Abschied von Softball und Baseball
Zum letzten Mal der große Wurf

Mit einem Sieg von Japan gegen die USA endet die Zeit von Softball bei Olympia. Auch Baseball wird aus dem Programm gestrichen. Schon jetzt hat sich eine Kampagne für die Wiederaufnahme von Softball gegründet: "Sonst geht unser Sport zugrunde", sagt Jennie Finch.

PEKING. Yukiko Ueno atmet tief durch, dann macht sie einen Schritt nach vorn und schleudert den Ball aus dem Wurfkreis in Richtung der amerikanischen Schlägerin. Die Kugel muss von unten geworfen werden, dennoch hat sie über 100 Stundenkilometer erreicht, als Caitlin Lowe sie trifft und flach nach links ins Feld befördert. Es ist kein guter Schlag, zu kurz, zu langsam, das Kreischen von der japanischen Ersatzbank, das die ganze Partie begleitet hat, wird jetzt noch schriller. Innerhalb von einer, vielleicht zwei Sekunden, befördert die Abwehr den Ball zur ersten Base. Dort kommt Lowe zu spät. Das dritte Aus. Das Ende. Der olympische Softball ist Geschichte. Aber mit welcher Pointe hat er sich verabschiedet.

Seit drei Jahren stand fest, dass das Finale gestern der letzte Auftritt dieses Sports bei Olympia sein würde. Auch den großen Bruder, das Baseball der Männer, wird es in London 2012 nicht mehr geben. Erstmals seit Polo 1936 werden Sportarten von der olympischen Bühne entfernt, wobei es im Fall von Softball vor allem eine Begründung gab: Seit der Sport 1996 olympisch wurde, gewannen stets die USA. In diesem Turnier erzielten sie bis zum Endspiel 57 Punkte und ließen nur zwei zu.

Doch als Lowe die erste Base nicht rechtzeitig erreicht, ist plötzlich Japan Olympiasieger. "Unser Sieg ist der erste Schritt, Softball zurückzubringen", sagt Yukiko Ueno, deren Würfe die Amerikanerinnen zur Verzweiflung gebracht haben. Nur einen "Run" hat sie zugelassen, nur einmal hat eine Gegnerin alle vier Bases umrunden können. Japan hat dreimal gepunktet, und bei den Spielen 2016 wollen sie das wieder tun. Eine Kampagne namens "Bringt Softball zurück!" gibt es bereits. "Ansonsten geht unser Sport zugrunde", sagt US-Spielerin Jennie Finch, die vom Fernsehsender ESPN einmal zur "schönsten Sportlerin der Welt" gekürt wurde.

Auch die Baseballer, die heute noch ihre Halbfinals und morgen das Endspiel austragen, wollen alsbald zurück. Und sie können durchaus auf eine reiche olympische Geschichte zurückblicken. 1904 erstmals und danach in unregelmäßigen Abständen waren sie zunächst als Demonstrationswettbewerb im Programm. Historikern zufolge gewann der amerikanische Nationalsport bei den Spielen 1936 in Berlin dabei unerwartete Fans: Adolf Hitler und seine spätere Frau Eva Braun ließen sich häufiger beim Baseball blicken. Die Spieler bekamen eigens die Anweisung, den Ball nicht nach rechts zu schlagen, weil dort die Loge des Führers war.

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