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Abschied in großem Stil - Fausto Sarlis Hommage an die «Samurai-Frau»DPA-Datum: 2004-07-11 14:17:00

Rom (dpa) - Schon seit Jahren stehen die Alta-Moda-Tage in Rom im Schatten der großen Modeschauen von Mailand und Paris. Doch was Fausto Sarli jetzt zur Eröffnung in Rom präsentierte, stand den großen Schauen in nichts nach.

Rom (dpa) - Schon seit Jahren stehen die Alta-Moda-Tage in Rom im Schatten der großen Modeschauen von Mailand und Paris. Doch was Fausto Sarli jetzt zur Eröffnung in Rom präsentierte, stand den großen Schauen in nichts nach.

Für den Schneidermeister aus Neapel, seit 50 Jahren einer der Hauptakteure internationaler Modeschauen, gab es auf dem Kapitolshügel Ovationen. Seine japanisch angehauchten Kreationen aus kostbaren Stoffen sind vor allem in punkto Tragbarkeit eine wohltuende Ausnahme in der immer skurriler werdenden Modeszene. Gerade deshalb mischte sich Wehmut unter den tosenden Applaus, hatte der Designer doch kurz vor der Schau seinen Abschied von den Laufstegen der Welt angekündigt.

Medienberichten zufolge beklagt der Modeschöpfer, dass seine Modelle schon kurz nach den Schauen in arabischen Ländern und vor allem im Libanon originalgetreu kopiert werden. Da seine Kundinnen aber Exklusivität verlangten, sei er mittlerweile gezwungen, seine besten Kreationen nicht bei den Defilees vorzuführen. Zudem seien die Schauen mittlerweile zu kostspielig und zeitaufwendig. Ein schwerer Schlag für Alta-Moda-Präsident Stefano Dominella: «Wir werden alles tun, um ihn umzustimmen. Sarli ist einer der ganz großen Meister des "made in Italy", wir können es uns nicht erlauben, ihn zu verlieren.»

Im Stile von Quentin Tarantinos «Kill Bill»-Filmen steht eine stolze, elegant-sinnliche «Samurai-Frau» im Mittelpunkt der jüngsten Kollektion Sarlis. Die langen Röcke öffnen sich unten wie Fächer, Jacken und Kleider sind mit Lotosblumen bestickt, raffinierte Kimono-Ärmel und wagemutige Einblicke auf Hüften und Rücken sorgen für orientalische Erotik. Im Vordergrund stehen klassische Farben wie Weiß und Schwarz sowie kräftige Töne wie Purpur und Amethyst. Die Gäste waren sich einig: Kaum ein anderer Modemacher ist in der Lage, einen einzigen Stil auf so vielfältige Weise zu interpretieren.

Als am Ende 15 ganz in weiß gehüllte Mannequins über den Laufsteg schritten, die Kleiderträume aus fließenden Stoffen wie Organza und Chiffon trugen, hielt es die Anwesenden kaum noch auf den Sitzen: «Bellissimo!», entfuhr es den Sarli-Fans. «Allein das Brautkleid mit seinen glänzenden Streifen und Swarovski-Kristallen machte eine ganze Modenschau aus», schwärmte die Zeitung «La Repubblica» am Sonntag.

Scharfe Kritik erntete der italienische Jungdesigner Gianni Molaro mit seinen von den Terroranschlägen in New York und Madrid inspirierten Entwürfen: Leidende, schreiende und angsterfüllte Gesichter prangen auf den bizarren Kleidern. Als Molaro dann noch einen Rock mit dem Antlitz Christi und ein Top mit Dollarnoten-Motiv kombinierte, um die Vorherrschaft des Materiellen über das Spirituelle darzustellen, wurde es auch Dominella zu bunt: Er verließ wütend das Defilee und erklärte: «Was Molaro hier zeigt, geht in die entgegengesetzte Richtung der Alta-Moda-Tage.»

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