Abschied auf Raten
Ulf Kirsten will „Pott“ noch mal anfassen

Ulf Kirsten ist der einzige Fußball- Profi, der mit dem DFB-Pokal ins Bett ging. Nach seinem Siegtreffer für Bayer 04 Leverkusen im Endspiel am 12. Juni 1993 gegen Hertha BSC (1:0) hatte der damals junge Heißsporn die Trophäe einfach mit nach Hause genommen.

dpa LEVERKUSEN/BERLIN. "Ich will den Pott noch einmal anfassen, mit ins Bett würde ich ihn diesmal aber nicht nehmen", sagte der heute 36-jährige Torjäger vor dem Pokal-Finale am (morgigen) Samstag (19.45 Uhr) in Berlin gegen Schalke 04. Für den ehemaligen Nationalspieler, der in der nächsten Saison als Stand-by-Profi nur noch ab und an einspringt, könnte sich im Olympiastadion der Kreis mit Erfolg schließen. "Den Titel hätte er noch verdient. Wenn dem Ulf zudem ein Tor gelingen würde, wäre das natürlich ein Sahnehäubchen obendrauf", wünscht Bayer-Torwart Hans-Jörg Butt dem Oldie das nötige Schussglück. Schließlich erlebte Kirsten, der seit 1990 in Leverkusen Treffer am Fließband produzierte, am 4. Mai einmal mehr, wie Bayer die deutsche Meisterschaft am Ende noch entglitt. Vier Mal war er seit 1997 schon Bundesliga-Zweiter. "Wir waren einfach zu blöd", stellte er nüchtern fest.

1993, im Jahr des ersten und bisher einzigen nationalen Titels für die Rheinländer, wurde Ulf Kirsten zum ersten Mal mit 20 Treffern "Torschützenkönig". 1998 und 1999 traf er erneut besser als die Stürmer-Konkurrenz in der Bundesliga. Mit insgesamt 181 Treffern in 347 Bundesliga-Spielen ist der "Schwatte", wie er in Leverkusen kurz heißt, der erfolgreichste Stürmer der 90er Jahre. Auch in seiner letzten Spielzeit als Vollprofi erzielte er in den Pflichtspielen (inklusive DFB-Pokal und Champions League) wieder 17 Tore; darunter ein so wichtiges wie das zum 1:1 gegen Arsenal London in der "Königsklasse". Als angesichts der deutschen Stürmer-Misere der Ruf laut wurde, er solle zum Comeback in der Nationalmannschaft bewegt werden, winkte er ab. Einen Mann mit so vielen Meriten lässt man nicht so gerne gehen - vor allem Bayer-Manager Reiner Calmund nicht, der Kirsten sowieso ein "Denkmal" bauen will. "Ich würde mir wünschen, dass Ulf noch ein Jahr dranhängt und hilft, die jungen Spieler voranzubringen. Einen Spieler mit solchen Erfahrungen kann man in der Bundesliga immer gebrauchen", meinte Calmund. Mit Trainer Klaus Toppmöller und Kirsten selbst wolle er nach Ende der Saison alles in Ruhe besprechen. Auf jeden Fall wird der Torjäger ins Sportmanagement des Clubs wechseln - spätestens im Juli 2003.

Dass im Alter von 36 Jahren das Fußballspielen auch zur Strapaze werden kann, musste der in Sachsen geborene ehemalige DDR- Auswahlspieler in der Endphase dieser Saison spüren. "Zum Schluss merkt man die Belastung. Weniger körperlich, aber ich habe mich psychisch müde gefühlt", bekannte Kirsten, der in den letzten neun Pflichtpartien nicht mehr traf und für das DFB-Pokalendspiel sowie Champions-League-Finale am 15. Mai gegen Real auf "die zweite Luft" hofft. Wann immer der Vorhang für ihn fallen sollte: Der Abschied wird dem geradlinigen und medienscheuen Hitzkopf nicht schwer fallen. "Ich bin nicht der Mensch, der in jede Kamera schauen will", meinte Kirsten, "vor dem Hintergrund bin ich froh, dass es vorbei ist."

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