Abschied vom Do-it-Yourself-Prinzip
IT-Projekte mit Zukunft - Interview

Unternehmen müssen alle Prozesse, auch im Kerngeschäft, unter die Lupe nehmen und prüfen, ob Outsourcing-Lösungen nicht sinnvoller sind. Dieser Ansicht ist Dr. Peter Chylla, Vorsitzender der Geschäftsführung der Triaton GmbH. Handelsblatt.com sprach mit ihm über den Trend "IT-Outsourcing".

Wenn man Unternehmer quer durch alle Branchen nach ihrer Strategie zur Kostenoptimierung fragt, gibt es für 80 Prozent der Angesprochenen eine Lösung: "Outsourcing." Selbst als sehr konservativ geltende Institutionen legen ihre Berührungsängste gegenüber diesem "neumodischen" Trend ab, wenn es um Kosteneinsparungen geht. Beispiel: Die Commerzbank soll Pläne haben, die Informationstechnik für das Investmentbanking mit ca. 500 Mitarbeitern auszulagern. Davon seien der Betrieb des Rechenzentrums für dieses Geschäftsfeld wie auch die Anwendungsentwicklung betroffen. Die Gespräche mit IBM sind angeblich weit fortgeschritten. Die Mitarbeiter würden zum amerikanischen Global Player wechseln. Handelsblatt.com sprach mit Dr. Peter Chylla, Vorsitzender der Geschäftsführung der Triaton GmbH, über den Trend "IT-Outsourcing". Sein Unternehmen ist mit über 2.200 Mitarbeitern der IT-Service Provider von ThyssenKrupp und erzielt rund 75 Prozent des Gesamtumsatzes mit IT-Outsourcing-Projekten.

Profil: Dr. Peter Chylla / Die Triaton GmbH

IT-Outsourcing hat sich bewährt - Vom Auslagern gesamter IT-Dienste bis hin zu modernen eBusiness-Anwendungen.

handelsblatt.com: Die Analysten sind sich einig: IT-Outsourcing ist eines der wenigen Themen, die auch künftig in der IT-Branche ordentliche Wachstumsraten haben werden. Was halten Sie von dieser Einschätzung?

Peter Chylla: Das sehe ich genauso! Vor allem der Trend hin zum selektiven Outsourcing, also der Verlagerung ausgewählter Bereiche auf einen Dienstleister, nimmt immer weiter zu. Im Gegensatz zum Komplett-IT-Outsourcing verbleiben fimenindividuelle IT-Projektaufgaben, für die oft umfangreiche Kenntnisse über das eigene Unternehmen notwendig sind, als auch die Verwaltung und strategische Planung beim CIO und seiner IT-Abteilung. Dieses Konzept führt durch geschickte Aufgabenverteilung zu Effizienzsteigerungen; Know-How und Arbeitskraft werden optimal genutzt und somit letztendlich Kosten gesenkt. Der IT-Service-Provider leistet die wichtige Basisarbeit, die internen IT-Mitarbeiter können sich somit um Aufgaben kümmern, die ihrer hohen Qualifikation und ihren individuellen Kenntnissen über das eigene Unternehmen entsprechen.

Welche Aspekte werden das Outsourcinggeschäft in Zukunft positiv beeinflussen?

Ich sehe mehrere wichtige Gesichtspunkte: Die Entscheidungsträger werden und müssen sich von einer derzeit weit verbreiteten Ansicht trennen. Derzeit werden häufig lediglich Bereiche ausgelagert, die nichts mit dem Kerngeschäft zu tun haben. Entscheidend ist jedoch vielmehr, wie die Geschäftsprozesse in einer immer komplexeren Geschäftsumgebung verbessert werden können. Dabei müssen alle Kern- und Nicht-Kernprozesse überprüft und - sofern Kosten, Qualität usw. dafür sprechen - auch ausgelagert werden.

Welche Konsequenzen hat das für die outgesourcten Bereiche, die künftig als eigene Firmen auftreten - und für ihre neuen Dienstleister?

Die IT-Outsourcing-Anbieter werden ebenso profitieren wie die neuen Firmen: Schauen Sie sich beispielsweise die Chemie- und Pharmaindustrie an. Geschäfte werden restrukturiert, Konzerne fokussieren sich immer mehr auf bestimmte Kernbereiche und verkaufen daher Unternehmensbereiche. Diese abgegrenzten Firmen müssen von heute auf morgen einen Neuanfang managen. Dies hat auch für die Nutzung von IT Konsequenzen: Das große alte Mutterhaus hat kein Interesse mehr, IT-Leistungen bereitzustellen. Andererseits möchten die neuen, nun eigenständigen Unternehmen nicht in einer Kostenflut ertrinken, indem sie alles auslagern und das Gespür verlieren, was IT eigentlich kosten darf. Selektive Outsourcing-Projekte bieten sich an.

