Absage kein Thema: Irak-Krieg überschattet die Formel 1

Absage kein Thema
Irak-Krieg überschattet die Formel 1

Betroffenheit, Besorgnis, Widersprüche - aber keine Gedanken an eine Absage: Ein nachdenklicher Michael Schumacher hat sich sehr betroffen über den Kriegsausbruch im Irak gezeigt, doch beim Großen Preis von Malaysia wird der Formel-1-Weltmeister wie seine Kollegen seinem Beruf nachgehen.

HB/dpa SEPANG. Auch wenn das größte Sportereignis des Wochenendes vom Krieg überschattet wird. "Es ist schon sehr schade, dass es so weit kommen musste", sagte der Ferrari - Star am Donnerstag in Sepang. "Ich denke nicht, dass wir die Augen verschließen. Wir wissen, was los ist. Der Krieg berührt uns auch", meinte er besorgt.

Aber der fünfmalige Champion sieht keinen Sinn darin, das Rennen ausfallen zu lassen. "Ich glaube schon, dass die Menschen weiterhin ihr Leben leben möchten, trotz der Ereignisse. Es wird uns alle bedrücken, es wird uns alle mitnehmen. Jeder hat wohl auf seine Weise gehofft, dass es nicht passiert. Aber deshalb alles stehen und liegen zu lassen - ich glaube nicht, dass das irgend jemandem helfen wird", sagte er. Er wünsche sich zwar ein Mitspracherecht, aber die Fahrer könnten darüber nicht entscheiden.

Die Verantwortlichen des zweiten WM-Laufs in Sepang unweit der Hauptstadt Kuala Lumpur stellten klar, dass eine Absage des Ereignisses, zu dem offiziell etwa 100 000 Zuschauer erwartet werden, kein Thema ist. "Das Rennen wird stattfinden. Alles läuft gemäß Zeitplan", erklärte Generalmanager Ahmad Mustafa. "Wir haben adäquate Sicherheitsmaßnahmen ergriffen." 300 Sicherheitsleute seien im Einsatz. Die Regierung des Landes mit einem Großteil islamischer Bevölkerung hatte zuvor die Sicherheit der Ausländer garantiert. Allerdings wirkte es grotesk, dass kurz nach dem Bekanntwerden des Kriegsausbruchs Kampfflieger über die beim Flughafen gelegene Rennstrecke flogen - ein üblicher Programmpunkt bei Formel-1-Rennen. "Wenn etwas nicht angemessen ist, dann dieses", kritisierte BMW Motorsportdirektor - Mario Theissen. Die Stimmung im Fahrerlager schien im Vorfeld des Grand Prix (Sonntag/08.00 Uhr/live in RTL und Premiere) widersprüchlich. Allgemein war das Bemühen zu spüren, Sport und Politik zu trennen. Einige Fahrer betonten, dass sie sich auf das Rennen freuen. Auch der zuletzt in Melbourne Viertplatzierte Schumacher hatte gesagt, er könne den Grand Prix kaum erwarten. Er zeigte sich aber auch sehr enttäuscht über die politischen Diskussionen vor dem Krieg. Es sei mehr darüber geredet worden, "wann er beginnen soll als über das Warum", kritisierte der Ferrari-Pilot. "Die Entscheidung über eine Absage kann ich nicht beeinflussen", sagte sein Bruder Ralf, der sich vor der Fahrt zur Rennstrecke im Fernsehen die Ansprache von US-Präsident George W. Bush angesehen hatte. "Ich fühle mich in Malaysia sicher und sehr wohl", meinte er. Heinz-Harald Frentzen sagte: "Hoffentlich ist das Leid der Menschen nicht so groß." Kollege Nick Heidfeld meinte: "Ob wir hier fahren oder nicht, hat keine Auswirkungen auf den Krieg."

Die Team-Verantwortlichen argumentierten ähnlich. "Es ist natürlich eine kritische Situation", so Theissen. "Andererseits wollen wir Sport und Politik trennen. Wir wollen den Fans in Asien guten Sport bieten." Peter Sauber sah ebenfalls "keinen Grund, hier beunruhigt zu sein". Allgemein sagte der Sauber-Chef: "Grundsätzlich bin ich zutiefst enttäuscht, dass Menschen in der heutigen Zeit einen Krieg starten, um ein Problem zu lösen. Das macht mich sehr besorgt." Der Weltverband FIA gab kein glückliches Bild ab. Bis Mittwoch war von "business as usual" die Rede. Präsident Max Mosley sagte eine für Donnerstag in Sepang geplante Pressekonferenz ab. "Was mich etwas verwundert", so Michael Schumacher. Stattdessen wurde ein Interview mit dem FIA-Chef zu anderen Themen verteilt. Als Grund für den Reise- Verzicht gab Mosley an, dass eine Veranstaltung vor Ort, zu der er kommen wollte, abgesagt worden war. In einem "kicker"-Interview sagte er über die Vereinbarkeit von Krieg und Formel 1: "Ich glaube, das macht keinen großen Unterschied: Krieg im Mittleren Osten - und die Formel 1 ist in Südostasien." Er sei überzeugt, dass von Seiten der malaysischen Regierung alles Notwendige für die Sicherheit vor Ort getan werde.

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