahl hinter Bush. Clinton darf sich nach zwei Amtszeiten nicht mehr zur Wahl stellen.

Bush ist seit 1994 Gouverneur von Texas. Sollte er gewählt werden, wäre er der US-Präsident mit der geringsten Erfahrung in einem öffentlichen Amt. Er wäre außerdem der erste Sohn eines Präsidenten seit John Quincy Adams 1825, der seinem Vater in das Amt folgte.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%