Abschneiden für Regierungsbildung vielleicht mitentscheidend
Zukunft der PDS könnte sich in Berlin-Treptow entscheiden

Die politische Zukunft der PDS könnte von einer 27- jährigen Jurastudentin und einem 58-jährigen Frühpensionär abhängen. Sandra Brunner und Ernst Welters sind Direktkandidaten der PDS in Ost-Berlin. Gewinnt einer der beiden sein Direktmandat, dürfte der Wiedereinzug der PDS in den Bundestag gesichert sein, auch wenn die Partei die Fünf-Prozent-Hürde nicht überspringt.

HB BERLIN. Denn zwei weitere Berliner Wahlkreise gelten als sichere PDS-Hochburgen, mit dann insgesamt drei Direktmandaten wären die Sozialisten über den Berg.

Hoffnungen machen sich die Sozialisten zudem in Halle, Rostock, Potsdam oder Märkisch Oderland. In Rostock verlor die PDS 1998 mit 33,5 % und nur rund drei Prozentpunkten Abstand gegen den SPD - Kandidaten. In Halle müsste der PDS-Fraktionschef im Bundestag, Roland Claus, das 24,2 %-Ergebnis von 1998 allerdings sehr deutlich steigern, um sich durchzusetzen.

Das Abschneiden der PDS könnte für die Regierungsbildung nach der Wahl entscheidend sein. Scheitert die PDS, wäre eine eigene Mehrheit für CDU/CSU und FDP wahrscheinlicher. Zieht die PDS ein, könnte es nach derzeitigem Stand der Umfragen eine Patt-Situation zwischen rot- grün und schwarz-gelb geben.

Die Ausgangsposition für die Partei des demokratischen Sozialismus ist seit 1998 deutlich schlechter geworden. Bei der damaligen Bundestagswahl gewann sie vier Direktmandate in der Hauptstadt und holte zudem 5,1 % der Zweitstimmen. Die fünf Prozent sind inzwischen alles andere als sicher. Die Mehrzahl der Meinungsforscher sieht die PDS knapp unter der entscheidenden Marke.

Auch die Aussichten auf ausreichend Direktmandate sind gesunken. PDS-Star Gregor Gysi tritt nicht mehr als Kandidat an. Zwar absolviert er nach seiner kurzen Amtszeit als Berliner Wirtschaftssenator noch zahlreiche Wahlkampftermine. Doch sein Name steht auf keinem Wahlzettel mehr. Viele PDS-Anhänger zeigen sich enttäuscht über seinen plötzlichen Rücktritt vom Senatorenamt.

Zudem haben SPD und CDU in gemeinsamer Anstrengung bereits vor Jahren die Chancen der PDS verringert. Wegen der Verkleinerung des Bundestages und der Berliner Bezirksreform schnitt man die Wahlkreise in der Hauptstadt und den Ländern neu zu. SPD und CDU setzten sich häufig mit ihren Interessen durch. So wurde in Berlin die Zahl der reinen Ost-Wahlkreise von fünf auf vier reduziert. Überträgt man die Ergebnisse der Wahl von 1998 auf den aktuellen Zuschnitt, gewinnt die PDS nur noch zwei Direktmandate - zwei weniger als 1998.

Sicher dürfte den Sozialisten der Erfolg in den Berliner Wahlkreisen Marzahn-Hellersdorf und Lichtenberg sein. Vor vier Jahren betrug der Vorsprung hier bis zu 20 %punkte. Mit der stellvertretenden PDS-Vorsitzenden Petra Pau und der langjährigen Berliner Abgeordneten Gesine Lötzsch treten zwei bewährte Parteikräfte an.

Ein Großteil der Hoffnungen für das dritte Direktmandat ruhen jetzt etwa auf dem gebürtigen Rheinländer und ehemaligen Mitglied der Sozialistischen Einheitspartei Westberlins (SEW) Ernst Welters, der im südöstlichen Berlin gelegenen Treptow-Köpenick antritt. Bisher verlor er regelmäßig gegen den SPD-Kandidaten - der Abstand betrug jedoch immer nur wenige Prozentpunkte. Im Nordosten Berlins, in Prenzlauer Berg/Pankow/Weißensee, dürfte es die Jungpolitikerin Sandra Brunner gegen Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) noch schwerer haben.

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