Abschluss 2001 erwartungsgemäß
Telekom erstmals seit Börsengang mit Milliardenverlust

Die Deutsche Telekom hat im abgelaufenen Jahr trotz Erträgen aus Beteiligungsverkäufen einen Milliardenverlust und damit das schlechteste Ergebnis seit ihrem Börsengang 1996 erwirtschaftet.

Reuters BONN. Die Telekom teilte am Dienstag in Bonn mit, der um Sondereinflüsse bereinigte und damit vergleichbare Konzernverlust sei auf 4,7 Mrd. Euro nach 1,5 Mrd. Euro im Vorjahr angewachsen. Analysten hatten diesen Anstieg erwartet. Als Gründe für die Verlustausweitung nannte die Telekom Belastungen durch die Übernahme des verlustbringenden US-Mobilfunkunternehmens Voicestream und erhöhte Abschreibungen auf Firmenwerte. Darunter fällt vor allem die teilweise Entwertung der Markennamen One2One in Großbritannien und von max.mobil in Österreich durch die weltweite Umfirmierung der Mobilfunksparte in T-Mobile. Wegen des vergleichsweise geringen Werts der Marke Voicestream wurde dort keine keine Abschreibung vorgenommen und sind nach Angaben von mit der Situation vertrauten Kreisen auch nicht in nennenswertem Umfang geplant.

Das ebenfalls um Sondereinflüsse bereinigte Ergebnis vor Steuern, Zinsen, Abschreibungen und Amortisationen (Ebitda) kletterte dagegen erstmals seit der Freigabe des Wettbewerbs im Jahr 1998 wegen des wachsenden Mobilfunkgeschäfts um 17 % auf 15,1 Mrd. Euro. Der Umsatz stieg um 18 % auf 48,3 Mrd. Euro und damit stärker als von der Telekom zu Jahresbeginn prognostiziert. Auch diese Ergebnisse liegen im Rahmen der Erwartungen der von Reuters befragten Analysten.

Aus den veröffentlichten Daten geht weiter hervor, dass die Telekom im vierten Quartal schlechter als in den Vorquartalen abschnitt. Danach erhöhte sich der bereinigte Konzernverlust auf 1,85 Mrd. Euro Verlust im vierten Quartal nach 1,54 Mrd. Euro im dritten Quartal. Auch die positive Entwicklung des bereinigten Ebitda im Jahresverlauf brach im Schlussquartal ab, da das operative Ergebnis den Angaben zufolge auf 3,77 Mrd. Euro nach 4,09 Mrd. Euro im dritten Quartal sank. Bei der Telekom war zunächst keine Erklärung für diese schwächere Entwicklung zu erhalten.

Analysten und Fondsmanager stuften die jüngsten Daten zum Geschäftsjahr mangels Überraschungen als "Nicht-Ereignis" ein. "Die Zahlen sind mehr oder weniger vom Markt so erwartet worden. Es gibt weder besonders gute noch schlechte Nachrichten", sagte Alexander Uhlmann, Fondsmanager bei Invesco Asset Management.

An der schwächer tendierenden Börse fielen die T-Aktien mit minus einem Prozent auf 16,85 Euro stärker als der Gesamtmarkt. Ralf Hallmann, Analyst bei der Bankgesellschaft Berlin, führte dies auf Gewinnmitnahmen und die weitgehend unerwarte Sonderabschreibung im Zuge der Mobilfunk-Namensänderung zurück. "Ich hätte mir gewünscht, dass die Telekom bei diesen nicht cash-wirksamen Ergebnisbelastungen einen richtigen Paukenschlag macht und noch mehr Abschreibungen auf die Firmenwerte tätigt, um in Zukunft besser dazustehen", sagte Hallmann. Die Telekom sei "sehr zurückhaltend" gewesen.

Die US-Tochter Voicestream erfüllte im Schlussquartal 2001 ebenfalls die von der Telekom gesteckten Prognosen. Danach stieg der Umsatz auf 1,12 Mrd. $ (1,29 Mrd. Euro) nach 1,03 Mrd. $ im Vorquartal. Der Nettoverlust und der operative Verlust (Ebitda) wurde wie in den Vorquartalen weiter abgebaut. Der pro Kunde erzielte Umsatz blieb mit 49 $ entgegen den Erwartungen der meisten Analysten trotz eines deutlich über den Markterwartungen liegenden Zuwachses bei der Kundenzahl konstant. Analysten sagten, nach der fortschreitenden Verbesserung des operativen Ergebnisses bei VoiceStream müsse sich nun noch die Stimmung für Mobilfunkmärkte an den Kapitalmärkten aufhellen, um die Mobilfunksparte wie geplant an die Börse bringen zu können.

Die bei Investoren viel beachtete Verschuldung verringerte sich im vierten Quartal wie von den Analysten erwartet auf 62,1 Mrd. Euro von 65,2 Mrd. Euro zum Ende des dritten Quartals. Darin spiegeln sich eine Steuererstattung, ein Erlös durch Verkauf von Immobilien und der teilweise Verkauf von Forderungen gegenüber Kunden wider. Bis zum Jahresende sollen die Schulden durch einen Börsengang von T-Mobile und den Verkauf des restlichen TV-Kabels auf 50 Mrd. Euro sinken.

Die Telekom bekräftigte ebenso ihre Prognosen, 2002 Umsatz und operatives Ergebnis um einen zweistelligen Prozentsatz steigern zu wollen. Von Voicestream wird weiterhin das Erreichen der operativen Gewinnschwelle (Ebitda) im ersten Quartal 2002 und in der Folge ein positiver Beitrag zum Mobilfunk-Ebitda erwartet.

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