Absatzschwäche in Europa beeinträchtigt den Chip-Marktführer – Analystengemeinde gespalten
Intels Warnung verunsichert Branche

Intel galt bisher als der Indikator für das Wohl oder Wehe des PC-Marktes. Nun fragen sich Beobachter, ob Intels Probleme einen Einbruch des PC-Marktes signalisieren oder eher hausgemacht sind.

ruk PALO ALTO. Intels Warnung, dass der Umsatz für das dritte Quartal des Geschäftsjahres geringer steigen werde als erwartet, hat für Einbrüche der Technologiewerte an der Wall Street gesorgt. Doch die in der US-Presse angefachte Diskussion des vergangenen Wochenendes zeigt, dass die Gemeinde der Analysten gespalten ist. Während eine Gruppe in der Intel-Warnung den Beginn einer geringeren Nachfrage am Markt für Personalcomputer sieht, versucht eine andere, den Marktführer der Halbleiterhersteller genauer unter die Lupe zu nehmen.

Die Widersprüche sind vor allem dadurch entstanden, dass die führenden PC-Hersteller Hewlett-Packard, Dell, Compaq und Gateway keine Zeichen für eine verringerte Nachfrage bei Personalcomputern sehen. Auch Intels einziger Konkurrent als Lieferant von Mikroprozessoren für PC, Advanced Micro Devices (AMD), sieht keinen Anlass, seine bisher positiven Vorhersagen zu korrigieren.

Offiziell hat Intel am Donnerstag Abend vergangener Woche nach Schluss der New Yorker Börse bekannt gegeben, dass für das dritte Quartal seines Geschäftsjahres ein geringerer Umsatz als bisher angenommen erwartet wird. Intel rechnet nun mit einem Plus von 3 bis 5 % gegenüber dem zweiten Quartals, als der Umsatz bei 8,3 Mrd. $ lag. Als Grund wurde eine schwächere Nachfrage in Europa genannt.

Intel-Chef Craig Barrett bestritt in einem Interview, dass der Verlust von Marktanteilen an den Konkurrenten AMD mit für das geringere Umsatzwachstum verantwortlich sei. Im Gegensatz zu Intel, der in diesem Jahr bereits zwei Produkte zurückrufen musste, hat AMD keine entsprechenden Probleme mit seinen neuen Chips gehabt. Im vierten Quartal will AMD nun auch in den Markt für Server eindringen.

Kaffeesatzlesen bestimmt die Marktbeobachtung

Genauere Erklärungen zur aktuellen Marktsituation waren weder von Intel noch von AMD zu erfahren, da sich beide Unternehmen nach den US-Börsenregeln in der "Quiet Period", befinden. Dies ist die Phase vor der offiziellen Veröffentlichung der Quartalsergebnisse. Intel wird dem Vernehmen nach sein Quartalsergebnis am 18. Oktober bekannt geben.

Wegen der aktuellen Schweigepflicht bleibt es den auf Halbleiter spezialisierten Analysten überlassen, durch "Kaffeesatzlesen" ihrer Marktbeobachtungen die Situation des Marktführers genauer unter die Lupe zu nehmen. "Nur Gott und Intel wissen, was wirklich los ist", kommentierte ein Analyst von ABN Amro. "Aber beide schweigen."

Charlie Glavin von Credit Suisse First Boston sieht in Europa einen Rückgang des PC-Umsatzes von 10 bis 15 % gegenüber dem zweiten Quartal. Als Gründe dafür nennt er den schwachen Wert des Euros gegenüber dem US-Dollar sowie die steigenden Energiepreise. Da Chips in Dollar gehandelt werden, verhindert der hohe Kurs der US-Währung Superangebote bei Aldi oder MediaMarkt, wo komplette PCs gewöhnlich knapp unter 2 000 DM kosten. Die hohen Sprit- und Heizölpreise dämpfen die Kaufbereitschaft der Verbraucher.

Andere Analysten wie etwa Mario Morales von IDC sehen einen Teil der Probleme bei Intel in der aktuellen Lagersituation bei den PC-Herstellern. Diese hatten in den letzten Monaten nach Lieferschwierigkeiten ihre Lager gefüllt und versorgen sich nun aus diesen Beständen.

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