Abschreibungen belasten
EM.TV weiter tief in roten Zahlen

Der angeschlagene Medienkonzern EM.TV steckt weiter tief in den roten Zahlen. Die auf Jugend-TV-Programme und Werbeartikel spezialisierte EM.TV Merchandising AG hat im vergangenen Jahr wegen Sonderabschreibungen erneut Verluste geschrieben, will aber von der Neuordnung der deutschen Medienlandschaft profitieren und ab 2004 vor Steuern und Zinsen schwarze Zahlen schreiben.

Reuters MÜNCHEN. Im vergangenen Jahr hätten Sonderabschreibungen auf Beteiligungen und immaterielle Vermögensbestände das Ergebnis mit 240 Millionen Euro belastet, teilte das am Neuen Markt gelistete Unternehmen am Montag mit. Vor Steuern und Zinsen (Ebit) wies EM.TV daher für 2001 einen Verlust von 133 Millionen Euro aus. Wegen hoher Zinsaufwendungen ergebe sich unter dem Strich ein Fehlbetrag von 374 Millionen Euro. Der Umsatz sei allerdings um zehn Prozent auf 722 Millionen Euro gestiegen, obwohl der schwache Werbemarkt die Nachfrage der Sender nach Programm gedämpft habe. Ab 2004 will EM.TV ein positives Ebit ausweisen. Gefahr droht aber weiter von der Insolvenz des Geschäftspartners Kirch-Gruppe.

EM.TV war unter dem Vorsitz von Unternehmensgründer Thomas Haffa wegen überteuerter Zukäufe in die Krise geraten und hatte 2000 einen Verlust von mehr als einer Milliarde Euro ausgewiesen. Der seit Sommer 2001 amtierende neue Vorstandschef Werner Klatten will das Unternehmen nun durch die Konzentration auf das Kerngeschäft Rechtehandel und Merchandising wieder in die schwarzen Zahlen führen. "Wir haben von der bilanziellen Seite her die Voraussetzungen geschaffen, dass EM.TV im Jahr 2004 ein positives Konzernergebnis vor Zinsen und Steuern ausweisen kann", erklärte Klatten.

Bilanzielle Sanierung abgeschlossen

Mit den erneuten Sonderabschreibungen habe EM.TV die bilanzielle Sanierung abgeschlossen, teilte das Unternehmen weiter mit. Vor dem Hintergrund der Schwäche des Werbemarktes und der durch die Kirch-Krise ausgelösten Umbrüche in der deutschen Medienlandschaft seien alle Vermögenswerte überprüft worden. Von den Abschreibungen entfielen 138 Millionen Euro auf Junior TV, die gemeinsam mit der insolventen KirchMedia unterhaltene Jugendprogramm-Bibliothek mit Rechten an Serien wie "Biene Maja" und "Vicky". Bei der zum Verkauf stehenden US-Tochter Jim Henson wurden 50 Millionen Euro abgeschrieben, bei der Beteiligung an der Tele München Gruppe (TMG) 20 Millionen Euro und bei dem Anteil an dem Filmproduzenten Constantin Film 19 Millionen Euro. Im turbulenten Jahr 2000 hatten Sonderabschreibungen von mehr als einer Milliarde Euro zu einem Fehlbetrag von 1,35 Milliarden Euro geführt.

Chancen bei einer Konsolidierung des Medienmarkttes

"Das Unternehmen hat im vergangenen Jahr die operative Trendwende geschafft", erklärte Klatten weiter. EM.TV weise einen positiven Mittelzufluss von 55 Millionen Euro aus der laufenden Geschäftstätigkeit aus. Die Finanzverbindlichkeiten seien auf 564 Millionen Euro von 2,1 Milliarden Euro verringert worden. Ende Dezember habe EM.TV über 128 Millionen Euro an flüssigen Mitteln verfügt. Nun habe die Stärkung der Kerngeschäftsfelder Lizenzhandel und Merchandising Priorität. Das Programm- und Produktangebot solle auf ältere Jugendliche und junge Erwachsende sowie um neue Genres erweitert werden. Chancen böten sich auch durch den Umbruch in der deutschen Medienlandschaft. "Viele Medienunternehmen sind derzeit gezwungen, ihre Geschäftsmodelle zu überdenken und einschneidende Korrekturen vorzunehmen. Wir sehen in dieser Entwicklung Möglichkeiten, qualitative Portfolioerweiterungen zu tätigen", erklärte Klatten.

Weitere Abschreibungen könnten auf EM.TV aber durch die finanziellen Schwierigkeiten der zusammengebrochenen Kirch-Gruppe zukommen. Der 16,7-prozentige Anteil von EM.TV an der Formel 1, der mit 204 Millionen Euro in den Büchern steht, dient als Sicherheit für einen Kredit an die Kirch-Gruppe und könnte von den Gläubigerbanken als Pfand beansprucht werden. EM.TV sei derzeit in Gesprächen mit den involvierten Banken über eine Lösung, hieß es in der Mitteilung.

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