Absatz stabil
VW dünnt Händlernetz weiter aus

Europas größter Autokonzern Volkswagen plant im Zuge der Liberalisierung des Autohandels in Europa bis 2004 in seinem Händlernetz weitere Einschnitte. Gleichzeitig werden die Mindestmargen für die vertragsgebundenen Autohäuser verringert. Wegen einer neuen Bonusregelung können besonders umsatzstarke Häuser allerdings mehr verdienen als bisher.

rtr WOLFSBURG. Als weitere Neuerung in den ab 1. Oktober geltenden neuen Verträgen mit der Händlerorganisation kündigte VW-Markenvorstand Detlef Wittig am Donnerstag in Wolfsburg die Möglichkeit an, dass sich Volkswagen an einzelnen Autohäusern beteiligt. Dadurch wolle sich der Konzern mit den Markengruppen VW und Audi lokale Präsenz sichern, falls ein Händler in finanzielle Not gerate.

In den ersten fünf Monaten dieses Jahres konnte Volkswagen unterdessen seinen weltweiten Fahrzeugabsatz auf Grund der schwachen Branchenkonjunktur nur stabil halten. "Der Absatz liegt in der Größenordnung des Vorjahres", sagte Wittig. Konkrete Zahlen nannte er dazu allerdings nicht. Nach den ersten drei Monaten hatte Volkswagen nach eigenen Angaben vor allem dank des ausgesprochen starken China-Geschäfts, mit dem Einbußen in anderen Regionen aufgefangen werden konnten, noch ein Verkaufsplus von rund drei Prozent verzeichnet.

Als Beispiel für eine Autohaus-Beteiligung von VW nannte Wittig das Hamburger Center Raffay, das seit Anfang der 90er Jahre bereits voll zu Volkswagen gehört. Für eine Beteiligung kämen bundesweit etwa 40 bis 45 Standorte in Frage, sagte Wittig. Bis 2004 strebe die Marke VW ein Netz aus 1500 Händlern an, gegenüber 2001 wäre dies eine Verringerung um 500. Das Netz der Audi-Händler soll nach Verbandsangaben zudem von 1200 auf 950 verringert werden. Europaweit will der VW-Konzern noch mit etwa 6500 Händlern zusammenarbeiten, 500 weniger als im Vorjahr.

In der EU gelten inzwischen neue Wettbewerbsregeln für den Autohandel. Die nach einjähriger Übergangsfrist am 1. Oktober 2003 nun in Kraft tretenden Bestimmungen erfassen sowohl den Autovertrieb als auch Reparatur und Wartung. Ziel ist es, den Wettbewerb zu erhöhen und die Preisunterschiede für Fahrzeuge zwischen einzelnen EU-Ländern zu beseitigen. Dadurch sollen Autohersteller zur Öffnung ihrer Händlernetze bewegt und der grenzüberschreitende Autohandel erleichtert werden. Händler sollen nicht mehr gezwungen werden, nur eine Automarke zu vertreiben. Der Gebietsschutz für Autohändler soll erst 2005 aufgehoben werden.

Kritik der Händlerorganisation

VW hatte wie andere Autokonzerne nach der Neuregelung der Wettbewerbsbedingungen durch die EU-Kommission die Verträge mit seinen Händlern gekündigt und neue Verhandlungen aufgenommen. Anstoß bei Händlern löste die Margenregelung aus. Der Geschäftsführer des Audi - und VW-Händlerverbands Michael Lamle sagte: "Die Frage ist, was wird für jeden einzelnen tatsächlich zu erreichen sein." Die mit höheren Anforderungen und Standards an die Händler verbundenen Verträge machten zum Teil hohe Investitionen nötig. Diese Kosten könnten in der gegenwärtigen Branchenflaute nicht durch höhere Preise an die Kunden weiter gegeben werden, sagte der Sprecher. Die Hoffnungen der Händler richteten sich daher darauf, dass die Autokonjunktur anspringe.

Den Angaben von VW zufolge wurde die Mindestmarge von 13,5 auf elf Prozent verringert. Allerdings können Händler durch eine neue Bonusregelung, die sich auch an der monatlich gemessenen Kundenzufriedenheit messen soll, mehr verdienen als bisher. Die maximal erreichbare Marge bezifferte Wittig auf 20%, bisher sind es 18,8%.

Wittig sagte, er rechne mit einer Zunahme von Kooperationen und Fusionen von Händlerunternehmen. Die Tendenz werde zu kleineren Ketten von drei bis vier Händlerbetrieben gehen. Gleichzeitig werde sich die Zahl reiner Werkstätten zunächst stark erhöhen, danach voraussichtlich aber wieder schrumpfen. "Soviel Brot wird es nicht zu verteilen geben", sagte Wittig.

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