Absage an Duo Kohler/Lattek
Calmunds Dementi weich wie Pudding

Die Turbulenzen bei Bayer 04 Leverkusen nehmen kein Ende: Mitten im Abstiegskampf wollte Trainer Thomas Hörster einem abermaligen Neubeginn beim Krisen-Club nicht im Weg stehen - die Verantwortlichen des Fußball-Bundesligisten lehnten die Offerte zum Rückzug jedoch ab. Zumindest für den Moment.

HB/dpa LEVERKUSEN. "Wir haben es nicht angenommen, denn das war kein Rücktritt und auch keine Bankrotterklärung. Hörster bleibt verantwortlich", sagte Manager Reiner Calmund am Dienstag. Gleichzeitig schränkte er allerdings ein: "Aber im Moment weiß ich nicht, ob es nicht vielleicht doch noch eine Überraschung gibt."

Die Mannschaft will die Saison mit Hörster zu Ende bringen. Der Mannschaftsrat habe nach der Demissions-Offerte "ein klares und eindeutiges Votum für Hörster" gegeben. Calmund wischte alle Spekulationen um eine Doppel-Lösung mit Sportdirektor Jürgen Kohler und Udo Lattek vom Tisch: "Das wird es nicht geben." Auch der Bayer-Sportbeauftragte Meinolf Sprink stärkte Hörster den Rücken: "Ich halte fest, dass wir die Wurzel des Übels umkreisen. Das ist aber nicht Hörster, sondern die Mannschaft." Die Geste des ehemaligen Nationalspielers, dem Club die Reißleine anzubieten, sei "unglaublich honorig", so Sprink weiter.

Sprink stellte aber eine klare Forderung: "Es muss Schluss sein mit lustig." Das Hin und Her soll beendet werden, "wir müssen jetzt vorsichtig sein mit vorschnellem Aktionismus, es nützt doch nichts, schon wieder an der Trainerstelle rumzudoktern". Mannschaftskapitän Carsten Ramelow machte sich bei den Verantwortlichen für den Toppmöller-Nachfolger trotz dessen schlechter Bilanz von acht Niederlagen in zwölf Spielen stark: "Wir nehmen das 0:3 von Stuttgart auf unsere Kappe. Wir sind mit Hörster absolut zufrieden."

Calmund teilt diese Einstellung nur bedingt: "Unter Hörster ist in der Bundesliga ausreichend gepunktet worden." Doch noch immer liegt die Mannschaft auf einem Abstiegsrang und hat sich in Champions League und DFB-Pokal nach Kräften blamiert - mit Hörsters Zutun, denn er wollte alle Kräfte für den Überlebenskampf in der Liga bündeln und "schenkte" die restlichen Aufgaben ab. "Ich habe mir nichts vorzuwerfen", sagte Hörster seinen Vorgesetzten Calmund und Kohler bei seinem Rückzugs-Angebot vor dem Training am Montagnachmittag.

Danach wurde es offenbar hektisch. Kurzfristig wurden Krisen-Gespräche anberaumt, Calmund setzte sich noch in der Nacht ins Auto, fuhr bei Hörster vorbei und versuchte, den Coach umzustimmen. Mit Erfolg: Hörster ging am Dienstagmorgen ganz normal seinem Job nach - ein Indiz dafür, dass der 46 Jahre alte Fußball-Lehrer sich abermals als ein absoluter Bayer-Getreuer zeigt: "Er ist 26 Jahre in diesem Verein, er identifiziert sich absolut mit uns", sagte Calmund.

So absolut, dass der Bayer-Sportbeauftragte die Hörster-Aktion als letzte Maßnahme zum Wachrütteln der Bayer-Profis interpretiert. "Schluss. Aus. Die Mannschaft ist das Entscheidende", nahm Sprink den Coach in Schutz. Denkbar ist allerdings auch, dass unter dem Bayer-Kreuz Resignation eingekehrt ist. Calmund jedenfalls bezeichnete das 0:3 von Stuttgart als "fast unerklärlichen Leistungsabfall" gegenüber dem 4:1 zum Einstand Kohlers ein Woche zuvor gegen Hertha BSC. Sechs Spieltage vor Saisonende ein weiteres Mal den Trainer zu wechseln - das ist keine Alternative, meint Calmund. Doch ob Hörster am Sonntag gegen Schalke 04 noch auf der Bank sitzt, wusste Calmund auch nicht: "In diesem Geschäft passiert so viel."

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