Absatztief bald überwunden
Zweiklassengesellschaft der Autobauer

Die schwache Inlandsnachfrage zum Jahresbeginn 2002 hat zwar Bremsspuren bei der deutschen Automobilindustrie hinterlassen. Vor allem der Exportmotor läuft aber dank der sich abzeichnenden Erholung des US-Marktes runder als erwartet. Zudem hoffen die großen deutschen Autobauer auf ein Ende der Flaute in der zweiten Jahreshälfte.

dpa FRANKFURT. Experten warnen jedoch vor verfrühtem Optimismus. Die Zahl der Neuzulassungen ist vor allem in Westeuropa nach wie vor rückläufig. Hohe Arbeitslosigkeit und steigende Rohölpreise machen gerade in Deutschland immer weniger Menschen den Kauf eines Neuwagens schmackhaft. Zudem bleiben die Auswirkungen der angelaufenen Metaller-Streiks auf Produktion und Bilanz der Konzerne noch abzuwarten.

Die vorsichtige Belebung der Nachfrage spüren denn auch nicht alle Hersteller gleichermaßen: BMW hat im ersten Quartal wieder einen Rekordkurs eingeschlagen. DaimlerChrysler kann nach Ansicht der Experten die Schwierigkeiten mit Chrysler in den USA vermutlich bald zu den Akten legen. Den neuen VW-Chef Bernd Pischetsrieder hat die Konjunkturflaute zum Amtsantritt dagegen voll erwischt und Porsche kämpft mit Absatzproblemen in den USA.

Viele Experten sehen in der Automobilbranche mittlerweile eine "Zweiklassengesellschaft". Besonders die deutsche General Motors-Tochter Opel und der Fiat-Konzern haben nach wie vor mit Überkapazitäten zu kämpfen. Ford hat sich in Europa mittlerweile gesund geschrumpft. DaimlerChrysler, BMW und Volkswagen sind dagegen nach Einschätzung der meisten Experten gut aufgestellt.

Bei diesen drei Herstellern tobt mittlerweile der Kampf um das prestige- und ertragsträchtige Premiumsegment: Während in Stuttgart und München die Ausrichtung auf die Oberklasse schon lange zum Programm gehört, nimmt man in Wolfsburg mit dem Phaeton, der ab Ende Mai verkauft wird, jetzt ebenfalls die gut betuchte Kundschaft ins Visier.

Impulse für das Massengeschäft bringen die Luxusmodelle freilich nicht. Der Verband der deutschen Automobilindustrie (VDA) sieht deshalb zur Zeit auch keinen Grund, seine vorsichtige Prognose für dieses Jahr nach oben zu korrigieren. Nach dem Rekordjahr 2001 erwartet der VDA einen Inlandsabsatz von 3,2 bis 3,3 (2001: 3,34) Millionen Pkw/Kombi. Beim Export geht VDA-Präsident Bernd Gottschalk mit 3,4 Millionen Fahrzeugen unverändert vom zweithöchsten Ergebnis nach 2001 (3,6 Millionen) aus.

Sorgenkind der Branche bleibt das Nutzfahrzeuggeschäft - der VDA rechnet hier nach wie vor mit einem zweistelligen Absatzrückgang. Und der rasante Stellenabbau geht unvermindert weiter: Ende vergangener Woche wollte DaimlerChrysler - Nutzfahrzeugchef Eckard Cordes erstmals auch Entlassungen nicht mehr ausschließen.

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