Absatz sinkt das fünfte Quartal in Folge
Computerbauer im Tal der Tränen

Nach einer leichten Besserung zu Jahresanfang lehrte das zweite Quartal die PC-Hersteller wieder das Gruseln. Der Absatz geht weiter zurück, und die Preise geraten auf breiter Front unter Druck.

jojo/tnt MÜNCHEN/FRANKFURT. Leere Auftragsbücher in der Computerindustrie: Der Absatz von Personalcomputern (PC) ist zwischen April und Juni wieder geschrumpft - das fünfte Quartal in Folge mit rückläufigen Zahlen. Mit weltweit rund 31 Million Rechnern haben die Händler im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 0,5 % weniger Geräte verkauft. Die Produzenten sind enttäuscht, denn ursprünglich hatten die Marktforscher von IDC und Gartner Dataquest eine leichte Belebung des Marktes vorhergesagt.

Der PC-Verkauf ist für die gesamte Technologiebranche ein wichtiger Gradmesser, da rund 40 % der Chipproduktion für den Bau dieser Rechner verwendet werden. Doch die anhaltende Krise vieler Firmen sowie die lahmende Nachfrage der Privathaushalte lässt Experten nicht auf eine schnelle Erholung des PC-Marktes hoffen.

"Die Unternehmensgewinne sind einer der stärksten Faktoren, die die IT-Ausgaben beeinflussen", sagt Mark Wolfenberger, der bei Credit Suisse First Boston die globale Technologiestrategie der Investmentbank verantwortet. So steige zwar mit jedem Monat die Summe fälliger Ersatzinvestitionen von PC in den Unternehmen, da die Geräte immer älter werden. Doch "davon abgesehen bleiben die fundamentalen Gründe für ein baldiges Anspringen der PC-Nachfrage schwach", fügt Wolfenberger hinzu. "Die Aussichten für die nächsten Quartale sind gemischt", sagt auch IDC-Expertin Karine Paoli skeptisch.

So gelang es allein dem amerikanischen Hersteller Dell Computer Corp., im zweiten Quartal deutlich mehr PC zu verkaufen als im Vorjahreszeitraum. Der nach der Fusion mit Compaq weltgrößte PC-Hersteller Hewlett-Packard (HP) Co. musste dagegen einen Rückgang um 16,2 % hinnehmen.

Die Krise hinterlässt auch bei Deutschlands größtem Computerproduzenten tiefe Spuren: Fujitsu Siemens Computers (FSC) rutschte im abgelaufenen Quartal mit einem Verlust vor Steuern und Zinsen (Ebit) von 40 Mill. Euro tief in die roten Zahlen. Der Marktanteil des Münchener Unternehmens auf dem Heimatmarkt Deutschland fiel im Vergleich zum Vorjahr um ein Fünftel auf knapp 16 %. Lediglich im Ausland konnte das Gemeinschaftsunternehmen von Siemens und Fujitsu zulegen. Eine Besserung der Geschäftslage sei nicht in Sicht, sagte eine Sprecherin. Ziel von FSC sei aber nach wie vor, das Geschäftsjahr profitabel abzuschießen.

Von dem Druck auf die Produzenten profitieren die Kunden, denn die Preise sind auf breiter Front gefallen. Neben niedrigeren Preisen für so genannte Desktop-Rechner (Standard-PC) werden vor allem mobile Computer, so genannte Notebooks, immer günstiger. "Zu Anfang des Jahres 2001 lag der Preis bei 75 Prozent aller verkauften Notebooks in Europa noch bei über 2000 Euro", sagt Eivind Malm, Analyst beim Marktforscher IDC. Heute sei das Verhältnis nahezu umgekehrt: Jedes zweite Notebook geht in den Ländern der EU schon zu Preisen unter 1750 Euro über den Ladentisch.

Trotz des Preisverfalls: Notebooks sind die große Wachstums-Hoffnung der Produzenten. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum kletterte der Absatz in Europa im zweiten Quartal immerhin um 12 %. In Deutschland setzten die Firmen sogar 23 % mehr ab. "Wir sind froh, dass wir bei Notebooks so gut aufgestellt sind", heißt es bei FSC.

Handtellergroße Taschencomputer (so genannte PDA) entwickeln sich dagegen immer mehr zu Ladenhütern. In Westeuropa ist der Absatz in den vergangenen drei Monaten das vierte Quartal in Folge geschrumpft. Laut Gartner sind im Vergleich zum Vorjahr die Verkäufe im zweiten Quartal um 18 % zurückgegangen. Auch technische Verbesserungen hätten die Nachfrage nicht stimulieren können, sondern nur die durchschnittlichen Preise erhöht. Nach der Fusion mit Compaq setzte sich HP auch bei den PDA mit rund 33 % Marktanteil knapp vor den bisherigen Marktführer Palm an die Spitze des Segments. Palm will nun durch eine Kooperation mit IBM im lukrativen Geschäftskundenmarkt punkten.

Quelle: Handelsblatt

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