Abschied von Troussier
Japan trägt Trauer

Nach der 0:1-Niederlage im Achtelfinale gegen die Türkei trägt ganz Japan Trauer. Nicht nur in der Kabine, auch auf der Tribüne flossen die Tränen. Nur Trainer Philippe Troussier, der sein Traineramt nach vier Jahren in Japan niederlegt, ließ sich den Ärger über den verpassten Einzug ins Viertelfinalenicht anmerken.

dpa MIYAGI. Aus der Traum - nach der 0:1-Niederlage gegen die Türkei trägt ganz Japan Trauer. Kaum war der Abpfiff ertönt, herrschte im Hexenkessel "Miyagi Stadium" urplötzlich Grabesstille. Mit gesenkten Köpfen schlichen die noch Minuten zuvor stürmisch angefeuerten Fußball-Samurai in die Kabine, während einige Fans auf der Tribüne bittere Tränen vergossen. Nur Trainer Philippe Troussier ließ sich den Ärger über den verpassten Einzug ins Viertelfinale nicht anmerken: "Das große Abenteuer ist vorüber. Aber wir haben der Welt gezeigt, dass wir mithalten können. Darauf können wir stolz sein."

Erst nach Minuten der Besinnung dämmerte es auch den Spielern, dass sie ihre Mission ungeachtet der Niederlage erfüllt haben. "Fußball ist bei uns viel populärer geworden, als wir jemals erwartet hatten", erinnerte Verteidiger Ryuzo Morioka an den überraschenden Gruppensieg und das riesige Medienecho der vergangenen Tage. Die Sorge, wonach sich das WM-Aus des Gastgebers negativ auf die Stimmung bei den restlichen Turnier-Spielen auswirken könnte, wollte auch Mittelfeldspieler Kazuyuki Toda nicht teilen: "Keine Sorge - die Japaner haben diesen Sport lieben gelernt."

Das blaue Wunder schien zum Greifen nahe: Doch der frühe Treffer des Türken Ümit Davala (AC Mailand) in der 12. Minute traf die Gastgeber mitten ins Herz. Zwar mobilisierten sie letzte Kräfte, erspielten sich deutliche Feldvorteile, ließen aber in der Offensive die nötige Kreativität und Durchschlagskraft vermissen. Dank einer starken Abwehrleistung überstanden die Türken die Angriffe der Japaner schadlos und feierten am Ende zusammen mit ihren rund 2000 Fans ausgelassen den historischen Erfolg. "In Europa war unser Image bereits gut. Jetzt haben wir uns auch in der ganzen Welt einen guten Ruf erarbeitet", meinte der überglückliche Trainer Senol Günes, dessen Team am Samstag in Osaka gegen Senegal weiter für Furore sorgen will.

Die noch nach den mäßigen Gruppenspielen von der heimischen Presse verspottete Mannschaft strafte alle Kritiker Lügen und qualifizierte sich erstmals in der Verbandsgeschichte für ein WM-Viertelfinale. Wie sehr das Selbstvertrauen der vermeintlichen Underdogs in den letzten Tagen gewachsen ist, brachte Abwehrspieler Hakan Ünsal zum Ausdruck: "Wir haben ein großartiges Kollektiv, keiner denkt nur an sich. Jetzt hoffe ich auf das Finale."

Inmitten des Trubels ging der Abschied von Troussier fast unter. Wie der Franzose bereits vor Monaten angekündigt hatte, wird er seine Wahlheimat nach vierjähriger Pionierarbeit verlassen. Wohin ihn sein missionarischer Eifer in Zukunft verschlägt, ließ er offen: "Ich brauche jetzt erstmal ein wenig Abstand", sagte der 47 Jahre alte Coach, "aber ich hoffe, dass es mit dem japanischen Fußball weiter aufwärts geht."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%