Absage an Bahnchef Mehdorn
Gewerkschaft legt Tarifkompromiss mit Bahn auf Eis

Die Eisenbahnergewerkschaft Transnet will den ausgehandelten Tarifkompromiss mit der Deutschen Bahn AG frühestens im März nächsten Jahres unterschreiben.

Reuters BERLIN. Die Eisenbahnergewerkschaft Transnet will den ausgehandelten Tarifkompromiss mit der Deutschen Bahn AG frühestens im März nächsten Jahres unterschreiben. "Wir wollen erstmal eine seriöse Personalplanung sehen", sagte Transnet-Chef Norbert Hansen am Montag der Nachrichtenagentur Reuters. Diese Planung sei aber von verlässlichen Investitions- und Umsatzzielen der Bahn als Geschäftsgrundlage abhängig, die nicht vor Frühjahr vorliegen würden. Hansen erteilte damit Bahnchef Hartmut Mehdorn eine Absage, der am Sonntag die Gewerkschaft zur Zustimmung zu den ausgehandelten Kompromissen aufgefordert hatte.

Die Vereinbarungen mit der Bahn seien ausgehandelt worden, bevor die Bahn bekannt gegeben habe, dass sie ihre Ergebnisziele in den nächsten fünf Jahren um 20 Mrd. DM verfehle. "Das ist rein formalrechtlich ein Tarifvertrag, der unter sittenwidrigen Umständen zu Stande gekommen ist", sagte Hansen. Es könne sich nun herausstellen, dass die Bahn notwendige Modernisierungen gar nicht bezahlen könne. Dann brauche das Unternehmen auch wieder mehr Arbeitskräfte. Man könne daher nicht einfach einem Personalabbau in den nächsten fünf Jahren um 50 000 zustimmen.

Streitfall betriebsbedingte Kündigungen

Als Streikfall bezeichnete es Hansen, wenn die Bahn nun im Gegenzug den verabredeten Schutz vor betriebsbedingten Kündigungen wieder zurücknehme. Der Transnet-Chef forderte zudem erneut, er müsse den Bericht der Unternehmensberatung McKinsey auf den Tisch bekommen. Nach Medienberichten wird darin eine Halbierung des Bahnpersonals bis 2015 auf 120 000 Mitarbeiter gefordert. Bahnchef Mehdorn hatte einen solchen Personalabbau als "Unsinn" bezeichnet. "Wenn es diesen Abschlussbericht von McKinsey gibt, will ich ihn sehen", forderte Hansen. "Sonst gibt es Ärger".

In dem Anfang Oktober nach monatelangen Verhandlungen und einzelnen Warnstreiks gefundenen Tarif-Kompromiss, hatten die Eisenbahnergewerkschaften ab November eine Gehaltserhöhung von zwei Prozent durchgesetzt. Diese wird auch gezahlt. Ab März 2002 sollen die Gehälter danach für die nächsten zwölf Monate um weitere 2,4 % erhöht werden. Außerdem hatten sich Bahn und Gewerkschaften über so genannte Transfer-Vereinbarungen geeinigt, die den Abbau oder die Umsetzung von Arbeitnehmern auf andere Stellen vorsehen. Geeinigt hatten sich die Tarifpartner auch auf einen mit 2,7 Mrd. DM dotierten Zukunftssicherungsfonds.

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