Abschied und Neubeginn: Kretzschmar & Co. hinterlassen schweres Erbe
Die goldene Generation tritt ab

Gut sieben Wochen nach dem Gewinn der olympischen Silbermedaille in Athen verlieren die deutschen Handballer vier ihrer Stützen.

HB LEIPZIG. Beim Länderspiel gegen Schweden am (heutigen) Dienstag (19.30 Uhr) in Kiel streifen Stefan Kretzschmar, Christian Schwarzer, Volker Zerbe und Klaus-Dieter Petersen zum letzten Mal die Nationalmannschafts-Trikots über. Die "goldene Generation" tritt ab und hinterlässt seinen Nachfolgern das schwere Erbe von fünf Medaillengewinnen bei Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften seit 1998. Zudem beendet Kreisspieler Mark Dragunski vom VfL Gummersbach nach 116 Einsätzen seine Auswahlkarriere.

"Wir verabschieden vier Spieler, die ganz eng mit den großen Erfolgen in den letzten Jahren verbunden sind. Das sind alles charismatische Spieler, vor allem Stefan Kretzschmar. Mit der Silbermedaille hat sich für sie ein Traum erfüllt. Deswegen ist es ein sehr richtiger Zeitpunkt für sie, zurück zu treten. Wir sind froh, dass sie für das Länderspiel in Kiel noch einmal zugesagt haben", sagte Horst Bredemeier, Vizepräsident des Deutschen Handball- Bundes (DHB) für Leistungssport.

In Yves Grafenhorst (Magdeburg), Lars Kaufmann (Delitzsch), Sebastian Preiß (Kiel), Jens Tiedtke (Wallau-Massenheim) sowie dem nachnominierten Tobias Schröder (Lübbecke) holte Bundestrainer Heiner Brand Erfolg versprechende Talente in seine Auswahl. "Das Spiel in Kiel ist zum einen ein Podium für verdiente Spieler und zum anderen ein Fingerzeig für die Zukunft", sagte Brand. Die ersten Bewährungsproben für die umformierte Nationalmannschaft sind der Worldcup in Schweden (15. bis 21. November) und die WM in Tunesien (23. Januar bis 6. Februar).

Mit 31 Jahren ist Magdeburgs Linksaußen Kretzschmar der Junior des gehenden Erfolgs-Quartetts. In 217 Länderspielen erzielte er 817 Tore und teilte sich bei den Nationalmannschafts-Einsätzen seit Jahren ein Zimmer mit "Blacky" Schwarzer. Der Kreisläufer, der kürzlich seinen Vertrag beim TBV Lemgo bis 2007 verlängerte, absolviert vier Tage vor seinem 35. Geburtstag sein 302. und gleichzeitig letztes Länderspiel. "Er gehört zu den herausragenden Kreisläufern der Welt", meinte Bredemeier.

Wie Schwarzer bestritt Abwehrspezialist "Pitti" Petersen vom THW Kiel noch unter Bredemeier als Bundestrainer sein erstes von bislang 339 Länderspielen am 21. November 1989 gegen die DDR. "Wir haben immer im Spaß gesagt: Er hat Handball verhindert", sagte Bredemeier. Petersen, der demnächst Jugend-Bundestrainer wird, bildete mit Zerbe in der Abwehr den so genannten Mittelblock. "Volker Zerbe ist einer besten Linkshänder weltweit, dem man immer nachgesagt hat, er hätte seine Möglichkeiten nicht alle ausgeschöpft", urteilte Bredemeier. Gegen Schweden läuft der 36-jährige Rückraumspieler "Zebu", der zuvor bereits zwei Mal aus der Nationalmannschaft zurück getreten war, zum 298. Mal für den DHB aufs Parkett.

"Die hätten sicher noch ein Jahr spielen können. Und wenn wir die WM 2005 nach Deutschland gekriegt hätten, hätten sie das sicher auch gemacht. Aber klar ist auch, dass der Umbruch kommen muss. Wir zeigen in Kiel junge Gesichter", erklärte DHB-Vizepräsident Bredemeier. Die Verabschiedung in der mit mehr als 10 000 Zuschauern ausverkauften Ostseehalle soll in würdigem Rahmen stattfinden. "Aber große Geschenke gibt es nicht. Das kann sich der DHB nicht leisten", sagte Bredemeier mit Blick auf die fast leeren Verbandskassen. Gleichzeitig kündigte er an, dass im Vorfeld der Begegnung ein neuer Sponsor präsentiert werden soll.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%