Abschied mit Triumph
Nicht süchtig nach Politik: Friedrich Merz

Für Friedrich Merz wurde der Abschied aus der ersten Politikerreihe zum Triumph. Seit Monaten war der 49-jährige Vizevorsitzende in der Unionsfraktion von CDU-Chefin Angela Merkel kaltgestellt. Seit seinem Abgang im Oktober aber geriet allein Merkel unter Rechtfertigungsdruck für den Verlust des Finanzexperten.

Das Bedauern der Wirtschaftsverbände war echt. "Brillant" sei Merz, sagte sogar Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) im Bundestag und meinte das Lob als Seitenhieb für Merkel.

Im neuen Jahr will Merz in seinem Beruf als Anwalt neu durchstarten. Er wechselt aus seiner bisherigen Kanzlei Cornelius Bartenbach Haesemann als Partner in die international tätige Sozietät Mayer Brown Rowe & Maw. Dort wird er das Team "Corporate/Finance" verstärken, sich also mit Fusionen beschäftigen und als Berater für Investoren in Deutschland tätig werden.

Sein Bundestagsmandat will er allerdings behalten und ebenfalls zur Bundestagswahl 2006 erneut in seinem Sauerländer Wahlkreis, einer CDU-Hochburg, antreten. Weiterarbeiten will Merz außerdem im politischen Allparteienbeirat der Stiftung Marktwirtschaft, unter deren Dach zehn Wissenschaftler bis zur Bundestagswahl 2006 ein neues Steuergesetzbuch ausarbeiten. Die Option Rückkehr in die erste Reihe bleibt also offen.

Einen Einstieg in die NRW-Landespolitik schließen Merz-Freunde allerdings aus - sei es als Finanzminister unter einem Wahlsieger Jürgen Rüttgers oder als Oppositionsführer im Landtag im Falle einer Wahlniederlage der CDU. "Er weiß, dass er nicht zum Landesvater taugt", sagt ein Merz-Kenner in der Fraktion.

Merz ist seit 1986 Anwalt und hat bis zum Jahr 2000, als er Fraktionsvorsitzender wurde, neben der politischen Karriere in dem Beruf gearbeitet. "Die Politik ist immer nur ein Mandat auf Zeit", sagt er selbst, und: "Ich bin nicht süchtig nach Politik." Auf gar keinen Fall, so erzählen es Parteifreunde, habe Merz erleben wollen, was dem von ihm bewunderten Fraktionsvize-Kollegen Wolfgang Schäuble passiert sei: Über Monate wurde der als Nachfolger für Johannes Rau (SPD) als Bundespräsident gehandelt - ohne eigenen Handlungsspielraum und am Ende erfolglos.

Als Verhandler von internationalen Fusionen für seine neue Kanzlei will Merz nun Interessenkonflikte mit seinem Mandat vermeiden. Klagen gegen die Bundesrepublik Deutschland schließt er, der Immer-noch-Politiker, für sich aus. Seinen Schwerpunkt sieht Merz als Berater für US-Investoren und auch als Werber für den Standort Deutschland, der "so schlecht ja nun wirklich nicht ist, wie er geredet wird".

Wie groß die Fußstapfen des Zwei-Meter-Manns sind in der Fraktion zeigt die Nachfolge-Lösung: Das Aufgabengebiet wurde aufgeteilt: an Michael Meister für Finanzen und Haushalt und an Ronald Pofalla für Wirtschaft und Arbeit. Brillante Reden, so ist zu hören, erwartet die Fraktion von beiden nicht.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
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