Wie sieht es im Falle von Firmenzusammenschlüssen aus?

Auch Fusionen sorgen für neue Möglichkeiten: Gerade wenn bei Fusionen eine historisch gewachsene und sehr heterogene IT-Infrastruktur konsolidiert und die Grundlage für eine Optimierung der Geschäftsprozesse durch IT-Lösungen geschafft werden soll, helfen Outsourcing-Projekte. Hier liegt übrigens eine besondere Stärke von Triaton: Als Unternehmen, das aus den IT-Units von Thyssen, Krupp, Hoesch und Hoechst entstanden ist, sind wir mit diesem Geschäft groß geworden. Unternehmen jeglicher Größenordnung aus den Branchen Automotive, Banken, Chemicals, Pharmaceuticals, Manufacturing und Metal/Paper/Wood profitieren bereits von unseren Erfahrungen. Zusätzlich spricht größere Transparenz in Bezug auf IT-Kosten für Auslagerungen. Sobald ein externer IT-Service-Provider das Ruder übernimmt, werden die finanziellen Auswirkungen von Anforderungen oder verschwenderischem Umgang mit Ressourcen wie Speicherplatz in der Regel unmittelbar sichtbar.

Gibt es noch andere Wirtschaftsbereiche, in denen Outsourcing eine größere Rolle spielt?

Weiterer wichtiger Wachstumsmotor für Outsourcing-Anbieter könnte der deutsche Mittelstand sein, dessen Marktpotential immens ist. Die Marktforscher von Techconsult errechneten, dass der heimische Mittelstand dieses Jahr etwa fünf Milliarden Euro für Dienstleistungen wie Outsourcing, Wartung, Schulung und Beratung ausgeben - zwölf bis 16 Prozent mehr als im letzten Jahr.

Nennen Sie bitte zurzeit populäre Projekte im selektiven IT-Outsourcing.

Sehr häufig sind heutzutage mySAP/SAP R/3-Outsourcing-Projekte zu beobachten: Viele Unternehmen entscheiden sich, alles, was prozessnah ist, in eigener Hand zu behalten - also SAP-Anwendungsbetreuung und Geschäftsprozessentwicklung. Sie gehören zu den Kernfunktionen des Unternehmens. Dagegen ist für die Unternehmen der Betrieb eines SAP-Rechenzentrums nicht so spannend. Rechenzentrumsbetrieb ist ein bisschen vergleichbar mit der Erzeugung von Strom in einem Kraftwerk. Die Unternehmen brauchen eine verlässliche Leistung, die Maschinen müssen laufen. Der Rechenzentrumsbetrieb tangiert nicht direkt die eigentlichen Geschäftsprozesse, sondern er gilt als ein belastbarer, guter Motor, der unter dem Geschäftsprozesssystem zur Verfügung steht. Viele Unternehmen vertrauen dies eher einem professionellen Anbieter an, so wie sie auch meistens nicht den Strom selbst produzieren. Andere weitverbreitete selektive Outsourcing-Projekte sind: Data Center Outsourcing, Onsite Infrastructure Outsourcing (Desktop, LAN, Server, Messaging, Telefonie), eBusiness- und eBusiness Infrastructure Outsourcing, Business Process Outsourcing (BPO), WAN Outsourcing, Application Service Providing (ASP), Application-/Server-Hosting, Systems Management Outsourcing, User Help Desk Outsorcing etc.

Neben selektiven Outsourcing-Projekten spielt auch die Auslagerung von Geschäftsprozessen eine Rolle. Wie sehen da die Trends aus?

Auffallend ist die positive Entwicklung von Business Process Outsourcing (BPO) - definitiv ein Wachstumsmarkt. BPO, das heißt die Auslagerung ganzer Geschäftsprozesse, ist eine verhältnismäßig junge Form des selektiven Outsourcing. BPO macht insbesondere bei Prozessen mit einem hohen IT-Anteil Sinn. Ein Schwerpunkt liegt daher oft auf Prozessen wie Payroll im Personalsektor, auf Logistikprozessen oder Aufgaben des Customer Relationship Managements CRM, hier mit Beispielen wie Call Center oder Billing. Auch zahlreiche Back-Office-Prozesse lassen sich sinnvoll auslagern.

Wird sich Ihrer Meinung nach das Outsourcing von Sicherheitsdienstleistungen, das sogenannte Managed Security Service Providing (MSSP) durchsetzen?

Heutzutage kann der Ausfall eines einzelnen IT-Systems durch einen unzulässigen Eingriff immense Folgen haben. Das hängt mit der starken Vernetzung von internen und externen IT-Landschaften zusammen. Das Aufgabenfeld "IT-Sicherheit" wird durch immer neue Möglichkeiten der IT größer, gleichzeitig steigt die Computerkriminalität. Weitere Problematik: Die Angriffe auf die IT-Systeme sind teilweise derart geschickt getarnt, dass sie gar nicht bemerkt werden. Deshalb lassen sich Aufbau, Betrieb und Kontrolle von Sicherheitssystemen wie etwa verschiedenste Firewalls, Anti-Viren-Software, Virtual Private Networks (VPNs) oder das Management von Zugriffsrechten längst nicht mehr als Nebenjob von Mitarbeitern des Rechenzentrums durchführen.

