Abschied von der Funktionärs-Bühne
Egidius Braun übergibt «MV» das UEFA-Zepter

Luxemburg (dpa) - Beim Kongress der Europäischen Fußball-Union (UEFA) soll im Deutschen Fußball-Bund (DFB) der erste Schritt zum Machtwechsel von Egidius Braun zu Gerhard Mayer-Vorfelder vollzogen werden. Der DFB-Präsident legt in Luxemburg nach zwölf Jahren das Amt des UEFA-Vizepräsidenten nieder, räumt seinen Platz in der UEFA - Exekutive, den der Stuttgarter übernehmen soll. Damit leitet der 75 Jahre alte Braun seinen Abschied von der Funktionärs-Bühne ein, den er mit der ins Auge gefassten Übergabe der DFB-Präsidentschaft an den acht Jahre jüngeren Mayer-Vorfelder am 28. April 2001 in Magdeburg abschließen möchte.

«Ich bedaure, dass ich nicht mehr 40 oder 50 Jahre alt bin, um die Aufgaben zu bewältigen, die vor dem DFB liegen. Von der UEFA nehme ich mit traurigem Herzen, aber mit kühlem Verstand Abschied», erklärte Braun, der seit 1992 die Geschicke des größten nationalen Sport-Fachverbandes der Welt leitet. Die geplante Rochade von Braun zum DFB-Vizepräsidenten Mayer-Vorfelder in der UEFA - Exekutivkommission ist allerdings mit großen Risiken behaftet. Denn ob die UEFA-Delegierten aus 51 Ländern am Samstagmorgen den DFB - Vorstellungen folgen, ist fraglich.

Mayer-Vorfelder ist einer von 13 Kandidaten auf sieben frei werdende Plätze im UEFA -«Vorstand». «Er ist der Mann meines persönlichen Vertrauens», erklärte Braun seinen Weggefährten in der UEFA, für die der Aachener mehr als 20 Jahre tätig war. Der DFB-Chef hofft, dass die Vertreter der nationalen Fußball-Verbände seiner Empfehlung und Bitte folgen, die Rolle des DFB im europäischen Fußball durch die Wahl von «MV» zu dokumentieren.

«Es ist kaum vorstellbar, wenn Deutschland in keinem der wichtigsten Gremien des internationalen Fußballs vertreten wäre», sagt Mayer-Vorfelder. Vor zwei Jahren stand er allerdings im Mittelpunkt eines sportpolitischen Debakels des DFB. Im April 1998 verlor er in Dublin seinen Sitz in der Exekutivkommission des Internationalen Fußball-Verbandes (FIFA) an Joseph Mifsud aus Malta. Seitdem ist der DFB nicht mehr im höchsten Gremium des Welt-Fußballs vertreten. Die fünf UEFA-Vertreter für die FIFA-Exekutive werden auch in Luxemburg neu gewählt, aber der DFB hat sich entschlossen, keinen Kandidaten ins Rennen zu schicken. Andere europäische Verbände, die am Donnerstag nächster Woche in Zürich über die deutsche WM-Bewerbung zu entscheiden haben, sollen nicht vor den Kopf gestoßen werden.

Wenn Mayer-Vorfelder den Sprung in die UEFA-Exekutive nicht schafft, steht der DFB nicht nur im FIFA-Spitzengremium außen vor. Auch in der UEFA könnte der 6,3 Millionen Mitglieder umfassende Verband keinen direkten Einfluss mehr auf Entscheidungen nehmen, die die Nationalmannschaften, die Champions League oder den UEFA-Pokal betreffen. «Deutschland sollte mit den anderen größten Verbänden aus Europa, den Engländern, Italienern, Spaniern und Franzosen, in der Exekutive vertreten sein», sagt Mayer-Vorfelder, der in den vergangenen Tagen am Rande der Europameisterschaft «Wahlkampf» in eigener Sache betrieben hat.

In Luxemburg bewerben sich die bisherigen Exekutivmitglieder Marios Lefkaritis (Zypern), Antonio Matarrese (Italien), Joseph Mifsud (Malta), Per Ravn Omdal (Norwegen) und Mathieu Sprengers (Niederlande) für die erneute Wahl in die UEFA-Spitze. Dieses etablierte Quintett darf mit seiner Wiederwahl rechnen. Das würde bedeuten, dass um die restlichen zwei Plätze acht Kandidaten rangeln müssen. Neben Mayer-Vorfelder sind dies Pekka Hämälainen (Finnland), Gilberto Parca Madail (Portugal), Mircea Sandu (Rumänien), Desmond Shanklin (Wales), Claude Simonet (Frankreich), Dan Tana (Jugoslawien) und Geoff Thompson (England).

Vor allem in Simonet und Thompson, den Verbandspräsidenten ihrer Ländern, hat «DFB-Vize» Mayer-Vorfelder harte Konkurrenten. Während Simonet den Platz seines Landsmannes Jean Foumet-Fayard übernehmen will, drängen die Engländer neu in die UEFA-Exekutive. Somit kommt es nicht erst bei der WM-Vergabe 2006 in der nächsten Woche in Zürich zu einem Duell zwischen DFB und englischen Verband. Selbst im DFB schließt man nicht aus, dass man zwei Wochen nach dem 0:1 bei der EM in Charleroi eine zweite Niederlage gegen England auf sportpolitischen Parkett beziehen könnte.

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