Offensichtlich gibt es Schwachstellen in den Unternehmen. Wie kann es dazu kommen?

Der wichtigste Grund für die Defizite im Sicherheitsmanagement ist schnell gefunden: Kostendruck. Sensible Daten gegen Zerstörung und unerlaubten Zugriff durch eine umfassende Sicherheitslösung zu schützen, ist teuer, denn qualifiziertes Fachpersonal muss die IT-Infrastruktur mit hochmoderner Technologie rund um die Uhr überwachen. Deshalb werden immer mehr Unternehmen ein Outsourcing-Projekt mit einem erfahrenen und vertrauten Managed Security Service Provider (MSSP) realisieren.

Was sollte bei der Auswahl eines Outsourcing-Partners beachtet werden?

Erstmal muss gesagt werden, dass die Unternehmen ihre Outsourcing-Entscheidung sehr gewissenhaft treffen sollten, denn der Wettbewerb nimmt zu - Preisdruck und Verdrängungswettbewerb sind die Folge. Die Übersättigung des Outsourcing-Marktes hat zur Folge, dass es auch sehr viele kleine und auch viele wenig qualifizierte Anbieter gibt. Ein im Outsourcing unerfahrenes Unternehmen, das erstmal nur auf den Preis achtet, kann plötzlich vor großen Problemen stehen, wenn beispielsweise essenzielle Leistungen wie beispielsweise Backup-Services bei einem SAP-Outsourcing nicht im Vertrag mit dem IT-Partner enthalten sind.

Welche Schritte sollte ein Unternehmen genau gehen, wenn es einen Outsourcing-Dienstleister sucht?

Zuerst muss man sich im Vorfeld Klarheit darüber verschaffen, was genau outgesourct werden soll. Dieser Bereich sollte genauestens in Service Level Agreements (SLAs) beschrieben werden. Das wird häufig unterschätzt und ist wirklich gar nicht so einfach. Das wird uns dann auch immer wieder in Kundengesprächen bestätigt. Denn wenn Sie beispielsweise einen SAP-Betrieb ausschreiben, müssen Sie vieles beachten, von Systemeinstellungen über Plattengrößen, Notfallkonzepte, Sicherheitskonzepte. Deshalb empfehlen wir für jedes Outsourcing-Projekt die Durchführung eines gesonderten Teilprojektes - gegebenenfalls mit Unterstützung eines externen Beraters - in dem ein Pflichtenheft erstellt wird. Dieses beschreibt die wesentlichen Anforderungen an den zukünftigen Partner.

Bei der Auswahl seines zukünftigen Partners sollte dann dieses Pflichtenheft für den CIO die Grundlage für einen detaillierten Vergleich der Leistungen der verschiedenen Anbieter sein. Zusätzlich sollten auf jeden Fall neben der Einhaltung der Service Level Agreements auch Aspekte wie Branchen-Know-how, Sicherheitsmanagement und Hochverfügbarkeitskonzepte in die Entscheidung miteinfließen.

Was sind die Hauptbedenken in den outsourcenden Unternehmen?

Sicherheit, Verfügbarkeit der Daten oder Bandbreitenkapazitäten sind meist am Anfang die Hauptbedenken, wenn Unternehmen gerade überlegen, die eigene IT ganz oder teilweise auszulagern. Zusätzlich möchten sich die Unternehmen auch nicht in eine große Abhängigkeit von einem Dienstleister begeben. Flexibel angelegte Verträge mit kurzen Laufzeiten und vereinbarte Service Level Agreements bauen Skepsis ab. Werden diese Service Level Agreements eingehalten, wächst das Vertrauen zueinander. Zusätzlich ist es von Kunden nicht vermessen, sehr hohe Anforderungen an das Disaster-Recovery zu stellen. Der IT-Dienstleister sollte demnach eine breite Palette von Disaster-Recovery-Konzepten bis hin zur Bereitstellung von Hochverfügbarkeitslösungen anbieten können. Triaton hat sich beispielsweise seine Rechenzentren zertifizieren lassen.

Letztlich ist es aber so wie im "richtigen" Leben: am besten wäre es, wenn derjenige Anbieter den Zuschlag erhält, dem man das meiste Vertrauen entgegenbringt. Denn eines ist klar: Ein Outsourcing-Projekt geht über einen langen Zeitraum - und da können auch mal Dinge schiefgehen...

Profil: Dr. Peter Chylla / Die Triaton GmbH

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